Zwangsstörungen – Symptome, Diagnose und Therapie

ArtikelLesezeit: 3:00 min.
Foto: Auswringen eines Putzlappens über dem Putzeimer

Etliche Male kontrollieren, ob das Licht ausgeschaltet ist, oder das Bedürfnis, sich immer wieder die Hände zu waschen: Das können Symptome einer Zwangsstörung sein. Zwangsstörungen kosten Zeit, Energie und können den Alltag der Betroffenen erheblich beeinträchtigen. Hilfe finden die Erkrankten bei Psychotherapeuten oder Psychiatern, die meist eine Verhaltenstherapie empfehlen.

Zwangsstörungen zeigen sich auf verschiedene Weise. So gibt es beispielsweise den Reinigungs- und Waschzwang. Oder den Kontrollzwang, bei dem etwa etliche Male kontrolliert wird, ob der Herd ausgeschaltet ist. Bekannt ist auch der Wiederhol- und Zählzwang, bei dem Handlungen mit einer bestimmten Häufigkeit wiederholt werden müssen. Und schließlich leiden einige Betroffene unter einem Ordnungs- und Symmetriezwang, bei dem Dinge stets in einer bestimmten Weise geordnet werden müssen.

Psychotherapie

Die AOK steht Ihnen zur Seite.

Den ritualhaft wiederholten Handlungen gehen oft Zwangsgedanken voraus. Sie stellen sich bei Menschen mit Zwangsstörungen als gleichförmige Bilder und Sätze ein, die sich wiederholen und Angst, Unruhe oder Ekel hervorrufen. Die Betroffenen empfinden sie als unerträglich, da sie ihren Inhalt beispielsweise als unmoralisch betrachten (etwa Tötungsphantasien). Vorstellungen von schlimmen Taten verwirklichen sie in der Regel aber nie. Um sich von ihren Zwangsgedanken zu „reinigen“ oder eine Katastrophe zu verhindern, verrichten sie dann zwanghaft gewisse Handlungen. Die durch die Zwangsgedanken entstandene Anspannung lässt so vorübergehend nach. Dass sowohl die Gedanken als auch die Handlungen, die ritualmäßig vollführt werden, unsinnig sind, ist den Betroffenen bewusst. Nur zu gern würden Sie die Gedanken abstellen, die Handlungen unterlassen – doch der innere Zwang ist stärker.

Der Weg aus der Zwangsstörung

Zwangsgedanken und -handlungen können bei einem Patienten isoliert auftreten oder miteinander kombiniert, wobei die Kombination sehr häufig ist. Fakt ist: Es gelingt kaum einem, sich selbst aus der Spirale der Zwänge zu befreien. Betroffene sollten sich daher zunächst an ihren Hausarzt wenden, der sie an einen Psychotherapeuten oder Psychiater überweisen wird. Dieser macht sich durch intensive Gespräche ein Bild von der Erkrankung und dem Alltag des Patienten – auch um andere psychische Krankheiten auszuschließen oder zu erkennen. Ein Mediziner wird außerdem untersuchen, ob eventuell körperliche Ursachen vorliegen.

Als Therapieform wird meist eine Verhaltenstherapie gewählt: Dazu gehört auch, dass der Patient mit von ihm als unangenehm empfundenen Situationen konfrontiert wird (Konfrontationstherapie). Er soll lernen, Situationen und Gedanken auszuhalten, ohne eine Zwangshandlung auszuführen. Die mit den Zwangsgedanken und -handlungen verbundenen negativen Gefühle sollen so verschwinden.

Aber auch Medikamente (Antidepressiva) werden erfolgreich gegen Zwangsstörungen eingesetzt. Oft werden beide Therapieverfahren kombiniert.

Letzte Änderung: 07.12.2016