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COPD: Das sollten Sie über die Lungenerkrankung wissen

ArtikelLesezeit: 5:00 min.
Zwei erwachsene Frauen aus unterschiedlichen Generationen.

Bildnachweis: © wdv / Jan Lauer

COPD ist eine schwere Erkrankung der Lunge, die nicht heilbar ist. Die Diagnose kann Betroffene seelisch schwer belasten. Dennoch können Patienten den Verlauf der Krankheit positiv beeinflussen. Der erste Schritt: Die Krankheit verstehen. Wir unterstützen Sie mit Informationen zu den Ursachen, Behandlungsmöglichkeiten und was Sie selbst für Ihr Wohlbefinden tun können.

Expertenbild

Die Expertin zum Thema

Dr. Sabine Forsch

Fachärztin für Innere Medizin
ServiceCenter AOK-Clarimedis

Was ist COPD?

COPD ist eine chronische Erkrankung der Lunge. Die Atemwege sind dabei dauerhaft verengt – etwa durch eine chronische Entzündung der Atemwege oder durch Gifte (vor allem Nikotin), die eingeatmet werden.  Typische Symptome sind chronischer Husten und Auswurf. In höheren Stadien können Atemnot und eine Leistungsminderung dazukommen. In Deutschland sind etwa 6,8 Millionen Menschen betroffen – insbesondere Raucher. Zudem zählt COPD zu den zehn häufigsten Todesursachen hierzulande.

Die Abkürzung COPD steht für „Chronic Obstructive Pulmonary Disease“ (engl. für „Chronisch obstruktive Lungenerkrankung“). Unter diesem Begriff sind verschiedene Krankheiten zusammengefasst. Hauptmerkmal: chronisch entzündete Bronchien und eine Veränderung des Lungengewebes.

Chronische Bronchitis

Sie gehört noch nicht zum Krankheitskomplex COPD, bildet jedoch oft die Grundlage. Bei dieser Vorerkrankung leiden die Patienten zwar an fortwährendem Husten und Auswurf, allerdings sind die Bronchien nicht verengt. Laut WHO gilt eine Bronchitis als chronisch, wenn die Beschwerden innerhalb von zwei Jahren an mindestens drei aufeinanderfolgenden Monaten bestehen. Werden die auslösenden Gifte konsequent gemieden, ist diese Lungenkrankheit noch heilbar.

Chronische obstruktive Bronchitis

Dauert eine chronische Bronchitis lange an, dann nehmen die Symptome zu und bilden die Grundlage für eine chronische obstruktive Bronchitis. Bei dieser Krankheit kommt es zu einer anhaltenden Verengung der Bronchien. Dadurch wird das Atmen immer weiter erschwert.

Lungenemphysem

Dabei werden die Trennwände der Lungenbläschen (Alveolen) zerstört, so dass die Alveolen zu einer größeren Blase verschmelzen. Das verkleinert die Gesamtoberfläche der Lunge. Dadurch gelangt weniger Sauerstoff ins Blut. Gleichzeitig kann die Luft aus den größeren Blasen nicht mehr vollständig abgeatmet werden und es kommt zum Phänomen einer überblähten Lunge.

Die vier Stadien von COPD

Je nach Schwere wird die Krankheit in vier verschiedene Stadien eingeteilt. Das erste Stadium ist das Anfangsstadium. Dabei ist die Lungenfunktion leicht vermindert, Atembeschwerden sind nur schwach vorhanden.

Im vierten Stadium ist die Lungenfunktion hingegen so stark eingeschränkt, dass Betroffene dauerhaft mit Sauerstoff unterversorgt sind. Sie leiden an schwerer Atemnot – selbst im Ruhezustand. Vor allem in den fortgeschrittenen Stadien treten sogenannte Exazerbationen auf, die die Krankheit beschleunigen.

Was ist eine Exazerbation?

Exazerbationen sind akute Krankheitsschübe. Dabei verschlechtern sich die Symptome binnen weniger Tage. Auslöser können zum Beispiel virale oder bakterielle Infekte der Atemwege sein. Eine Exazerbation beschleunigt das Fortschreiten der COPD-Erkrankung und wirkt sich negativ auf die Lebenserwartung aus.

Die Einteilung der Stadien richtet sich nach der Lungenfunktion. Der Lungenfacharzt testet sie mithilfe der sogenannten forcierten 1-Sekundenkapazität (FEV1). FEV1 gibt an, wieviel Luft der Patient mit maximaler Kraft innerhalb einer Sekunde ausatmen kann. Erreicht die Lungenfunktion nur noch 80 Prozent vom Normalwert, entspricht das dem zweiten COPD-Stadium. Bei weniger als 50 Prozent spricht man vom dritten, bei weniger als 30 Prozent der Lungenfunktion vom vierten Stadium.

Junge Frau steht einatmend vor einer gekachelten Wand.

AOK-Curaplan COPD

Behandlungsprogramm für COPD-Patienten.

Ursachen von COPD

Als Auslöser Nummer eins gilt das Rauchen. Etwa 90 Prozent der COPD-Fälle werden dadurch verursacht. Tabakrauch schädigt die Atemwege. Er zerstört die Flimmerhärchen in der Bronchialschleimhaut, die eine wichtige Reinigungsfunktion haben. Zudem fördert der Rauch Entzündungen, schwächt das Immunsystem und bewirkt, dass mehr Schleim in den Bronchien gebildet wird.

Auch wer häufig als Passivraucher Tabakrauch einatmet, ist gefährdet. Kinder, die in ihrem Umfeld oft passiv mitrauchen müssen, leiden bereits im jungen Alter häufiger unter Atemwegsinfektionen.

Weitere Ursachen für COPD

Neben dem Tabakrauchen gibt es noch weitere Ursachen, die eine COPD-Erkrankung begünstigen können. Diese spielen allerdings im Vergleich zum Zigarettenrauch eine deutlich untergeordnete Rolle. Dazu gehören:

  • Luftverschmutzung und Feinstaub
  • Schadstoffbelastung am Arbeitsplatz
  • Häufige Atemwegsinfekte, vor allem im Kindesalter
  • Genetische Veranlagung

AHA: Symptome einer COPD-Erkrankung

Die dauerhafte Reizung der Atemwege führt zunächst zu einer chronischen Bronchitis mit Husten und Auswurf. Wird dieses Stadium nicht kuriert, kann sich die Krankheit zu einer chronisch obstruktiven Bronchitis entwickeln. Es gibt drei typische Beschwerden bei COPD, die auch als AHA-Symptome bezeichnet werden:

  • Auswurf: ein zähflüssiger Schleim, der beim Husten ausgestoßen wird
  • Husten: tritt vor allem am Morgen auf
  • Atemnot: tritt zunächst nur gelegentlich bei körperlicher Belastung auf, später aber auch während der Ruhephasen

Wie wird COPD behandelt?

Auch wenn COPD eine unheilbare Erkrankung ist, kann sie dennoch gut behandelt werden. In jedem Stadium gibt es wirksame Therapiemaßnahmen, die das Fortschreiten der Krankheit stoppen können.

Reiz- und Rauchstopp

Der erste und wichtigste Therapieschritt ist die Ausschaltung der Reizstoffe. Für Raucher gilt hier im Klartext: Sie müssen sofort mit dem Rauchen aufhören. Beruht die COPD auf anderen Ursachen wie Schadstoffen oder verschmutzter Luft, müssen diese vermieden werden.

Medikamente und Impfungen

Husten und Atemnot werden bei COPD mit Medikamenten gelindert. Am Anfang mit kurz-wirksamen Präparaten, die die Bronchien erweitern. Betroffene setzen diese nur ein, wenn sie Luftnot verspüren.

Im späteren Stadium gibt es langzeitlich wirksame Sprays, die Betroffene regelmäßig anwenden. Auch diese Sprays wirken bronchienerweiternd.

Wichtig ist außerdem der Schutz vor anderen Atemwegsinfekten. Denn sie können den Krankheitsverlauf verschlechtern. Deshalb sollten sich COPD-Patienten gegen Grippe und Pneumokokken impfen lassen.

Physiotherapie und Lungensport

Die Atemphysiotherapie hilft, die Belastbarkeit und Lebensqualität zu erhalten – trotz eingeschränkter Lungenfunktion. Patienten üben beispielsweise eine Körperhaltung, die die Atmung erleichtert. Sie lernen Techniken zum wirksameren Abhusten, zur Kräftigung der Atemmuskulatur und zur richtigen Atemtechnik bei akuten Verschlechterungen.

Außerdem gibt es spezielle Lungensportgruppen. Unter strenger ärztlicher Beobachtung wird dabei die körperliche Belastbarkeit bestmöglich gefördert, ohne Patienten zu überlasten.

Die Patienten selbst können einen wichtigen Teil zur Behandlung beitragen. In Patientenschulungen lernen Betroffene, wie sie mit der Krankheit im Alltag umgehen können und was ihnen hilft, fit zu bleiben. Lesen Sie dazu mehr auf den folgenden Seiten.

In sehr seltenen Fällen ist die Lungenfunktion, die körperliche Belastbarkeit und die Lebensqualität trotz medikamentöser Behandlung stark eingeschränkt Als letztes Mittel kann dann eine Lungentransplantation nötig werden.


Letzte Änderung: 07.02.2021