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Prostata: Das versteckte Geschlechtsorgan

ArtikelLesezeit: 4:00 min.
Anatomisches Modell der Prostata in den Händen eines Arztes

Bildnachweis: © stock.adobe.com / Peakstock

Die meisten Männer machen sich erst im mittleren Lebensalter Gedanken um ihre Prostata. Denn ab diesem Zeitpunkt spüren sie in der Regel Veränderungen. Lesen Sie hier, welche Aufgaben die Prostata hat, wie sich Beschwerden äußern und was Sie tun können, wenn sie Probleme macht.

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Die Expertin zum Thema

Dr. Katrin Harrer

Fachärztin für Urologie
ServiceCenter AOK-Clarimedis

Was ist die Prostata?

Die Prostata – auch Vorsteherdrüse genannt – ist eine zusätzliche Geschlechtsdrüse des Mannes. Sie gehört zu den inneren Geschlechtsorganen und spielt bei der Fortpflanzung eine wichtige Rolle. Direkt unterhalb der Harnblase gelegen, umschließt sie den oberen Teil der Harnröhre. Hinter der Prostata befindet sich der Darm.

Bei jungen, gesunden Männern hat sie etwa die Größe einer Kastanie und wiegt durchschnittlich 20 Gramm. Im Laufe des Lebens kann die Prostata größer werden. Ihre wichtigste Aufgabe: Sie produziert Samenflüssigkeit, mit der die Spermien bei der Ejakulation befördert werden.

Hätten Sie es gewusst? Auch Frauen können eine Art Prostata haben. Gemeint ist die Paraurethraldrüse, auch Skene-Drüse oder Prostata feminina genannt. Sie ist eine zusätzliche Geschlechtsdrüse bei Frauen. Aber nicht jede Frau hat diese zusätzliche Geschlechtsdrüse. Warum, ist wissenschaftlich nicht geklärt. Es wird vermutet, dass sie beim weiblichen Orgasmus ein Ejakulat absondert, ähnlich dem männlichen Samenerguss. Aber auch das ist wissenschaftlich nicht abschließend geklärt.

Welche Funktionen hat die Prostata?

Die Prostata übernimmt mehrere Aufgaben im Körper:

  • Bildung von Samenflüssigkeit: Die Prostata produziert ein milchiges Sekret, das einen großen Teil der Samenflüssigkeit ausmacht. Ein weiterer Teil der Samenflüssigkeit wird in den beiden Samenblasen außerhalb der Prostata gebildet. Bei einem Orgasmus ziehen sich die Muskeln der Prostata zusammen und pressen die Flüssigkeiten in die Harnröhre. Dort vermischen sie sich mit den Samenzellen aus dem Hoden und bilden das Sperma.
  • Verschluss der Blase beim Samenerguss: Bei der Ejakulation verschließt die Muskulatur der Prostata die Harnröhre – so wird verhindert, dass Samenflüssigkeit in die Harnblase fließt.
  • Verschluss der Samenwege beim Wasserlassen: Beim Urinieren verschließt dieselbe Muskulatur die Samengänge, sodass kein Urin in die Prostata gelangen kann.
  • Beteiligung am Hormonstoffwechsel: In der Prostata wird das männliche Geschlechtshormon Testosteron mithilfe des Enzyms 5-Alpha-Reduktase in seine biologisch aktive Form umgewandelt – das sogenannte Dihydrotestosteron (DHT). Dieses Hormon ist entscheidend für die Funktion der Prostata, beeinflusst aber auch ihr Wachstum.

Welche Beschwerden kann die Prostata machen?

Wie alle inneren Organe kann auch die Prostata erkranken oder sich verändern. Häufig schwillt die Drüse dabei an und engt die Harnröhre ein. Schwierigkeiten beim Wasserlassen können ein erstes Anzeichen für eine Veränderung der Prostata sein. Die häufigsten Beschwerden im Überblick:

Prostataentzündung (Prostatitis)

Die Prostatitis ist eine schmerzhafte Erkrankung der Prostata. Sie kann verschiedene Ursachen haben – zum Beispiel Bakterien, die über den Blutkreislauf in die Prostata gelangen. Möglich ist auch, dass eine bereits bestehende Infektion der Harnblase oder eine Harnröhrenentzündung die Prostataentzündung auslöst.

In der Regel ist die Prostatitis mit starken Schmerzen, Fieber und Schüttelfrost verbunden. Zudem verursacht die Entzündung Schmerzen beim Wasserlassen oder beim Samenerguss. Die Behandlung erfolgt abhängig von der Ursache. In manchen Fällen kann es jedoch passieren, dass die Prostatitis erneut auftritt oder dass sich eine chronische Prostataentzündung entwickelt.

Gutartige Prostatavergrößerung

Mit zunehmendem Alter vergrößert sich die Prostata bei nahezu allen Männern – das ist ein normaler Alterungsprozess. Fachleute sprechen vom Benignen Prostatasyndrom (BPS) oder der Benignen Prostatahyperplasie (BPH). Typische Anzeichen sind häufiger Harndrang, verzögertes und langanhaltendes Wasserlassen sowie ein schwacher Harnstrahl.

Das kann lästig sein, ist aber in den meisten Fällen harmlos. Wenn die Beschwerden sehr belasten oder Komplikationen wie häufige Harnwegsinfekte auftreten, stehen verschiedene Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung – von Medikamenten bis zur operativen Verkleinerung der Prostata. 

Prostatakrebs

Prostatakrebs ist die häufigste Krebserkrankung bei Männern in Deutschland. Fast 80.000 Männer erkranken laut der Deutschen Krebshilfe hierzulande jedes Jahr daran, das mittlere Erkrankungsalter liegt bei 71 Jahren. Über die genauen Ursachen ist wenig bekannt. Familiäre Vorbelastung und das eigene Alter erhöhen jedoch das Risiko: Für einen 35-jährigen Mann liegt die Wahrscheinlichkeit, in den nächsten zehn Jahren zu erkranken, bei unter 0,1 Prozent, für einen 75-jährigen bei etwa sieben Prozent. Auch chronische Entzündungen der Prostata oder Geschlechtskrankheiten können das Risiko erhöhen.

Früh erkannt, ist Prostatakrebs gut behandelbar. Diese Krebsart wächst häufig sehr langsam und macht lange keine Beschwerden. Erst im fortgeschrittenen Stadium zeigen sich Symptome wie häufiger Harndrang oder ein schwacher Harnstrahl. Deshalb sind regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen wichtig. 

Gut zu wissen: Nicht jeder Prostatakrebs muss sofort behandelt werden. Wächst ein Tumor sehr langsam und gilt als wenig aggressiv, empfehlen Mediziner heute oft zunächst eine engmaschige Beobachtung – die sogenannte „Active Surveillance“. Eine große britische Studie zeigte, dass die Sterberate nach 15 Jahren gleich ist, unabhängig davon, ob Patienten anfänglich überwacht, operiert oder bestrahlt wurden – vorausgesetzt, es handelt sich um ein Niedrigrisiko-Karzinom. 

Vorsorgeuntersuchung der Prostata

Männer ab 45 Jahren haben einmal jährlich Anspruch auf eine Untersuchung auf Prostatakrebs. Der Hausarzt oder Urologe kann sie durchführen. Er untersucht die äußeren Geschlechtsorgane und tastet die Prostata mit dem Finger über den Darm ab. Diese sogenannte digitale rektale Untersuchung (DRU) ist nicht schmerzhaft und schon nach wenigen Sekunden vorbei.

Werden bei der Tastuntersuchung Unregelmäßigkeiten wie Verhärtungen oder Knoten festgestellt, müssen diese mit weiteren Untersuchungen abgeklärt werden. Dazu gehört auch ein sogenannter PSA-Test. Dabei wird der Wert des prostataspezifischen Antigens (PSA) im Blut ermittelt. Ein erhöhter Wert kann auf Krebs hindeuten, kann aber auch entzündliche Ursachen haben.

Für gesetzlich Versicherte ist die Tastuntersuchung kostenfrei. Gibt es Anhaltspunkte für einen Krebsverdacht bzw. eine Entzündung oder liegt der Wert in der Voruntersuchung über 4 ng/ml, werden auch die Kosten des PSA-Tests übernommen. In allen anderen Fällen kann der Test als IGeL (Individuelle Gesundheitsleistung) gewählt und selbst bezahlt werden. 

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Wie machen sich Beschwerden der Prostata bemerkbar?

Beschwerden der unteren Harnwege – auch LUTS (Lower Urinary Tract Symptons) genannt – treten vor allem bei Männern ab etwa 50 erstmals auf. So zeigen sich etwa Veränderungen beim Wasserlassen – zum Beispiel, weil der Harnstrahl schwächer wird oder die Betroffenen häufiger zur Toilette müssen. In vielen Fällen steckt eine gutartige Prostatavergrößerung dahinter. Trotzdem gilt: Wenn Beschwerden neu auftreten, sich deutlich verschlimmern oder Schmerzen hinzukommen, sollten Sie dies ärztlich abklären lassen.

Typische Symptome, die auf eine Veränderung an der Prostata hindeuten, sind:

  • Häufiger Harndrang, besonders nachts (Nykturie)
  • Verzögertes Wasserlassen
  • Längeres Wasserlassen
  • Schwacher Harnstrahl
  • Nachtröpfeln
  • Schmerzen beim Wasserlassen, bei der Erektion oder beim Orgasmus
  • Schmerzen im Bereich von Penis, Hoden, After oder im unteren Rücken
  • Fieber (kann auf eine Entzündung hinweisen)

Wie können Männer ihre Prostata gesund halten?

Es gibt keine Maßnahmen, mit denen sich Prostata-Erkrankungen sicher verhindern lassen. Trotzdem lohnt sich ein gesunder Lebensstil: regelmäßige Bewegung im Alltag und eine ausgewogene, überwiegend pflanzliche Ernährung unterstützen die Gesundheit. Ein gesundes Körpergewicht kann außerdem das Risiko für einen ungünstigen Verlauf bzw. fortgeschrittenen Prostatakrebs senken.

Zusätzlich helfen diese Punkte im Alltag:

  • Rauchfrei leben und möglichst selten Alkohol
  • Ausreichend trinken, aber abends gegebenenfalls weniger, wenn nächtlicher Harndrang stört
  • Wenn Sie eine empfindliche Blase haben: Beobachten Sie, ob viel Kaffee oder sehr scharfes Essen die Beschwerden verstärkt

Zum Schutz vor Entzündungen (z. B. Prostatitis) gilt außerdem:

  • Bei wechselnden Geschlechtspartnern Safer Sex (Kondom) – das senkt das Risiko für sexuell übertragbare Infektionen.
  • Blasen- und Harnwegsinfekte sollten zeitnah behandelt werden, damit sich die Entzündung nicht ausbreitet.

Zum Schluss: Beschwerden ernst nehmen, gelassen bleiben

Die Prostata gehört zu den Organen, die vielen Männern erst auffallen, wenn sich beim Wasserlassen etwas verändert. Oft steckt eine gutartige Ursache dahinter – trotzdem lohnt es sich, Beschwerden ernst zu nehmen und bei Bedarf ärztlich abklären zu lassen. Wer gut informiert ist und die Vorsorgeuntersuchung wahrnimmt, kann viel für seine Gesundheit tun.

Letzte Änderung: 16.03.2026

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