Therapien bei sozialer Phobie

InterviewLesezeit: 3:00 min.
Eine Gruppe sitzt in einem Stuhlkreis.

Bildnachweis: © wdv / Olaf Georg Hermann

Die therapeutischen Ansätze bei der sozialen Phobie sind vielfältig und immer vom Erkrankungsbild des einzelnen Patienten abhängig. Im Gespräch mit Frau Dr. Sybille Schreckling, Fachärztin für Neurologie und Psychiatrie im ServiceCenter AOK-Clarimedis, stellen wir die gängigen Therapieformen vor und informieren, welche Praktiken zusätzlich hilfreich sein können.

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Die Expertin zum Thema

Dr. Sybille Schreckling

Ärztin für Neurologie & Psychiatrie
ServiceCenter AOK-Clarimedis

Viele Menschen sind schüchtern. Ab wann spricht man von einer Sozialphobie?

Redaktion

Schüchternheit ist normal. Problematisch wird es erst, wenn der Betroffene in der Öffentlichkeit Symptome wie etwa Schwitzen, Schwindel oder Herzklopfen entwickelt und insgesamt von Ängsten besetzt ist. Menschen mit einer Sozialphobie ertragen es nicht, wenn sie die Aufmerksamkeit von anderen Menschen auf sich ziehen. Sie haben Angst, als dumm, minderwertig oder seltsam wahrgenommen zu werden. Einige trauen sich nicht, öffentlich zu sprechen, andere haben Angst, gemeinsam zu essen oder in einen vollbesetzten Bus zu steigen. Jeder Fall ist anders ausgeprägt.

Dr. Sybille Schreckling

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Paar im Gespräch.

Psychotherapie

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Es gibt also eine breite Palette an sozialen Phobien. Was haben sie gemeinsam?

Redaktion

Wird die Angst vor der Stresssituation zu groß, entwickeln Betroffene zunehmend Ausreden und Wege, diese vermeintliche Gefahr zu meiden und ziehen sich zurück. Das Tragische an dieser Vermeidungstaktik ist, dass die Betroffenen dadurch nicht nur wichtige soziale Kontakte verlieren, sondern auch die Chance auf positive Erfahrungen, wie Lob und Anerkennung.

Dr. Sybille Schreckling

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Wann treten in der Regel die ersten Anzeichen für eine soziale Phobie auf?

Redaktion

Diese Verhaltensstörung prägt sich oft bereits im Kindes- oder Jugendalter aus. Eltern sollten sich bei Warnsignalen daher rechtzeitig an einen Kinder- und Jugendpsychiater wenden. Kinder lernen schnell, ihren Ängsten selbstbewusst zu begegnen.

Dr. Sybille Schreckling

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Welche sind die gängigsten Therapieformen bei einer sozialen Phobie?

Redaktion

Am wichtigsten ist eine Psychotherapie, um die Ängste zu entschärfen und Abstand davon zu gewinnen. Der Psychiater kann auch eine Verhaltenstherapie empfehlen. Dabei kommen häufig Übungen der Konfrontation zum Einsatz. Hier lernt der Patient, seiner Angst kontrolliert zu begegnen und sie schrittweise abzubauen. Medikamente kommen nur kurzfristig und gezielt zum Einsatz, vor allem wenn begleitende Krankheiten wie Depressionen auftreten. Häufig kommt es auch zu begleitendem Suchtverhalten, wie zum Beispiel Alkohol- und Drogenkonsum. Denn dies lindert Ängste kurzfristig, führt aber gleichzeitig zu gesellschaftlicher Isolation und sozialem Abstieg.

Dr. Sybille Schreckling

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Gibt es ein gemeinsames Ziel, das alle therapeutischen Ansätze bei einer sozialen Phobie verbindet?

Redaktion

Ja, es geht immer darum, dem Patienten die Angst zu nehmen und seine Eigenständigkeit zu fördern. Nur so kann er den Angstkreislauf durchbrechen.

Dr. Sybille Schreckling

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Helfen Entspannungsmethoden bei einer sozialen Phobie?

Redaktion

Ja. Bei der Progressiven Muskelentspannung kann der Patient durch bewusste Muskelan- und -entspannung den Angstkreislauf aktiv durchbrechen. Beim Autogenen Training lernt er, seinen Geist und Körper durch Selbsthypnose zu entspannen und seine Willensstärke zu fördern.

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Welche Rolle spielen Selbsthilfegruppen?

Redaktion

Sie sind sehr wichtig. Durch den Austausch können die Teilnehmer viel voneinander lernen. Sie bekommen zudem die Gelegenheit, ihre sozialen Kompetenzen in der Gruppe wieder aufzubauen.

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Letzte Änderung: 11.10.2015