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Migräne: So wird der Kopf wieder klar

ArtikelLesezeit: 4:00 min.
Frau liegt mit Kopfschmerzen im Bett

Bildnachweis: © istockphoto.com / LaylaBird

Ein schier unerträglicher Kopfschmerz gepaart mit Übelkeit: Migräne. Mehr als jeder Zehnte leidet darunter. Doch wer seine Auslöser kennt, kann vorbeugen. Wir erklären, wie das geht, welche Rolle ein Kopfschmerztagebuch dabei spielt und was bei einer Migräneattacke hilft.

Expertenbild

Die Expertin zum Thema

Dr. Silke Leesemann

Fachärztin für Neurologie und Psychiatrie
ServiceCenter AOK-Clarimedis

Welche Symptome sind typisch für Migräne?

Es gibt verschiedene Arten von Kopfschmerzen. Charakteristisch für Migräne sind wiederkehrende Kopfschmerzattacken. Sie treten oft mehrmals pro Monat auf. Die Kopfschmerzen sind häufig nur einseitig zu spüren, können aber auch beidseitig auftreten. Migränegeplagte spüren oft einen starken, pochenden und pulsierenden Schmerz. Er tritt vor allem im Bereich der Stirn, Schläfen und Augen auf.

Zusätzliche Symptome können auch Übelkeit und Erbrechen sein oder man reagiert empfindlich auf Licht und Lärm. Außerdem werden die Schmerzen bei Bewegung meist schlimmer.

Normalerweise ist eine unbehandelte Migräneattacke bei einem Erwachsenen nach einigen Stunden vorbei. In seltenen Fällen dauert sie bis zu drei Tage an.

Welche Arten von Migräne gibt es?

Fachleute unterscheiden Migräne mit Aura und ohne Aura. Die zweite Form haben etwa 80 Prozent der Betroffenen. Bei einer Migräneform mit Aura leiden die Personen vor der eigentlichen Migräneattacke unter neurologischen Störungen. Das können Sehstörungen sein wie Lichtblitze, Flimmern oder Gesichtsfeldeinschränkungen. Auch Gefühlsstörungen wie ein Kribbeln in Armen oder Beinen kommen vor.

Die Aura tritt in der Regel auf, bevor der Kopfschmerz beginnt. Die Symptome können bis zu eine Stunde andauern. Danach verschwinden sie wieder. Doch selbst wer Migräne mit Aura hat, erlebt diese „Vorankündigung“ nicht unbedingt jedes Mal.

In seltenen Fällen können die Aura-Symptome bis zu einer Woche anhalten. Dann spricht man von einer persistierenden Aura.

Wenn Sie glauben, dass Sie Migräne haben, sprechen Sie mit Ihrem Arzt. Er kann genauer bestimmen, welche Migräneform Sie haben, und die weitere Behandlung mit Ihnen besprechen.

Welche Ursachen und Auslöser hat Migräne?

Welche Ursachen genau hinter Migräne stecken, ist noch nicht ganz klar. Bestimmte Botenstoffe (Neurotransmitter) lösen bei Migräne Entzündungen an Blutgefäßen im Gehirn aus und weiten diese.

Genauer lässt sich etwas zu den Auslösern einer Migräneattacke sagen, auch wenn sie individuell verschieden sind. Die meisten Migränepatienten reagieren auf eine Kombination mehrerer Auslöser, sogenannte Trigger.

Folgende Faktoren sind typische Auslöser:

  • Stress, auch nachlassender Stress
  • Schlafmangel, Schlafstörungen oder unregelmäßiger Schlaf
  • zu wenig Essen oder Trinken
  • bestimmte Lebensmittel – bei manchen löst zum Beispiel Schokolade eine Migräne aus
  • hormonelle Schwankungen
  • Alkoholgenuss
  • Koffeinentzug (Koffein steckt etwa in Kaffee, Cola und Schwarztee)
  • Medikamente
  • Reize wie Lärm, flackerndes Licht oder Kälte
  • Wetterwechsel (besonders Föhn ist für Migräneanfällige problematisch)
  • Bewegungsmangel
Frau mit Headset am Computer.

AOK-Clarimedis

Medizinische Hilfe am Telefon.

Wer ist besonders von Migräne betroffen?

Das Krankheitsbild verfestigt sich oft im jungen Erwachsenenalter, also bei Menschen bis 30 Jahre. Am stärksten treten die Beschwerden bei Personen auf, die zwischen 40 und 50 Jahre alt sind. Mit zunehmendem Alter werden die Migräneattacken meist seltener und weniger heftig.

Auch Kinder können schon von dem plagenden Kopfschmerz betroffen sein. Bei ihnen sind die Migräneepisoden meist kürzer als bei Erwachsenen. Außerdem leiden Kinder neben Kopfschmerzen häufig unter Schwindel und Gleichgewichtsstörungen.

Grundsätzlich verläuft Migräne im Lebenslauf meist schwankend. Es gibt gute und schlechte Phasen.

Etwa 10 bis 15 Prozent der Deutschen leiden nach Schätzungen der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft unter Migräne. Laut einer Studie des Robert Koch-Instituts von 2020 sind rund 15 Prozent der Frauen und 6 Prozent der Männer anhand medizinischer Kriterien sicher von Migräne betroffen.

Wie kann ich einer Migräneattacke vorbeugen?

Migräneepisoden lassen sich nicht immer vermeiden. Doch Sie können etwas tun, damit diese möglichst selten und nicht so heftig auftreten. Dazu ist es nützlich, wenn Sie wissen, auf welche Auslöser Sie besonders empfindlich reagieren. Das finden Sie beispielsweise mit einem Kopfschmerztagebuch heraus. Dann sollten Sie Ihre Trigger möglichst vermeiden. Darauf können Sie außerdem achten:

Regelmäßig essen und trinken

Regelmäßige Mahlzeiten sind sinnvoll. Denn zu selten zu essen kann Migräne auslösen. Also essen Sie ausgewogen und zu festen Zeiten. Nehmen Sie sich kleine Snacks mit, wenn Sie unterwegs sind. Vergessen Sie auch das Trinken nicht. Mindestens 1,5 Liter sollten es täglich sein. Wenn Sie wissen, dass bestimmte Lebensmittel bei Ihnen einen Migräneanfall auslösen, versuchen Sie diese so gut es geht zu meiden.

Feste Schlafenszeiten

Gewöhnen Sie sich, wenn möglich, einen festen Schlafrhythmus an. Idealerweise schlafen Sie nachts mindestens sieben Stunden lang.

Bewegen

Wer unter Migräne leidet, profitiert von leichtem Ausdauersport. Sportarten wie Laufen, Radfahren oder Schwimmen können Migräneattacken vorbeugen. Ein ideales Training? Dreimal die Woche 30 Minuten. So bauen Sie Stress ab und fördern die Durchblutung des Körpers.

Entspannen

Wenn Ihnen der Alltag über den Kopf wächst, hilft relaxen. Entspannungstechniken wie etwa autogenes Training und progressive Muskelentspannung sind gute Ansätze. Auch mit Yoga oder Pilates kommen Sie zur Ruhe und können Migräneattacken vorbeugen.

Pausen machen

Lesen Sie ein paar Seiten, hören Sie Musik oder was immer Ihnen als „kleine Auszeit“ zwischendurch guttut, um abzuschalten.

Mit dem Rauchen aufhören

Wer raucht, scheint häufiger von Migräne betroffen als Nichtraucher. Schon die Zigarettenmenge zu reduzieren, kann helfen. Hier geht es zu unseren Tipps fürs Aufhören.

Schmerzmittel meiden

Es ist nicht empfehlenswert, regelmäßig mehr als 10 Tage im Monat Schmerzmittel einzunehmen. Dadurch können nämlich auch Kopfschmerzen ausgelöst werden. Mediziner sprechen dann vom sogenannten MÜK – dem Medikamente-Übergebrauchs-Kopfschmerz.

Wie lässt sich Migräne behandeln?

Wenn Sie eine Migräneattacke haben, helfen Wirkstoffe, die Sie auch gegen andere Kopfschmerzen einnehmen: Ibuprofen, Paracetamol und Acetylsalicylsäure (ASS).

Reichen diese Schmerzmittel nicht aus, kommen sogenannte Triptane zum Einsatz. Sie sorgen dafür, dass sich die erweiterten Gefäße im Gehirn wieder verengen und der Körper weniger Entzündungsbotenstoffe ausschüttet.

Wer unter Migräne leidet, sollte die passende Therapie auf jeden Fall mit seinem Arzt besprechen. Er kann beurteilen, welche Wirkstoffe in welcher Dosis geeignet sind. Vielleicht ist auch ein zusätzliches Mittel gegen Übelkeit ratsam.

Hausmittel können Schmerzen ebenfalls lindern. Vielen helfen kalte, feuchte Tücher auf die Stirn und in den Nacken gelegt. Andere massieren Pfefferminzöl auf die Schläfen. Das fühlt sich kühlend an. Zudem helfen Dunkelheit und Ruhe oft.

  • Selbsthilfe
    Betroffene haben vor allem das Bedürfnis sich auszutauschen, mit anderen über ihre Erfahrungen zu sprechen. Die AOK Rheinland/Hamburg unterstützt daher Hamburger Selbsthilfegruppen, bei denen sich Migräne- oder Kopfschmerzpatienten regelmäßig treffen. Informationen zu den Gruppen sind in allen AOK-Geschäftsstellen erhältlich. Zahlreiche Selbsthilfegruppen – auch online – finden Sie bei der MigräneLiga Deutschland.
  • Medikamentenberatung
    Sie haben Fragen zur richtigen Einnahme von Schmerzmitteln, ihren Wirkungen und Nebenwirkungen? Die Fachärzte von AOK Clarimedis beraten kompetent und kostenlos unter der Telefonnummer 0800 0 326 326.
  • Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG)
    Auf der Seite der DMKG finden Sie neben ausführlichen Infos auch Patientenveranstaltungen, Selbsthilfegruppen, Buchtipps und vieles mehr.
  • Gesundheitskurse
    Entspannung und Bewegung helfen gegen Kopfschmerzen. Angebote für das Rheinland und für Hamburg finden Sie im Internet. Zertifizierte Kurse werden von der AOK mit bis zu 75 Euro bezuschusst.

Letzte Änderung: 31.05.2021