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Arthrose: Wenn die Gelenke schmerzen

ArtikelLesezeit: 4:00 min.
Frau greift sich an ihr schmerzendes Handgelenk

Bildnachweis: © istockphoto.com / ljubaphoto

Coxarthrose, Rhizarthrose oder Gonarthrose – fast jeder über 40 Jahre hat erste Abnutzungserscheinungen an den Gelenken. Vor allem Hüfte, Sattelgelenk der Hand und Knie sind betroffen. Die Schädigung von Gelenkknorpel kann nicht rückgängig gemacht werden. Doch frühzeitig erkannt gibt es einige Möglichkeiten, um gegenzusteuern.

Expertenbild

Die Expertin zum Thema

Dr. Margareta Cardeneo

Fachärztin für Orthopädie und Unfallchirurgie
ServiceCenter AOK-Clarimedis

Was ist Arthrose?

Arthrose ist eine Verschleißerkrankung der Gelenke. Sie ist die häufigste Gelenkerkrankung überhaupt. Arthrose entsteht, wenn der Knorpel im Gelenk an Elastizität verliert und sich mit der Zeit abnutzt. Je stärker der Gelenkknorpel beschädigt oder abgerieben ist, desto mehr werden auch die am Gelenk angrenzenden Knochen in Mitleidenschaft gezogen. Sie verhärten sich und reiben aufeinander. Und das tut weh.

Arthrose – weit verbreitet

In Deutschland leiden nach Angaben der Deutschen Arthrose-Hilfe etwa fünf Millionen Frauen und Männer unter Beschwerden, die durch Arthrose verursacht werden. Zwei Millionen haben dadurch täglich Schmerzen, vor allem an Gelenken der Hände, Knie und Hüften. Aber auch andere Gelenke können betroffen sein – auch gleichzeitig und an mehreren Stellen im Körper.

Arthrose – diese Gelenke trifft es am häufigsten

Der menschliche Körper hat mehr als hundert Gelenke. Arthrose kann überall dort entstehen, wo ein Gelenkknorpel vorhanden ist.

  • Knie: Bei mehr als der Hälfte der Menschen mit Gelenkverschleiß ist das Knie betroffen. Damit ist die sogenannte Gonarthrose der häufigste Arthrose-Fall.
  • Hüftgelenk: Bei etwa einem Viertel der unter Arthrose Leidenden sitzt der Schmerz in der Hüfte. Mediziner sprechen dann von einer Coxarthrose.
  • Hand: Arthrose in den Fingergelenken findet sich bei gut einem Drittel der Frauen und etwa einem Siebtel der Männer. Die Rhizarthrose bezeichnet speziell den Gelenkverschleiß im Sattelgelenk der Daumen.

Arthrose – Symptome

Während sich eine Arthrose in fortgeschrittenem Stadium schmerzhaft bemerkbar macht, bleibt sie ganz am Anfang meist unentdeckt. Oft treten die Symptome zu Beginn nur gelegentlich auf, beispielsweise nach längeren Gehstrecken oder Sport.

Daher ist es ratsam, bei ersten Anzeichen von Gelenkbeschwerden wie beispielsweise Spannungsgefühlen oder steifen Gelenken mit dem Arzt zu sprechen. Nur er kann sicher abklären, ob tatsächlich eine Arthrose oder andere Ursachen für die Beschwerden vorliegen.

Coxarthrose (Hüfte)

Die ersten Anzeichen für eine Hüftgelenksarthrose sind:

  • Leistenschmerzen, die manchmal auch in den Oberschenkel bis zum Knie ausstrahlen,
  • Bewegungseinschränkung vor allem bei Drehbewegungen, wie dem Anziehen der Socken oder etwa beim Schneidersitz
  • morgendliche Anlaufschmerzen sowie Belastungsschmerzen

Gonarthrose (Knie)

Zunächst treten Schmerzen im Knie phasenweise nach Belastung oder nach längerer Ruhephase auf. Je weiter die Krankheit fortschreitet, umso kürzer werden die schmerzfreien Zeiträume und intensiver der Schmerz. Die Symptome:

  • Schmerzen nach Belastung wie Sport oder Treppab- und Bergabgehen
  • Anlaufschmerz beim Aufstehen nach längerem Sitzen
  • Schmerzen bei Ruhe und in der Nacht
  • Steifigkeitsgefühl, Reibegeräusche, Schwellungen und Überwärmung im Knie

Hand- und Fingerarthrose

Die Symptome in den Händen oder Fingergelenken zeigen sich mit:

  • Schmerzen in Fingern oder Händen zunächst nach Belastung, später auch in Ruhe
  • Schmerzen bei Greifbewegungen oder beim Halten von Gegenständen
  • Steifigkeitsgefühl, Reibegeräusche, Verformung und Verdickung der Finger, Überwärmung des betroffenen Gelenks

Arthrose – Ursachen und Risikofaktoren

Die Ursachen von Arthrose sind vielfältig und komplex. Da der Ausgangspunkt einer Arthrose immer ein Knorpelschaden ist, können alle Faktoren, die den Gelenkknorpel schädigen, als Auslöser einer Arthrose betrachtet werden.

Allgemeine Ursachen

  • Wichtigster Risikofaktor ist das Alter. Studien zufolge liegt die Arthrosehäufigkeit an mindestens einem Gelenk bei Menschen über 65 Jahren bei 90 Prozent.
  • Zweitwichtigster Risikofaktor ist das weibliche Geschlecht. Besonders jenseits des 50. Lebensjahres erkranken Frauen häufiger, stärker und an mehr Gelenken als Männer.
  • Oft mündet eine langjährige Fehl- oder Überlastung der Gelenke, beispielsweise eine Fehlstellung der Knie- oder Hüftgelenke, in einer Arthrose-Erkrankung. Auch Übergewicht belastet die Gelenke zusätzlich und ist damit ein Risikofaktor.
  • Eine Störung der Knorpelentwicklung oder die Anlage für eine Fehlstellung der Gelenke kann erblich bedingt sein und damit eine Arthrose begünstigen.
  • Unfälle oder Verletzungen (z. B. ein Bänderriss oder ein Knochenbruch in Gelenknähe) können ebenfalls Arthrose mit verursachen.
  • Stoffwechselerkrankungen (z. B. Diabetes mellitus) erhöhen das Risiko einer Arthrose.

Spezifische Ursachen

Ursachen für Coxarthrose

Hüftgelenksarthrose wird in den meisten Fällen durch belastungsbedingten Verschleiß verursacht. Die Folge: Die elastische Knorpelschicht, die das gesunde Hüftgelenk, den Hüftkopf und die Hüftpfanne überzieht, ist beschädigt. So reiben im schlimmsten Fall bei jeder Bewegung die Knochen ohne Puffer direkt aufeinander – und das verursacht Schmerzen. Dies tritt vor allem bei Älteren auf, etwa ab dem 55. Lebensjahr. Es gibt aber noch andere Ursachen, die zu einer Coxarthrose führen können oder durch die sie begünstigt werden. Zu diesen zählen etwa angeborene Fehlstellungen wie die Hüftdysplasie, Verletzungen oder Rheuma. Es kann daher auch jüngere Menschen treffen.

Ursachen für Gonarthrose

Neben dem Lebensalter gibt es weitere Faktoren, die eine Arthrose im Knie fördern. Dazu zählen Fehlstellungen der Gelenke wie O- oder X-Beine, die einseitige Belastungen in den Gelenken verursachen. Bei Übergewicht wird der Druck auf die Kniegelenke mitunter so groß, dass das Knorpelgewebe beschädigt wird. Das Gleiche kann bei einseitigen Belastungen im Beruf passieren, wenn zum Beispiel viel im Hocken oder auf den Knien gearbeitet wird. Auch nach Verletzungen, etwa einem Bänderriss, steigt das Risiko für Arthrose, wenn das Gelenk nicht mehr exakt in seiner ursprünglichen Position geführt wird. Das ist ebenso häufig der Fall, wenn die Muskulatur nicht stark genug ausgebildet ist.

Ursachen für Hand- und Fingerarthrose

Hier lassen sich meist keine bestimmten Ursachen festmachen. Man geht davon aus, dass bestimmte Faktoren wie beispielsweise familiäre Vorbelastung oder auch Hormone (Wechseljahre bei Frauen) eine Rolle spielen. Auch eine langdauernde Überbelastung fördert den Knorpelverschleiß in Fingern und Handgelenk.

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Wie wird Arthrose diagnostiziert?

Zunächst nimmt der Arzt eine körperliche Untersuchung vor und befragt die Betroffenen nach den Symptomen. Zur weiteren Abklärung kommen verschiedene bildgebende Untersuchungsverfahren infrage:

Röntgen

Mit diesem Verfahren können Knochenunregelmäßigkeiten, Beschädigungen eines Gelenks und eine Verschmälerung des Gelenkspalts sichtbar gemacht werden. Dies kann Hinweise auf Knorpelabrieb geben. Mehrere Röntgenaufnahmen aus unterschiedlichen Perspektiven liefern einen dreidimensionalen Eindruck.

Ultraschall

Ultraschall kann als Ergänzung zum Röntgen zum Einsatz kommen. Im Ultraschallbild wird das Bindegewebe rund um das Gelenk sichtbar sowie kleine Ergüsse als Zeichen einer Überbelastung.

Computertomografie (CT)

Wenn ein einfaches Röntgenbild nicht ausreicht, kann bei speziellen Fragestellungen eine CT sinnvoll sein. Die Röntgenbilder aus verschiedenen Richtungen können Veränderungen an Knochen und Gelenken aufspüren.

Magnetresonanztomografie (MRT)

Eine MRT ist nur in Ausnahmefällen erforderlich, beispielsweise wenn sich durch die Röntgenaufnahmen der Verdacht auf eine Arthrose nicht eindeutig bestätigen lässt. Der Zustand von Sehnen, Bändern, Muskeln und Nerven wird sichtbar.

Arthroskopie

Die Gelenkspiegelung ermöglicht es dem Arzt, direkt in das Gelenk zu schauen. Über einen kleinen Schnitt in die Haut lassen sich Instrumente, Lichtquelle und Minikamera ins Gelenk einführen.


Letzte Änderung: 08.06.2021