Was sind Zwangsstörungen?

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Jungedlicher presst seine Fäuste vor sein Gesicht.

Bildnachweis: © wdv / Oana Szekely

Immer wiederkehrende Gedanken, Handlungen nach einem bestimmten Schema wiederholt ausgeführt – wem diese Symptome bekannt vorkommen, hat möglicherweise eine Zwangsstörung. Zwangsstörungen zählen zur Kategorie psychische Erkrankungen und belasten die Betroffenen sehr. Sowohl Kinder und Jugendliche als auch Erwachsene erkranken daran.

Experten schätzen, dass ein bis zwei Prozent der Erwachsenen in Deutschland unter einer Zwangsstörung leiden sowie drei Prozent der Kinder und Jugendlichen. Dabei sind Männer und Frauen etwa gleich häufig betroffen. Allerdings erkranken nur selten Menschen über 40 Jahre neu daran. Zwangsstörungen gelten trotz der niedrig erscheinenden Prozentzahlen als häufig vorkommende psychische Krankheit. Sie zählen zu den sogenannten Zwangsspektrumsstörungen, bei denen Menschen einen inneren Druck verspüren, eine bestimmte zum Teil sinnlose Handlung zu verrichten.

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Symptome und Ursachen

Sowohl Gedanken, die stetig wiederkehren, als auch Handlungen, die der Betroffene glaubt, immer wieder ausführen zu müssen, kennzeichnen Zwangsstörungen. Bei den Zwangsgedanken kann es auch zu Zwangsimpulsen kommen, die den Erkrankten drängen, plötzlich etwas Bestimmtes zu tun, zum Beispiel etwas zu kontrollieren. Am häufigsten leiden Menschen unter einer Kombination aus Zwangsgedanken und Zwangshandlungen. Führen sie diese Handlungen nicht aus, fühlen sie zunächst Angst und Druck und dann den Zwang beziehungsweise die Handlung zur Angstreduktion.

Die Ursache von Zwangserkrankungen ist nicht genau bekannt. Es gibt verschiedene Theorien. So gehen manche Experten von einer genetischen Veranlagung aus. Ihnen zufolge ist es möglich, dass Botenstoffe im Gehirn (Neurotransmitter) nicht richtig arbeiten und diese Fehlfunktion vererbt wird. Möglicherweise lösen auch in der Kindheit gemachte Erfahrungen Zwangsgedanken und/oder Zwangshandlungen aus, zum Beispiel wenn im Elternhaus stets strenge Regeln eingehalten werden mussten. Die Wissenschaftler halten aber auch das Zusammenspiel mehrerer Faktoren für denkbar.

Zwanghafte Persönlichkeitsstörung

Von Zwangsstörungen zu unterscheiden ist allerdings eine zwanghafte Persönlichkeitsstörung. Die Betroffenen dieses Syndroms sind pedantisch, übertrieben ordnungsliebend, streng mit sich selbst, und sie bestehen auf das Einhalten von (oft selbst aufgestellten) Regeln. Im Gegensatz zu Menschen mit einer Zwangsstörung empfinden sie sich selbst aber als normal. Ihre Mitmenschen können dagegen unter ihrer Unnachgiebigkeit leiden.

Letzte Änderung: 07.12.2016