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Reizdarm – Symptome, Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten

ArtikelLesezeit: 4:00 min.
Frau liegt auf der Couch und hält die Hände auf den Bauch

Bildnachweis: © istockphoto.com / Charday Penn

Typische Anzeichen für ein Reizdarmsyndrom (RDS) sind Bauchschmerzen, Durchfall, Verstopfung und Blähungen. Lange Zeit ging die Medizin davon aus, dass das Reizdarmsyndrom rein psychisch bedingt ist. Doch die Krankheit kann verschiedene Ursachen haben.

Expertenbild

Der Experte zum Thema

Dr. Thomas Wollersheim

Facharzt für Innere Medizin
ServiceCenter AOK-Clarimedis

Wenn der Darm nicht richtig funktioniert und die Verdauung verrückt spielt, ist das mehr als unangenehm. Unter dem Reizdarmsyndrom (kurz RDS) werden ständige oder immer wiederkehrende Beschwerden im Magen-Darm-Trakt zusammengefasst. Die Krankheit tritt oft zwischen dem dreißigsten und vierzigsten Lebensjahr auf.

Das Syndrom ist auch unter den Begriffen Colon irritabile, Reizkolon, irritables Darmsyndrom oder nervöser Darm bekannt.

Welche Symptome weisen auf einen Reizdarm hin?

Typisch sind Bauchschmerzen, Blähungen und Stuhlveränderungen wie Durchfall oder Verstopfung. Allerdings können die Symptome sehr unterschiedlich und wechselhaft sein. Sie kommen in verschiedenen Ausprägungen und Kombinationen vor.

Vorübergehend hat wohl jeder Mensch ab und zu solche Verdauungsprobleme. Von einem Reizdarmsyndrom sprechen Mediziner, wenn …

  • die Beschwerden länger als drei Monate anhalten und mit Stuhlgangveränderungen einhergehen
  • die Beschwerden die Lebensqualität der Patienten beeinträchtigen
  • es keine körperlichen Veränderungen gibt, die auf andere Krankheitsbilder deuten

Abgrenzung zu anderen Magen-Darm-Krankheiten

Das Reizdarmsyndrom ist eine Ausschlussdiagnose. Denn die Symptome können auch auf andere Krankheiten des Magen-Darm-Trakts hinweisen. Diese muss der Arzt erst ausschließen. So könnten etwa entzündliche Darmerkrankungen wie Morbus Crohn, Nahrungsmittelunverträglichkeiten oder gar Darmkrebs der Grund für die Beschwerden sein.

Was sind die Ursachen für das Reizdarmsyndrom?

Die Ursachen für die Entstehung eines Reizdarms sind nicht endgültig geklärt und von Patient zu Patient verschieden. Bei dem einen liegt es an einer erhöhten Schmerzempfindlichkeit, bei einem anderen kann die Transportfähigkeit des Darmes gestört sein.

Als Hauptauslöser gilt ein empfindlicher Darm. Psychische Probleme wie Angst und Nervosität können die Beschwerden verschlimmern. Unter Stress werden häufig auch die Symptome intensiver wahrgenommen. Mediziner vermuten dahinter eine Störung im sogenannten Darmhirn.

Auch falsche Ernährungsgewohnheiten können einen negativen Einfluss haben. Es gibt außerdem Hinweise darauf, dass eine durchgemachte Magen-Darm-Infektion einen Reizdarm als Folgeerkrankung auslösen kann.

Woher kommen die Beschwerden bei einem Reizdarm?

Leiden Sie unter einem Reizdarm, dann bewegt sich die Nahrung durch Ihren Magen-Darm-Trakt nicht in normaler Geschwindigkeit: Geht es zu schnell, bekommen Sie Durchfall. Durchläuft das Essen den Trakt dagegen zu langsam, sind Verstopfungen die Folge.

In beiden Fällen kann es zur vermehrten Bildung von Darmgasen kommen. Diese können zu starken krampfartigen Bauchschmerzen und unangenehmen Darmgeräuschen führen.

Frau mit Headset am Computer.

AOK-Clarimedis

Medizinische Hilfe am Telefon.

Wie wird das Reizdarmsyndrom behandelt?

Zur Behandlung des Reizdarmsyndroms kommen unterschiedliche Ansätze infrage. Da es keine allgemeingültige Therapie gibt, muss der Arzt für jeden Patienten eine individuelle Behandlung finden.

Entspannungstechniken

Wenn sich die Symptome vor allem durch Stress verschlimmern, sollten Betroffene aktiv Entspannungstechniken in ihren Alltag einbauen. So lernen die Patienten, Stress zu vermeiden oder besser mit Stresssituationen umzugehen. Hilfreich sind Entspannungsübungen wie autogenes Training, progressive Muskelentspannung oder Yoga.

Pflanzliche Heilmittel

Auch Heilpflanzen können bei Darmproblemen helfen. Es gibt Patienten, denen eine Tasse Tee mit Anis, Fenchel oder Kümmel nach dem Essen guttut. Andere entspannen lieber in einem Bad mit Melissen- oder Lavendelöl. Auch Flohsamen oder Pfefferminze werden zur Behandlung von Magen-Darm-Problemen angewendet.

Medikamente

Im Ernstfall steht darüber hinaus eine Reihe gut verträglicher Medikamente zur Verfügung. Sie sind insbesondere in akuten Situationen hilfreich oder als Mittel der Reserve, wenn andere Maßnahmen nicht greifen.

Ernährungstipps bei Reizdarm

  • Vermeiden Sie die Nahrungsmittel, die bei Ihnen Beschwerden auslösen. Viele Betroffene reagieren auf fettes, scharf gewürztes und reichhaltiges Essen. Auch Kaffee kann Probleme bereiten. Ein Ernährungstagebuch hilft Ihnen dabei, einen Überblick über Ihre Speisen und Getränke zu behalten und Zusammenhänge zu Darmbeschwerden zu erkennen.
  • Ernähren Sie sich ausgewogen, fleischarm und ballaststoffreich.
  • Trinken Sie ausreichend. Das wirkt sich positiv auf die Konsistenz des Stuhlgangs aus.
  • Lassen Sie sich Zeit beim Essen. Hastiges Essen führt dazu, dass die Speisen für den Magen nicht genug vorgekaut sind. Zudem gelangt beim Schlingen Luft in den Verdauungstrakt.

Gut leben mit Reizdarm

Die Ernährungsumstellung lohnt sich: Langfristig haben Sie so gute Chancen auf eine Linderung. Achten Sie außerdem darauf, genügend Bewegung in Ihren Alltag einzubauen. Die Mobilität des Körpers überträgt sich auch auf den Darm und unterstützt die Verdauung.

Falls Sie rauchen, sollten Sie damit aufhören – denn Zigaretten führen ebenfalls vermehrt zu Beschwerden.

Ein Reizdarm kann zwar lästig und schmerzhaft sein, hat aber keine Auswirkung auf die Lebenserwartung. Auch das Risiko, an Darmkrebs zu erkranken, ist durch das Reizdarmsyndrom nicht erhöht.


Morphium & Ingwer: Darmgesundheit

Unsere Moderatoren Olli Briesch und Michael Imhof bringen in dieser Folge „Morphium & Ingwer“ ihren Charme zum Darm. Olli erfährt bei der Teil-Koloskopie von Experte Dr. Jan-Hinnerk Hofer alles über seine persönlichen Ballaststoffe – und auch das Phänomen Reizdarm wird (nicht nur endoskopisch) beleuchtet. All das und weitere Geheimnisse vom sonst eher stillen Örtchen gibt es in der neuesten Episode unseres Podcasts.

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Letzte Änderung: 16.03.2021