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Kindergesundheit – das müssen Sie wissen

ArtikelLesezeit: 4:00 min.
Ärztin hört Mädchen die Lunge ab

Bildnachweis: © istockphoto.com / FreshSplash

Allen Eltern liegt die Gesundheit ihrer Kinder am Herzen. Viele sind jedoch hin und wieder verunsichert und wissen nicht genau, was für den Nachwuchs das Beste ist und worauf sie bei der Erziehung und Ernährung besonderen Wert legen sollten. Wir nehmen häufige Unsicherheiten unter die Lupe.

Expertenbild

Die Expertin zum Thema

Dr. Renate Quarg

Fachärztin für Kinder- und Jugendmedizin
ServiceCenter AOK-Clarimedis

Warum ist Übergewicht bei Kindern problematisch?

Laut Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) sind etwa 15 Prozent der Kinder und Jugendlichen im Alter zwischen drei und 17 Jahren übergewichtig. Davon besteht bei etwa 6 Prozent ein sehr starkes Übergewicht (Adipositas).

Die Gründe für die Entwicklung von Übergewicht und Adipositas sind vielfältig. Oft ist es eine Kombination mehrerer Faktoren. Dazu gehören unter anderem:

  • ungesunde Ernährung
  • erbliche Veranlagung
  • Zigarettenkonsum der Eltern (Rauchen in der Schwangerschaft)
  • hoher Fernsehkonsum – meist in Verbindung mit Bewegungsmangel, Stress und Schlafstörungen

Großen Einfluss auf die Entstehung von Übergewicht bei Kindern hat die Ernährung. Das gilt von Geburt an. Studien haben gezeigt, dass gestillte Kinder nicht so häufig übergewichtig werden, wie Kinder, die eine andere Säuglingsnahrung bekamen.

Das Essverhalten aus der Kindheit bildet die Grundlage für spätere Ernährungsgewohnheiten. Daher sind gerade die ersten zehn Jahre wichtig. Bei zu fett- und kalorienreichem Essen im Kleinkindesalter wird über einen langen Zeitraum mehr Energie aufgenommen als verbraucht – und das führt dann zu Übergewicht.

Übergewichtige Kinder haben ein erhöhtes Risiko, auch später übergewichtig zu bleiben. Und damit steigt auch das langfristige Gesundheitsrisiko. Denn viele Krankheiten wie Bluthochdruck, Diabetes, Rückenprobleme oder Herzkrankheiten werden durch Übergewicht begünstigt.

Die Gesundheitsprobleme können schon im Kindesalter beginnen. Hinzu kommt die psychische Belastung, unter der übergewichtige Kinder oft leiden. Wie eine gesunde Ernährung bei Kindern gelingen kann, erklärt die Ernährungsexpertin von AOK-Clarimedis.

Keine Lust auf Gemüse?

Bei Gemüse sind sich viele Kinder einig: „Bäh, das mag ich nicht!“ – Woran liegt das? Babys und Kleinkinder mögen tatsächlich Süßes am liebsten, denn der Geschmack erinnert sie an die süße Muttermilch. Bitteres können Kinder meistens nicht ausstehen. Das gesamte Geschmacksrepertoire – salzig, süß, sauer, bitter – entfaltet sich erst etwa im sechsten bis siebten Lebensjahr.

Bereits mit fünf Monaten sollte mit der Beikosteinführung begonnen werden. Dann sind Kinder für gewöhnlich so weit, dass sie neugierig und bereit für neue Geschmackseindrücke sind. Mit einem Jahr können und sollten die Kinder an der normalen Familienkost teilnehmen und essen, was ihre Eltern essen. Gemeinsame Mahlzeiten in der Familie sind sehr wichtig: Eltern sind dabei für ihre Kinder ein Vorbild.

Diese Tipps können helfen, wenn Ihr Kind keine Lust auf Gemüse hat:

  • Kinder müssen nicht alle Gemüsesorten mögen. Setzen Sie Ihrem Kind nicht immer wieder das Gemüse vor, das es nicht gerne isst. Kochen Sie ihm vor allem die Sorten, die ihm schmecken.
  • Süße Gemüsesorten wie zum Beispiel Karotten, Mais oder Paprika kommen bei Kindern meist am besten an.
  • Viele Kinder sind Rohkost-Fans: Sie mögen rohes Gemüse lieber als Gekochtes. Probieren Sie es doch mal mit einem kleinen Teller Gemüsestiften, den Sie Ihren Kindern als „Vorspeise“ vor dem eigentlichen Hauptgericht servieren.
  • Obst schmeckt manchen Kindern besser als Gemüse. Greifen Sie verstärkt auf Obst zurück, um Ihre Kinder mit den wichtigen Vitaminen zu versorgen.
  • Kindgerechte Portionen machen dem Nachwuchs mehr Appetit auf Gemüse und Obst.
  • Auch frisch gepresste Obst – und Gemüsesäfte sind eine Alternative.

Hier finden Sie noch mehr Tipps, wie eine gesunde Ernährung bei Kindern gelingen kann.

Ist Süßes als Belohnung okay?

„Wenn du schön aufräumst, gibt es hinterher auch ein Stück Schokolade" – Wer hat nicht schon mal etwas Süßes in Aussicht gestellt, damit das Kind unliebsame Aufgaben erledigt.

Natürlich dürfen Kinder auch schon mal eine Belohnung erhalten, wenn sie etwas gut gemacht oder sich viel Mühe gegeben haben.

Lebensmittel sind jedoch keine Erziehungsmittel. Deshalb sollten Kinder nicht mit Süßigkeiten wie Eiscreme, Gummibärchen und Schokolade motiviert, getröstet oder beschäftigt werden. In der Regel geht es Kindern nämlich nicht um eine Nahrungsaufnahme. Sie suchen Aufmerksamkeit, Unterhaltung, Lob oder Zuwendung.

Wer Süßes regelmäßig als Belohnung oder Trostpflaster einsetzt, tut seinen Kindern keinen Gefallen. Er riskiert, dass der Nachwuchs einen falschen Umgang mit Essen entwickelt. Und er verhindert auch, dass seine Kinder einen anderen Weg finden, mit schwierigen Situationen oder Herausforderungen umzugehen. Wer früh gelernt hat, als Belohnung zu essen, setzt dieses Verhalten als Erwachsener oft fort.

Suchen Sie nach gesünderen Alternativen zu Schokolade & Co.: Wie wäre es zum Beispiel mit einem Ausflug ins Schwimmbad, einer gemeinsamen Bastelstunde oder einer Runde des Lieblings-Kartenspiels? Überlegen Sie am besten, womit Sie Ihrem Kind eine Freude machen können. Und über ein dickes Lob und eine Umarmung freuen sich Kinder natürlich auch.

Sind "Kinderlebensmittel" gesund?

„Kinderlebensmittel“ versprechen, besonders viele Vitaminen und Nährstoffen zu enthalten, die für Kinder wichtig sind. Zu den speziellen Lebensmitteln für Kinder zählen neben Süßigkeiten vor allem Milchprodukte, Getränke und Getreideprodukte wie zum Beispiel Frühstücksflocken. Sie sind bunt verpackt und Kinder kennen sie aus der Werbung. Oft sind sie zudem besonders süß und treffen damit die Geschmacksvorlieben vieler Kinder.

Leider enthalten die meisten Kinderlebensmittel eine Menge Zucker. Vor allem die Frühstückssnacks sind oft wahre Zuckerbomben und eignen sich nicht für ein gesundes Kinderfrühstück. Auch der Fettgehalt der Kinderlebensmittel ist meist recht hoch. Viele Produkte enthalten so viele Kalorien, dass sie eher als Süßigkeiten betrachtet werden müssen.

Auch hinsichtlich der angeblich besonders wertvollen Mineral- und Nährstoffe, die in Kinderlebensmittel enthalten sein sollen, ist die Produktwerbung oft irreführend. Die Kinderprodukte sind nicht gesünder als normale Lebensmittel für die ganze Familie. Auf jeden Fall steht ihr hoher Zucker- und Fettanteil in keinem Verhältnis zu den versprochenen Nährstoffen.

Eltern können also getrost auf Kinderlebensmittel verzichten und auf eine normale, ausgewogene Ernährung setzen. Ganz verbieten müssen Sie Ihrem Nachwuchs die Kindersnacks deswegen nicht, solange Sie ansonsten auf eine gesunde Kost achten.

Es gibt einfach Sportskanonen und Sportmuffel?

Kinder brauchen Bewegung. Doch etwa acht von zehn Kindern bewegen sich nicht ausreichend, jedes fünfte Kind bewegt sich so gut wie gar nicht. Mädchen sind nach aktuellen Studien weniger aktiv als Jungen. Zusätzlich hat die Corona-Pandemie die Situation oft noch verschärft.

Dass nicht jedes Kind sich fürs Fußballspielen oder für Leichtathletik begeistert, mag stimmen. Einen natürlichen Bewegungsdrang hat aber jedes Kind. Es muss daher nicht immer Sport im klassischen Sinn sein. Draußen herumtoben, Rad fahren oder mit Freunden Ball spielen ist auch Bewegung. Eine Stunde am Tag sollte jedes Kind am Tag aktiv sein und sich bewegen – das empfiehlt die Weltgesundheitsorganisation (WHO).

Der Grundstein für die Lust an der Bewegung und am Sport wird in der Kindheit gelegt. Wer als Kind körperliche Bewegung positiv erlebt, macht auch als Erwachsener lieber Sport.  Auch hier haben Eltern eine wichtige Vorbildfunktion. Wenn Eltern mit gutem Beispiel vorangehen, entwickeln auch die Kinder meist automatisch Spaß an Sport. Bauen Sie Bewegung und Aktivität in die Familienfreizeit ein – zum Beispiel mit einem Besuch im Freibad, einer gemeinsamen Wanderung oder einem kleinen Federballturnier!

Wenn ein Kind kein Interesse am Sport zeigt, hat es vielleicht einfach noch nicht die richtige Sportart für sich gefunden. Geben Sie Ihrem Kind Gelegenheit, in verschiedene Sportarten hineinzuschnuppern. Finden Sie heraus, welche Stärken es hat und welcher Sport ihm Spaß machen könnte – mit unserem Sporttypen-Test ist das ganz einfach!

Familie liegt auf dem Teppich

Antwort auf Eltern-Fragen

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Sind immer mehr Kinder Allergiker?

Experten schätzen, dass etwa 15 bis 20 Prozent der Kinder in Deutschland eine Allergie haben. Eine Allergie ist eine verstärkte Reaktion des Immunsystems auf körperfremde Stoffe aus der Umwelt. Tatsächlich ist die Zahl der Kinder, die unter Allergien leiden, in den vergangenen Jahrzehnten gestiegen.

Jungen sind etwas häufiger betroffen als Mädchen. Säuglinge leiden eher an Nahrungsmittel-Allergien oder Neurodermitis. Kleinkinder haben öfter Heuschnupfen und Neurodermitis, ältere Kinder haben hingegen häufiger Heuschnupfen oder Asthma.

Die genauen Ursachen für die Entstehung von Allergien sind bisher noch unbekannt. Nach derzeitigem Forschungsstand tragen verschiedene Faktoren zur Entstehung von allergischen Erkrankungen bei: Dazu zählen in erster Linie die genetische Veranlagung sowie Umweltfaktoren. Haben Vater oder Mutter Allergien, steigt auch das Risiko der Kinder, früher oder später an einer Allergie zu leiden.

Ein Risikofaktor ist das Passivrauchen: es erhöht das Risiko des Kindes, an allergischem Asthma zu erkranken. Schimmelpilzbelastung und langflorige Teppiche gelten ebenfalls als ungünstige Faktoren. Untersuchungen haben außerdem gezeigt, dass Kinder, die zum Beispiel auf einem Bauernhof, und Kinder, die in Großfamilien aufwachsen, aber auch Kinder, die früh in die Krippe kommen, seltener Allergien entwickeln. Eine mögliche Erklärung dazu ist, dass der Kontakt mit Schmutz und unterschiedlichen Keimen (Viren und Bakterien) eine wichtige Voraussetzung für eine normale Entwicklung des Immunsystems ist. Eine übertriebene Hygiene führt nach dieser Theorie dazu, dass das Immunsystem zu wenig aktiviert wird und dafür dann überschießend (mit Allergien) reagiert.

Schadet eine vegetarische Ernährung der Entwicklung?

Bei Kindern spricht nichts gegen eine vegetarische Ernährung, solange sie vollwertig versorgt sind. Wichtig ist, dass Milchprodukte und Eier, also tierische Eiweiße, nicht fehlen und auf genügend Eisen und Jod in der Ernährung geachtet wird. Ansonsten gilt, was eine gesunde Ernährung generell ausmacht: Der Speiseplan sollte vielseitig sein und viele nährstoffreiche Lebensmittel enthalten.

Gemüse, Obst, Vollkornprodukte gehören definitiv dazu. Sie sollten bei Kindern den Hauptbestandteil einer vegetarischen Kost einnehmen. Wer genügend Milchprodukte und Eier sowie Gemüse, Hülsenfrüchte und Getreide isst, bekommt ausreichend Eiweiß. Und auch das wichtige Vitamin B12 ist in Milchprodukten enthalten. Der Mineralstoff Eisen steckt in Getreide, aber auch in einigen Gemüsesorten (z. B. Fenchel, Bohnen oder Erbsen). Tipp: Am besten kann der Körper das Eisen in Kombination mit Vitamin C verwerten – und das steckt wiederum in frischem Obst, in Paprika oder in Tomaten. Für eine ausreichende Versorgung mit Jod sollte Jodsalz verwendet werden.

Anders sieht es mit der veganen Ernährung aus. Veganer ernähren sich rein pflanzlich und verzichten auf alle tierischen Produkte wie zum Beispiel Milch oder Eier. Für Veganer ist es schwieriger, alle nötigen Nährstoffe über die Ernährung aufzunehmen. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGW) empfiehlt eine vegane Ernährung für Kinder und Jugendliche daher bislang nicht. Hier lesen Sie, was Eltern beachten sollten, wenn sich Ihr Kind trotzdem vegan ernähren will.


Letzte Änderung: 16.12.2021