Wir verwenden Cookies

Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Einige von ihnen sind essenziell, während andere uns helfen, diese Website und Ihre Erfahrung zu verbessern.

Wie Übergewicht und Adipositas entstehen – und was das für die Gesundheit bedeutet

ArtikelLesezeit: 7:00 min.
Adipositas / Übergewicht - Frau sitzt auf einer Yogamatte

Bildnachweis: © stock.adobe.com / shurkin_son

Millionen Menschen in Deutschland leben mit Übergewicht oder Adipositas. Wann Übergewicht endet und Adipositas beginnt, welche Folgen die Erkrankung haben kann und welche Behandlungen heute wirklich wirken, erfahren Sie hier.

Expertenbild

Der Experte zum Thema

Pascal Cordova

Facharzt für Innere Medizin mit Schwerpunkt Kardiologie
ServiceCenter AOK-Clarimedis

Was ist der Unterschied zwischen Übergewicht und Adipositas?

Übergewicht bedeutet, dass das Körpergewicht in Relation zur Körpergröße erhöht ist. Es hat nicht zwingend Krankheitswert, sollte aber als Warnsignal ernst genommen werden. Adipositas hingegen ist eine anerkannte chronische Erkrankung, die aus Übergewicht entstehen kann. Der Körperfettanteil ist bei Menschen mit Adipositas so stark erhöht, dass ihre Gesundheit ernsthaft beeinträchtigt wird.

Woran erkennt man Adipositas – und wie wird sie diagnostiziert?

Der Body-Mass-Index (BMI) ist der gängigste Ausgangspunkt. Ab einem BMI von 25 spricht man von Übergewicht, ab 30 von Adipositas. Letztere wird in drei Schweregrade unterteilt.

Der BMI hat jedoch Grenzen, weil er nicht zwischen Muskel- und Fettmasse unterscheidet. Deshalb ist der Taillenumfang eine wichtige Ergänzung: Werte über 102 Zentimeter bei Männern und über 88 Zentimeter bei Frauen gelten als Risikomarker – denn das Bauchfett, das die inneren Organe umschließt, ist besonders stoffwechselaktiv und schädlich.

Wie sich der BMI genau berechnet und welche Alternativen es gibt, lesen Sie hier.

Wie verbreitet sind Übergewicht und Adipositas in Deutschland?

Laut Auswertungen der Deutschen Adipositas-Gesellschaft aus dem Jahr 2025 sind rund 67 Prozent der Männer und 53 Prozent der Frauen in Deutschland übergewichtig. Knapp 20 Prozent der Erwachsenen leben mit Adipositas – 2003 waren es noch 12,2 Prozent. Besonders stark gestiegen ist die Rate bei jungen Erwachsenen zwischen 18 und 29 Jahren: von 3,4 auf 11,3 Prozent. Auch ein soziales Gefälle ist messbar: Das Risiko für Adipositas ist ungleich verteilt und wird auch durch Lebensbedingungen beeinflusst.

Wie entsteht Übergewicht – und wann wird daraus Adipositas?

Die Ursachen von Übergewicht sind selten auf einen einzigen Faktor zurückzuführen. Meist wirken biologische, psychische und soziale Einflüsse zusammen.

Ernährung, Bewegung und das adipogene Umfeld?

Im Kern entsteht Übergewicht, wenn über längere Zeit mehr Energie aufgenommen als verbraucht wird. Doch die Ursachen dahinter sind vielschichtig. Hochverarbeitete Lebensmittel mit hoher Energiedichte und geringem Sättigungswert sind heute allgegenwärtig; gleichzeitig ist körperliche Aktivität im Alltag durch sitzende Berufe und Digitalisierung stark zurückgegangen. Beides zusammen schafft ein Umfeld, das Gewichtszunahme systematisch begünstigt; Fachleute sprechen von einer „adipogenen Umwelt".

Genetische Veranlagung

Genetische Faktoren spielen bei Übergewicht und Adipositas eine nachweisliche Rolle: Zwillingsstudien zeigen, dass die Veranlagung zur Gewichtszunahme zu einem erheblichen Teil vererbt wird. Allerdings erhöht Genetik nur die Empfindlichkeit gegenüber einem ungünstigen Umfeld, sie legt das Gewicht nicht fest. 

Stress, Psyche und Schlaf

Chronischer Stress führt zur Ausschüttung von Cortisol, das den Appetit steigert und die Einlagerung von Bauchfett begünstigt. Wenn Essen zur Bewältigungsstrategie wird, kann sich daraus eine Binge-Eating-Störung entwickeln, ein eigenständiges Krankheitsbild, das gezielter Behandlung bedarf.

Auch Schlaf hat einen direkten Einfluss auf das Gewicht: Wer regelmäßig weniger als sieben Stunden schläft, bringt die Hunger- und Sättigungshormone aus dem Gleichgewicht. Das Ergebnis ist ein gesteigertes Hungergefühl bei gleichzeitig vermindertem Sättigungsempfinden.

Medikamente und hormonelle Erkrankungen

Bestimmte Medikamente können Gewichtszunahme als Nebenwirkung haben, darunter Antidepressiva, Neuroleptika und Kortikosteroide. Auch hormonelle Erkrankungen wie eine Schilddrüsenunterfunktion oder das polyzystische Ovarialsyndrom (PCOS) begünstigen Übergewicht. Wer trotz unveränderter Ernährungs- und Bewegungsgewohnheiten zunimmt, sollte das ärztlich abklären lassen.

Der Online-Coach Adipositas der AOK hilft Ihnen, die Erkrankung besser zu verstehen: von den Ursachen bis zu konkreten Tipps für den Alltag. Videos, interaktive Übungen und Selbsttests in elf Modulen machen medizinisches Wissen verständlich und alltagsnah. Kostenlos, anonym, für alle und jederzeit nutzbar – jetzt starten.

Welche Krankheiten können durch Übergewicht und Adipositas entstehen?

Überschüssiges Körperfett ist weit mehr als ein ästhetisches Thema; es greift in zahlreiche Stoffwechsel- und Organprozesse ein und erhöht das Risiko für eine Reihe ernsthafter Erkrankungen.

Wichtig zu wissen: Eine Lancet-Metaanalyse zeigte bereits 2009: Moderate Adipositas verkürzt die Lebenserwartung um rund drei Jahre, schwere Adipositas um bis zu zehn.

Herz und Kreislauf

Überschüssiges Körperfett erhöht das Blutvolumen und belastet das Herz dauerhaft. Bluthochdruck ist eine häufige Folge – und der wiederum treibt das Risiko für Arteriosklerose, Herzinfarkt und Schlaganfall in die Höhe. Gleichzeitig setzt Bauchfett entzündungsfördernde Botenstoffe frei, die die Gefäßwände schädigen und den Herzkreislauf zusätzlich belasten.

Stoffwechsel: Diabetes und Fettleber

Bauchfett sorgt dafür, dass Insulin im Körper schlechter wirkt (Insulinresistenz): Die Bauchspeicheldrüse muss immer mehr von diesem lebenswichtigen Hormon produzieren, bis sie irgendwann nicht mehr mitkommt – dann entsteht Typ-2-Diabetes. Adipositas ist der wichtigste vermeidbare Risikofaktor für diese Erkrankung. Eng damit verbunden ist die metabolische Fettlebererkrankung, bei der sich überschüssige Fette im Lebergewebe ablagern und langfristig zu ernsthaften Leberschäden führen können.

Gelenke, Wirbelsäule und Schlaf

Dauerhaft erhöhtes Körpergewicht belastet Knie, Hüften und Wirbelsäule mechanisch. Arthrose und chronische Rückenschmerzen sind häufige Folgen. Zudem begünstigt Fettgewebe im Halsbereich eine Schlafapnoe: Atemaussetzer in der Nacht, die Erholung verhindern und ihrerseits Bluthochdruck und Herz-Kreislauf-Erkrankungen verstärken.

Krebsrisiko

Laut Weltgesundheitsorganisation (WHO) steht Adipositas in Zusammenhang mit mindestens 13 Krebsarten, darunter Brust-, Darm-, Gebärmutter- und Nierenkrebs. Chronische Entzündungsprozesse im Fettgewebe und veränderte Hormonspiegel gelten als wesentliche Mechanismen dahinter.

Psychische Folgen und Stigmatisierung

Depressionen und Angststörungen treten bei Menschen mit Adipositas deutlich häufiger auf als in der Allgemeinbevölkerung. Gesellschaftliche Stigmatisierung – das Erleben von Vorurteilen und Ausgrenzung wegen des Gewichts – verstärkt diesen Effekt, weil sie häufig zu Scham, sozialem Rückzug und verminderter Therapiebereitschaft führt. 

Wie wird Adipositas behandelt?

Ob Ernährungsumstellung, Bewegung, Medikamente oder Operation – welche Therapie sinnvoll ist, hängt vom Schweregrad der Erkrankung und den individuellen Voraussetzungen ab.

Ernährung, Bewegung und Verhaltenstherapie – die unverzichtbare Basis

Die Grundlage jeder Adipositasbehandlung ist ein multimodaler Ansatz, der Ernährung, Bewegung und Verhalten gleichzeitig adressiert. Kein einzelner Baustein reicht allein aus.

Bei der Ernährung ist entscheidend, dass eine Methode dauerhaft umsetzbar ist. Ob mediterrane Kost, Low-Carb-Ernährung, Intervallfasten oder eine begleitete Formuladiät – alle Formen sind laut aktueller Datenlage ähnlich wirksam, wenn sie konsequent eingehalten werden. Ein Ernährungstagebuch kann helfen, Essmuster sichtbar zu machen und unbewusste Gewohnheiten zu erkennen.

Frauen kochen gemeinsam mit frischem Gemüse

Ernährungskurse vor Ort

Finden Sie ein Angebot in Ihrer Nähe – unterstützt von Ihrer AOK

Bewegung sollte mindestens 150 Minuten moderate Aktivität pro Woche umfassen, idealerweise als Kombination aus Ausdauer- und Krafttraining. Bei kleinen Veränderungen im Alltag anzusetzen, ist sinnvoll: Treppe statt Aufzug, kurze Wege zu Fuß statt mit dem Auto, Bewegungspausen im Büro. Diese scheinbar kleinen Entscheidungen summieren sich.

Verhaltenstherapie hilft, die Gründe hinter bestimmten Essgewohnheiten zu verstehen und langfristig zu verändern. Dazu gehört auch der Umgang mit Stress: Wer Essen als Bewältigungsstrategie nutzt, profitiert von Entspannungstechniken wie Autogenem Training oder achtsamkeitsbasierter Stressreduktion. Professionelle Begleitung – durch Ernährungsberatung, Psychotherapie oder strukturierte Gruppenangebote – erhöht die Chancen auf dauerhafte Veränderung deutlich.

Egal, ob Sie Ihre Ernährung umstellen, mehr Bewegung in den Alltag bringen möchten oder ärztlichen Rat suchen – die AOK Rheinland/Hamburg unterstützt Sie auf Ihrem Weg. Neben der 66-Tage-Challenge für gesunde Routinen bietet die Gesundheitskasse eine Vielzahl kostenfreier Angebote: von persönlicher Ernährungsberatung und lokalen Gesundheitskursen über digitale Live-Coachings bis hin zum Expertentelefon Call4fit. Finden Sie jetzt die Unterstützung, die am besten zu Ihrem Alltag passt: Alle Angebote im Überblick.

Medikamente: Klassiker und neue Wirkstoffe

Wenn der Basisansatz zur Gewichtsreduktion allein nicht ausreicht, können Arzneistoffe ergänzend eingesetzt werden. Orlistat etwa hemmt die Fettaufnahme im Darm und kann das Gewicht um fünf bis elf Prozent senken – allerdings verursacht es häufig Magen-Darm-Beschwerden, was die Einnahme für viele Betroffene schwierig macht.

Derzeit besonders viel diskutiert werden Wirkstoffe, die ursprünglich zur Behandlung von Typ-2-Diabetes entwickelt wurden, das Sättigungsgefühl im Gehirn beeinflussen (sogenannte GLP-1-Rezeptoragonisten) und oft als „Abnehmspritze“ bezeichnet werden. Präparate wie Ozempic, Wegovy und Mounjaro werden einmal wöchentlich gespritzt und erzielen in Studien deutliche Gewichtsreduktionen von durchschnittlich 15 bis über 20 Prozent. Für einige dieser Wirkstoffe belegen Studiendaten zudem einen schützenden Effekt auf das Herz. Die monatlichen Kosten können je nach Wirkstoff und Dosierung mehrere Hundert Euro betragen; gesetzliche Krankenkassen übernehmen die Abnehmspritze derzeit nur, wenn bei einer Adipositas auch ein Diabetes vorliegt. Für 2026 wird die Zulassung eines weiteren Wirkstoffs erwartet – diesmal in Tablettenform, was den Zugang zur medikamentösen Therapie erheblich vereinfachen könnte.

Was bei den Abnehmspritzen kritisch zu bedenken ist

GLP-1-Agonisten sind wirksam, aber keine Allheilmittel. Wer den Wirkstoff absetzt, ohne gleichzeitig den Lebensstil verändert zu haben, hat laut einer Studie der University of Cambridge ein Jahr später im Schnitt 60 Prozent des verlorenen Gewichts wieder zurück. Während der Therapie sind Übelkeit und Erbrechen mögliche Nebenwirkungen; selten kann es auch zu einer Entzündung der Bauchspeicheldrüse kommen. Belastbare Langzeitdaten fehlen noch. Es handelt sich um verschreibungspflichtige Medikamente mit klar definierten Indikationen, keine Lifestylemittel für alle.

Apps auf Rezept und bariatrische Chirurgie

Seit 2022 sind zwei digitale Gesundheitsanwendungen (Apps) zur Adipositasbehandlung kassenfinanziert und auf Rezept verordnungsfähig – die Wirksamkeitsdaten bleiben bisher begrenzt.

Bariatrische Chirurgie – also operative Eingriffe zur Behandlung von starkem Übergewicht – kommt für Menschen infrage, bei denen konservative Therapien nicht ausgereicht haben, ab einem BMI von 40 oder ab 35 mit schwerwiegenden Begleiterkrankungen. Schlauchmagen und Magenbypass sind die häufigsten Verfahren (beim Schlauchmagen wird der Magen stark verkleinert, beim Magenbypass wird ein Teil des Magens und des Dünndarms umgangen); Bypass zeigt langfristig etwas bessere Ergebnisse. Eine lebenslange Nachsorge ist danach unerlässlich.

Wie lässt sich Übergewicht vorbeugen?

Das Ziel muss nicht immer Gewichtsabnahme sein – manchmal reicht es, nicht weiter zuzunehmen. Denn bereits das Stabilisieren des Gewichts kann das Risiko für Folgeerkrankungen deutlich senken.

Zur Vorbeugung helfen im Wesentlichen dieselben Stellschrauben, die auch bei der Behandlung eine Rolle spielen: ausgewogene Ernährung, regelmäßige Bewegung, ausreichend Schlaf und ein bewusster Umgang mit Stress. Ein gesunder Lebensstil schützt dabei nicht nur vor Übergewicht, sondern senkt gleichzeitig das Risiko für viele weitere chronische Erkrankungen.

Wer merkt, dass das Gewicht dauerhaft steigt oder die Umsetzung im Alltag schwerfällt, sollte frühzeitig Unterstützung suchen – bei der Hausarztpraxis, einer Ernährungsberatung oder einem zertifizierten Adipositas-Zentrum.

Häufige Fragen zu Übergewicht und Adipositas

Ab welchem BMI spricht man von Adipositas?

Ab einem BMI von 30. Grad I beginnt bei 30, Grad II bei 35, Grad III bei einem BMI von 40 und mehr.

Ist Adipositas wirklich eine Krankheit?

Ja. Die Weltgesundheitsorganisation erkennt Adipositas seit 2000 als chronische Erkrankung an. Sie entsteht durch ein komplexes Zusammenspiel biologischer, genetischer, psychischer und sozialer Faktoren.

Welche Krankheiten kann Übergewicht verursachen?

Zu den häufigsten Folgeerkrankungen zählen Typ-2-Diabetes, Bluthochdruck, Herzinfarkt, Schlaganfall, Fettleber und Schlafapnoe sowie mindestens 13 Krebsarten. Auch Depressionen treten bei Menschen mit Adipositas deutlich häufiger auf.

Helfen die Abnehmspritzen wirklich – und für wen sind sie geeignet?

GLP-1-Agonisten wie Semaglutid und Tirzepatid sind gut untersucht und wirksam. Sie sind jedoch verschreibungspflichtige Medikamente für Menschen mit Adipositas und entsprechenden Risikofaktoren, keine Mittel zur kosmetischen Gewichtsreduktion.

Nimmt man nach der Abnehmspritze wieder zu?

In den meisten Fällen ja, wenn das Medikament ohne begleitende Lebensstiländerung eingesetzt und danach abgesetzt wird.

Wann kommt eine Operation bei Adipositas infrage?

Ab einem BMI von 40 oder ab 35 mit schwerwiegenden Begleiterkrankungen – und nur, wenn eine intensive konservative Therapie nicht ausreichend gewirkt hat.

Wie viele Menschen in Deutschland sind adipös?

Rund 19,7 Prozent der Erwachsenen, das entspricht knapp 13 Millionen Menschen.

Letzte Änderung: 24.03.2026

Jetzt für den Newsletter anmelden!