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Neurodermitis – mehr als eine Hautkrankheit

ArtikelLesezeit: 3:00 min.
Mann kratzt sich am Arm

Bildnachweis: © istockphoto.com / AndreyPopov

Trockene, juckende und entzündete Haut – das sind die Hauptmerkmale von Neurodermitis. Schätzungen zufolge leiden bis zu sechs Millionen Deutsche an der Hautkrankheit – darunter viele Kinder.

Expertenbild

Die Expertin zum Thema

Deniz Moday

Fachärztin für Dermatologie und Allergologie
ServiceCenter AOK-Clarimedis

Neurodermitis ist eine chronische Hautkrankheit. Sie wird auch als atopisches Ekzem oder atopische Dermatitis bezeichnet und tritt meist in Schüben auf. Betroffene Hautstellen sind gerötet, trocken, schuppig und jucken stark. Die Krankheit ist nicht ansteckend.

Meist beginnt Neurodermitis im Säuglings- oder Kleinkindalter. Etwa jedes sechste Kind ist betroffen. Häufig verschwinden die Symptome im Grundschulalter oder in der Pubertät. Im Erwachsenenalter leiden nur noch ein bis drei Prozent der Deutschen unter den Hautausschlägen.

Ist Neurodermitis ansteckend?

Nein, Neurodermitis ist nicht ansteckend. Die auffälligen Hautausschläge können jedoch trotzdem dazu führen, dass Betroffene ausgegrenzt werden. Weisen Sie daher als Eltern in Kindergarten, Schule und Freundeskreis immer wieder darauf hin, dass die Sorge vor Ansteckung unbegründet ist.

Ursachen

Bei der Entstehung einer Neurodermitis kommen meist verschiedene Faktoren zusammen.

Zum einen ist die natürliche Schutzfunktion der Haut bei Neurodermitikern eingeschränkt. Die Haut ist sehr trocken, es kommt leichter zu Entzündungen.

Außerdem besteht eine oft genetisch bedingte Veranlagung des Immunsystems, überempfindlich auf bestimmte Stoffe zu reagieren – ähnlich wie bei einer Allergie. Daher haben Betroffene oft auch Lebensmittelallergien, Heuschnupfen oder Asthma.

Ob die Krankheit aber tatsächlich zum Ausbruch kommt, hängt dann unter anderem von verschiedenen Umweltfaktoren ab, wie zum Beispiel Zigarettenrauch oder extreme Hitze oder Kälte. Auch die Ernährung und Stress können bei der Entstehung eine Rolle spielen.

Kann man Neurodermitis vorbeugen?

Neurodermitisgefährdete Säuglinge sollten sechs Monate lang voll gestillt werden. Beikost sollte erst nach dem sechsten Monat schrittweise eingeführt werden. Verzichten Sie im ersten Lebensjahr auf hochallergene Lebensmittel wie Ei, Fisch und Nüsse.

Außerdem ist ein rauchfreier Haushalt empfehlenswert. Mit diesen Maßnahmen lässt sich Neurodermitis nicht völlig verhindern, aber ein Ausbruch der Krankheit wird unwahrscheinlicher oder zumindest verzögert beziehungsweise abgeschwächt.

Können Impfungen Neurodermitis auslösen?

Es gibt Theorien, dass Impfungen Neurodermitis fördern können. Diese These ist jedoch nicht zweifelsfrei belegt. Man sollte stets bedenken: Impfungen beugen schweren Krankheiten vor und das Nichtimpfen birgt Risiken. Eltern sollten sich daher ausführlich informieren und vom Arzt beraten lassen.

Symptome

Typische Symptome sind die trockene Haut und juckende, entzündete Stellen. Meist finden diese sich bei Kindern an Armen und Beinen sowie am Kopf. Bei Erwachsenen sind besonders Kniekehlen, Armbeugen, Hand- und Fußrücken sowie der Nacken betroffen. Die Haut ist rissig, verkrustet oder verdickt, außerdem können Knötchen oder Pusteln auftreten. Typisch ist außerdem, dass die Neurodermitis in Schüben verläuft – die Beschwerden können zeitweise sogar völlig verschwinden.

Wie wird Neurodermitis diagnostiziert?

Es gibt keinen speziellen Neurodermitis-Test. Ein geschulter Arzt erkennt aber in der Regel sofort die typischen Hautausschläge. Auch die familiäre Vorbelastung gibt dem Arzt Hinweise auf die Krankheit. Trotzdem sollten andere Hautkrankheiten ausgeschlossen werden.

Verfärbt sich die Haut nach dem Kratzen weiß, ist dies ebenfalls ein Hinweis auf Neurodermitis. Denn normalerweise wird die Haut rot, wenn man kratzt.

Mit einem Pricktest kann der Arzt herausfinden, ob eine Allergie vorliegt und möglicherweise der Auslöser für die Hautausschläge ist.

Kleines Mädchen schläft mit dem Kopf auf einem Teddybär.

Kleine Neurodermitiker

Hilfe für Kinder und ihre Familien.

Wie wird Neurodermitis behandelt?

Zwar gilt Neurodermitis als chronisch, allerdings wechseln sich in der Regel unterschiedlich lange und heftige Schübe mit symptomfreien Phasen ab. Je besser Betroffene über die Krankheit und insbesondere über mögliche Auslöser der Hautausschläge Bescheid wissen, desto eher lässt sie sich in den Griff bekommen.

Neben einer Basispflege der Haut werden bei stärkeren Schüben auch kortisonhaltige Salben aufgetragen. Antihistaminika lindern den Juckreiz, sie werden als Tabletten oder Tropfen angeboten. Bei stärkerer Besiedlung mit Pilzen oder Bakterien werden auch Antibiotika oder Anti-Pilzmittel gegeben. Und für extrem starke Schübe stehen nach Absprache mit dem Arzt weitere verschreibungspflichtige Medikamente zur Verfügung.

Zu Therapie gehören außerdem eine intensive Hautpflege, eine bewusste Ernährung und die Vermeidung von Stress.

Die Licht-Bade-Therapie

Bei mittelschwerer bis schwerer Neurodermitis kann auch eine Licht-Bade-Therapie (Balneophototherapie) Linderung bringen. Dabei werden zwei Behandlungsformen kombiniert:

  • Wannenbäder mit verschiedenen Zusätzen, zum Beispiel Salz
  • UV-B-Lichttherapie im Anschluss an das Bad (kann auch als alleinige Therapie ohne das Bad durchgeführt werden)

Ziel dieser Licht-Bade-Therapie ist es, Symptome wie Juckreiz oder Hautausschlag zu lindern. Hautärzte mit entsprechender Zusatzqualifikation dürfen diese Behandlung in ihrer Praxis anwenden. Die Kosten für die Balneophototherapie werden seit Oktober 2020 von der AOK Rheinland/Hamburg übernommen, wenn sie von einem Arzt verordnet wird.

Der Teufelskreis aus Jucken, Kratzen und wieder Jucken

Besonders belastend für Betroffene ist der starke Juckreiz. Oft kommt es zu einem Teufelskreis aus Jucken, Kratzen und wieder Jucken, der die Symptome noch verstärkt.

Neurodermitis beeinträchtigt den Alltag der Betroffenen nicht nur körperlich, sondern hat auch psychische und soziale Folgen. Die Ausschläge können das Selbstwertgefühl mindern und insbesondere bei Kindern zu sozialer Ausgrenzung führen.

Mehr Informationen zum Krankheitsbild Neurodermitis finden Sie zum Beispiel auf den Seiten des Allergieinformationsdiensts und dem Portal des Instituts für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen.

Die Leitlinie Neurodermitis der AWMF (Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e.V.) wird derzeit überarbeitet.

Letzte Änderung: 20.04.2021