Fieber bei Kindern ist selten gefährlich. Wir verraten, wie Sie am besten Fieber messen, wann Sie den Kinderarzt aufsuchen sollten und welche Medikamente und Hausmittel wirklich helfen.
Fachärztin für Kinder- und Jugendmedizin
ServiceCenter AOK-Clarimedis
Hat das Kind Fieber, sind viele Eltern schnell beunruhigt und möchten eingreifen. Aber eine erhöhte Körpertemperatur tritt bei Babys und Kleinkindern häufiger auf als bei Erwachsenen.
Fieber ist eine natürliche Schutzreaktion des Körpers gegen Krankheitserreger wie Viren und Bakterien. Es ist ein Zeichen dafür, dass das kindliche Immunsystem beispielsweise gegen grippale Infekte, Mittelohrentzündungen oder Magen-Darm-Infekte kämpft.
Fieber ist also keine eigenständige Krankheit. Daher sollte nicht nur die Höhe des Fiebers, sondern auch der Gesamtzustand des Kindes beurteilt werden, wenn Sie fiebersenkende Mittel einsetzen möchten.
Gesunde Kinder haben eine Körpertemperatur zwischen 36,5 und 37,5 Grad Celsius. Wenn Kinder sehr aktiv sind und viel herumtoben, kann die Temperatur am Abend erhöht sein, ohne dass das Kind krank ist. Am niedrigsten sind die Werte, die am Morgen gemessen werden.
Erhöhte Temperatur: 37,6 bis 38,5 °C
Fieber: mehr als 38,5 bis 39,9 °C (Bei Neugeborenen im ersten Lebensmonat gilt eine Temperatur ab 38 °C als Fieber.)
Hohes Fieber: ab 40 °C
Fieber oder nicht? Nicht immer, wenn sich der Kopf heiß anfühlt, handelt es sich tatsächlich um eine erhöhte Temperatur. Ob das erhitzte Kind Fieber hat, können Sie auch an sogenannten Begleitsymptomen erkennen. Bei Fieber sind die Kleinen oft quengelig, matt und haben keinen Appetit. Sie möchten sich hinlegen oder sind nicht so aktiv wie gewohnt. Bei Fieber ist außerdem nicht nur der Kopf heiß: Auch das Gesicht ist gerötet und die Augen wirken müde und krank. Die Haut am Rest des Körpers kann sich hingegen kühl anfühlen und blass erscheinen.
Eltern sollten bei einem kranken Kind regelmäßig, am besten dreimal am Tag Fieber messen. Notieren Sie die Werte und schauen Sie, wie sich im Laufe des Tages die Temperatur entwickelt. So erhalten Sie einen guten Überblick über den Verlauf. Das ist gegebenenfalls auch für den Kinderarzt hilfreich. Um den Verlauf gut kontrollieren zu können, sollten Sie immer an derselben Körperstelle und zur selben Tageszeit messen. Meist ist der am Morgen ermittelte Wert unter dem am späten Abend.
Waren früher Glasthermometer zum Messen der Temperatur üblich, besitzen viele Haushalte heute meist digitale oder Infrarotthermometer. Sie unterscheiden sich nicht in der Genauigkeit, aber in der Anwendung. Mit einem digitalen Thermometer messen Sie zum Beispiel im Po oder unter der Zunge. Je nach Anwendungsort müssen Sie eine halbe bis zwei Minuten einplanen. Das Infrarotthermometer braucht in der Regel nur wenige Sekunden, um die Temperatur im Ohr oder an der Stirn zu erfassen.
Bei Babys und Kleinkindern kann die Körpertemperatur am genauesten im Po gemessen werden. Manche Kinder empfinden das jedoch als unangenehm. Probieren Sie es am besten aus. Damit sich das digitale Thermometer leicht ein bis zwei Zentimeter einführen lässt, sollten sich Kinder fürs Messen auf die Seite legen. Babys sollten Sie fürs Messen auf den Rücken drehen und die Beine hochhalten. Streichen Sie eine fetthaltige Creme dünn auf die Spitze des Instruments. Das Thermometer im Anschluss mit warmem Wasser und Seife reinigen.
Die Temperaturmessung unter der Zunge gilt als ähnlich verlässlich wie rektal. Der gemessene Wert liegt etwa einen halben Grad unter dem im Po. Wichtig ist, vor dem Messen nichts Heißes oder Kaltes zu essen oder trinken, um die Messung nicht zu verfälschen. Für Babys erscheinen Schnullerthermometer praktisch – diese sind jedoch sehr ungenau.
Hier lesen Sie, was Sie sonst noch beim Fiebermessen unter der Zunge beachten sollten.
Gerade bei Babys ist das Messen der Temperatur im Ohr gar nicht so einfach. Hierbei muss der Infrarot-Messfühler des speziellen Ohrthermometers exakt Richtung Trommelfell weisen, um genau zu messen. Verrutscht der Zielfokus, wird stattdessen der Gehörgang gemessen. Dann kann die Temperatur circa 0,3 Grad unterhalb des im Po gemessenen Wertes liegen. Es braucht also etwas Übung bei der Handhabung und vergleichende Messungen im Po, wenn es auf eine genaue Messung ankommt.
Auch unter der Achsel kann das Fieber gemessen werden. Dafür das Thermometer unter die Achsel stecken und das Kind den Arm eng am Körper halten lassen. Die gemessene Temperatur an dieser Körperstelle liegt durchschnittlich einen halben Grad unter jener bei einer Messung im Po. Bewegt sich das Kind dazu noch, kommt es zu weiteren Abweichungen von bis zu zwei Grad. Da sich Bewegungen vor allem bei Babys kaum verhindern lassen, ist diese Methode ungenauer als eine Messung im Po oder unter der Zunge.
Zum Messen unter der Achsel gibt es heute auch Bluetooth-Klebepads. Sie werden unter einer Achsel auf die Haut geklebt und übermitteln die Körpertemperatur an ein Steuergerät, das in der Nähe stehen muss. Die Pads eignen sich vor allem dann, wenn eine dauerhafte Überwachung der Körpertemperatur nötig ist.
Im Handel gibt es Stirnthermometer in verschiedenen Varianten (Infrarot, mit Flüssigkristallen oder als chemisches Thermometer). Sie sind von allen Fiebermessmethoden am einfachsten in der Handhabung – dafür aber auch am ungenauesten. Schwitzt das Kind beispielsweise, was bei Fieber nicht ungewöhnlich ist, verfälscht dies den Messwert.
Fieber an sich ist nichts Schlimmes und zeigt an, dass das Immunsystem arbeitet. Eine erhöhte Temperatur muss daher nicht zwingend behandelt werden. Doch bis zu welchem Punkt sollten Eltern das Fieber "machen lassen"? Und ab wann sollte versucht werden, das Fieber zu senken? Das ist von zwei Faktoren abhängig: Wie hoch ist die Körpertemperatur tatsächlich? Und wie geht es Ihrem Kind dabei?
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Sobald das Kind fiebert, sollten Sie ihm – unabhängig von der Höhe – viel zu Trinken geben. Das verhindert, dass der Körper austrocknet. Wichtig ist auch, die kleinen Kranken nicht zu warm zuzudecken, um sie nicht zu überhitzen. Bieten Sie leicht verdauliche Speisen an.
Die einfachste Möglichkeit zum Fiebersenken ist zunächst ein feuchter, lauwarmer Waschlappen. Legen Sie diesen Ihrem Kind auf die Stirn. Wichtig: Der Lappen sollte nicht zu kalt sein, sonst empfindet das Kind ihn schnell als unangenehm.
Bei älteren Kindern können Wadenwickel helfen. Dazu ein feuchtes Geschirrtuch um die Waden schlagen und ein trockenes Handtuch außen herumwickeln. Die Wadenwickel dürfen nicht zu kalt sein. Bei kleineren Kindern und Babys sind Wadenwickel ungeeignet, da sie schneller auskühlen und häufig bereits kühle Extremitäten haben. Lesen Sie hier, worauf Sie bei Wadenwickeln sonst noch achten sollten.
Bei Babys und Kleinkindern ist vor allem der Rumpf erhitzt. Hier können sanfte Wickel um Bauch oder Brust das Fieber senken. Achten Sie unbedingt darauf, dass die Temperatur der Wickel nur ganz leicht unter der des Körpers liegt (maximal 1 °C). Zu kalte Wickel fühlen sich nicht nur unangenehm an, es droht auch eine Unterkühlung.
Ist das Fieber sehr hoch, lässt sich auch durch Hausmittel nicht senken und hat das Kind noch zusätzliche Beschwerden, empfehlen Kinderärzte fiebersenkende Mittel. Infrage kommen Wirkstoffe wie Paracetamol und Ibuprofen als Saft oder als Zäpfchen.
Es gibt keine klar festgelegte Temperaturgrenze, ab der ein Arztbesuch notwendig ist. Das ist abhängig vom Alter und Gesamtzustand des Kindes. In folgenden Fällen ist ein Gespräch mit dem Kinderarzt jedoch immer sinnvoll:
Letzte Änderung: 03.12.2024
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