Was ist Gender-Medizin?

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Ärztin sitzt am Schreibtisch und spricht mit einem Paar.

Bildnachweis: © wdv / Olaf Georg Hermann

Frauen können besser zuhören, Männer besser einparken. Die gängigen Stereotype über die Geschlechter kennt jeder. Was viele nicht wissen: Mann und Frau sind auch von vielen Krankheiten unterschiedlich betroffen. Einige Beschwerden äußern sich sogar anders und müssen unterschiedlich behandelt werden.

Diesen Unterschieden zwischen Mann und Frau widmet sich seit Ende der 1990er Jahre die sogenannte „Gender-Medizin“. Der Begriff „Gender“ stammt aus dem Englischen und bedeutet übersetzt „Geschlecht“. Die noch sehr junge medizinische Fachdisziplin will die geschlechtsbedingten Unterschiede nicht nur erkennen, sondern ihnen auch in der Diagnose und der Behandlung Rechnung tragen.

Der männliche Körper ist die Norm

Dass sich Frauen und Männer in Körpergröße wie auch Körperbau unterscheiden, ist offensichtlich. Aber auch die inneren Organe sind bei Männern beispielsweise größer, ihre Gefäße dicker und ihre Knochen dichter.

Diese körperlichen Unterschiede haben unter anderem Einfluss auf die Wirkung von Medikamenten. Lange Zeit war jedoch der männliche Körper die Norm in der Medizin. Medikamententests wurden fast ausschließlich an jungen Männern durchgeführt, die Ergebnisse einfach auf Frauen übertragen.

Frau mit Headset am Computer.

AOK-Clarimedis

Medizinische Hilfe am Telefon.

Emotionale und psychosoziale Unterschiede

Die Gender-Medizin untersucht aber auch die Bedeutung emotionaler oder sozialer Faktoren. So wird zum Beispiel am Institut für Geschlechterforschung in Berlin wissenschaftlich untersucht, inwiefern sich Ängstlichkeit und soziale Unterstützung auf den Erholungsprozess nach einer Krankheit auswirken. Emotionale und soziale Faktoren stehen zudem im Verdacht, das unterschiedliche Schmerzempfinden sowie die stärkere Betroffenheit von Frauen bei Depressionserkrankungen mit zu verursachen.

Letzte Änderung: 30.06.2013