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Häufige Fragen zur Corona-Impfung

ArtikelLesezeit: 3:00 min.
Seniorin wird geimpft

Bildnachweis: © istockphoto.com / Ridofranz

Stand: 01.03.2021

Häufige Fragen zur Corona-Impfung

Expertenbild

Die Expertin zum Thema

Anke Greven

Fachapothekerin für Allgemeinpharmazie, MSc Public Health
ServiceCenter AOK-Clarimedis

Inhalt:

Warum werden zunächst vor allem die über 70-Jährigen geimpft?

Ein wichtiges Impfziel ist es, schwere COVID-19-Erkrankungen und -Todesfälle zu verhindern. Aufgrund der begrenzten Verfügbarkeit muss der Impfstoff priorisiert werden. Hohes Alter hat bei Weitem das höchste Risiko für schwere oder tödliche Verläufe. Daher sieht die Empfehlung der Ständigen Impfkommission (STIKO) vor, zunächst ältere und hochaltrige Personen zu impfen. Einige Bundesländer starten momentan mit Impfungen der Prioriätsgruppe 2 (ab 70 Jahren).

Wieso kann ich mir den COVID-19-Impfstoff nicht aussuchen?

Die mRNA-Impfstoffe (von Biontech/Pfizer und Moderna) haben eine höhere Effektivität. Sie bleiben deshalb beim derzeitigen Impfstoffmangel der Hochrisikogruppe der alten Menschen vorbehalten. Jüngere Personen haben ein geringeres Risiko, schwer an COVID-19 zu erkranken. Der Vektor-Impfstoff von AstraZeneca zeigt aber insbesondere bei der jüngeren Bevölkerung eine gute Wirksamkeit gegen schwere Verläufe von COVID-19.

Warum wird der Impfstoff von AstraZeneca nur für Personen von 18 bis 64 Jahren empfohlen?

Grundsätzlich ist der Impfstoff von AstraZeneca für die Altersgruppe ab 18 Jahren zugelassen. In den Zulassungsstudien gab es für die Altersgruppe der über 65-Jährigen jedoch nur jeweils 300 Teilnehmer in der Impfstoff- und Placebo-Gruppe. Diese Datenlage reicht zurzeit zur Beurteilung der Impfeffektivität (Wirksamkeit) ab 65 Jahren nicht aus. Die STIKO empfiehlt den AstraZeneca-Impfstoff aufgrund dieser ungenügenden Datenlage derzeit daher nur für Personen im Alter von 18 bis 64 Jahren.

Sind die vektorbasierten Impfstoffe sicher oder können sie die DNA verändern?

Vektorimpfstoffe verwenden Trägerviren – sogenannte Vektoren. Die beim AstraZeneca-Impfstoff verwendeten Trägerviren sind Adenoviren. Dabei handelt es sich um Viren, mit denen sich Menschen auch auf natürliche Weise infizieren können – etwa bei einer harmlosen Erkältung.

Grundsätzlich schleusen Andenoviren ihre Erbinformation (DNA) in den Zellkern ein, bisher wurden aber keine genetischen Veränderungen menschlicher Zellen beobachtet. Sie gelten generell als nicht integrierend. Das bedeutet: Das Viren-Erbgut gelangt zwar in den Zellkern, verbleibt aber außerhalb der menschlichen DNA (extrachromosomal).

Aufgrund genetischer Veränderungen können sich die Adenoviren im AstraZeneca-Impfstoff nicht im menschlichen Körper vermehren. Sie werden daher schnell vom Körper eliminiert. Nach aktuellem Stand der Wissenschaft besteht daher kein Risiko, dass die Adenovirus-Vektor-DNA in das menschliche Erbgut eingebaut wird.

Welchen Einfluss haben die neuen Varianten von SARS-CoV-2 auf die Wirksamkeit der COVID-19-Impfstoffe?

Derzeit breitet sich in Europa vor allem die Linie B.1.1.7 aus, die ursprünglich aus Großbritannien stammt. Glücklicherweise wird die Wirksamkeit der Impfstoffe durch diese Linie nur gering beeinflusst. Dies betrifft sowohl den Vektor-basierten Impfstoff von AstraZeneca, als auch die mRNA-Impfstoffe von Biontech/Pfizer und Moderna.

Die bislang in Europa nur sehr selten nachgewiesenen Linien B.1.351 (aus Südafrika) bzw. P.1 (ursprünglich aus Brasilien) tragen andere Mutationen als die britische Variante. Vermutlich reduzieren sie die Wirksamkeit der Impfstoffe deutlicher. Es gibt aber erste Hinweise, dass bei Geimpften, die sich mit den Linien B.1.351 bzw. P.1 angesteckt haben, der klinische Verlauf der COVID-19 Erkrankung insgesamt eher milde verläuft. Die Impfstoffe scheinen also eine Schutzwirkung in Bezug auf schwere Verläufe zu haben.

Kann ich andere Personen noch anstecken, auch wenn ich geimpft bin?

Neue Studien aus Israel zeigen, dass eine Transmission (Virusübertragung) mit dem mRNA-Impfstoff von Biontech zu 89,4 Prozent verhindert wird. Da eine Ansteckung aber nicht vollständig verhindert werden kann, müssen auch Geimpfte die AHA+L-Regeln (Abstand, Hygiene, Alltagsmaske und Lüften) weiter befolgen.

Frau mit Headset am Computer.

AOK-Clarimedis

Medizinische Hilfe am Telefon.

Was ist, wenn ich bereits eine SARS-CoV-2 Infektion durchgemacht habe?

Nach Ansicht der STIKO sollten bereits an COVID-19 erkrankte Personen – unter Berücksichtigung der Priorisierung – im Regelfall etwa sechs Monate nach Genesung geimpft werden. Die Gründe: insbesondere zur Vermeidung überschießender Nebenwirkungen, die anzunehmende Immunität nach einer durchgemachten Infektion und die begrenzte Verfügbarkeit der Impfstoffe.

Erkranken Sie nach der ersten Impfstoffdosis an COVID-19, sollte laut STIKO die zweite Dosis ebenfalls erst etwa sechs Monate nach der Genesung beziehungsweise der Diagnosestellung erfolgen.

Muss dann vorher getestet werden, ob ich bereits an COVID-19 erkrankt bin?

Nein. Asymptomatische Fälle, also Personen bei denen die Erkrankung nicht bemerkt worden ist, sind nach den bisherigen Daten nicht gefährdet. Daher besteht keine Notwendigkeit zu überprüfen, ob eine Erkrankung durchgemacht wurde.

Kann ich mich durch die Impfung mit COVID-19 infizieren?

Nein, das ist ausgeschlossen. Bei den mRNA-Impfstoffen und auch beim Vektorimpfstoff wird nur ein Bestandteil des Virus vom Körper gebildet. Somit kann kein vermehrungsfähiges Virus entstehen.

Was ist bisher zur COVID-19-Impfung und Schwangerschaft bekannt?

Zur Anwendung der Impfstoffe in der Schwangerschaft liegen aktuell keine Daten vor, erste Studien sind aber gestartet. Daher empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) die Impfung in der Schwangerschaft derzeit (noch) nicht. Allerdings können sich zukünftig zwei Kontaktpersonen der Schwangeren impfen lassen, um eine Übertragung möglichst zu verhindern (Priorität 2).

Wenn eine Impfung versehentlich in der Schwangerschaft gegeben wurde, muss die Schwangerschaft nicht abgebrochen werden. Schwangeren mit Vorerkrankungen und einem hohen Risiko für eine schwere COVID-19-Erkrankung kann eine Impfung in Einzelfällen nach Nutzen-Risiko-Abwägung angeboten werden.

Welcher Abstand muss zwischen der Corona-Impfung und anderen Impfungen (z. B. gegen die Grippe oder Pneumokokken) bestehen?

Zu anderen planbaren Impfungen sollte ein Mindestabstand von 14 Tagen vor Beginn und nach Ende der Impfserie eingehalten werden. Notfallimpfungen sind davon ausgenommen.

Letzte Änderung: 01.03.2021