Prostata: Was typische Beschwerden bedeuten – und was hilft

ArtikelLesezeit: 4:00 min.
Arzt und Patient im Gespräch

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Häufiger Harndrang, schwacher Harnstrahl, Schmerzen – die Prostata macht sich oft erst mit Beschwerden bemerkbar. Was hinter typischen Symptomen steckt, welche Erkrankungen es gibt und warum die Vorsorge ab 45 so wichtig ist.

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Die Expertin zum Thema

Dr. Julia Otto

Fachärztin für Urologie
ServiceCenter AOK-Clarimedis

Wie machen sich Beschwerden der Prostata bemerkbar?

Beschwerden der unteren Harnwege – auch LUTS (Lower Urinary Tract Symptons) genannt – treten vor allem bei Männern ab etwa 50 erstmals auf. So zeigen sich etwa Veränderungen beim Wasserlassen – zum Beispiel, weil der Harnstrahl schwächer wird oder die Betroffenen häufiger zur Toilette müssen. In vielen Fällen steckt eine gutartige Prostatavergrößerung dahinter. Trotzdem gilt: Wenn Beschwerden neu auftreten, sich deutlich verschlimmern oder Schmerzen hinzukommen, solltest du dies ärztlich abklären lassen.

Typische Symptome, die auf eine Veränderung an der Prostata hindeuten, sind:

  • Häufiger Harndrang 
  • Nächtliches Wasserlassen (Nykturie) 
  • Kleine Urinmengen beim Wasserlassen 
  • Verzögertes Wasserlassen 
  • Längeres Wasserlassen 
  • Schwacher Harnstrahl 
  • Nachtröpfeln im Anschluss an das Wasserlassen
  • Schmerzen beim Wasserlassen, bei der Erektion oder beim Orgasmus 
  • Schmerzen im Bereich von Penis, Hoden, After oder im unteren Rücken 
  • Entzündungen mit Fieber

Welche Erkrankungen können dahinterstecken?

Wie alle inneren Organe kann auch die Prostata erkranken oder sich verändern. Schwierigkeiten beim Wasserlassen können ein erstes Anzeichen für eine Veränderung der Prostata sein. Die häufigsten Beschwerden im Überblick:

Gutartige Prostatavergrößerung

Mit zunehmendem Alter vergrößert sich die Prostata bei nahezu allen Männern – das ist ein normaler Alterungsprozess. Fachleute sprechen von der Benignen Prostatahyperplasie (BPH) oder dem Benignen Prostatasyndrom (BPS), wenn Beschwerden vorliegen. Typische Anzeichen sind häufiger Harndrang, verzögertes und langanhaltendes Wasserlassen sowie ein schwacher Harnstrahl.

Das kann lästig sein, ist aber in den meisten Fällen harmlos. Wenn die Beschwerden sehr belasten oder Komplikationen wie Restharn nach dem Wasserlassen oder häufige Harnwegsinfekte auftreten, stehen verschiedene Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung – von Medikamenten bis zur operativen Verkleinerung der Prostata. 

Prostataentzündung (Prostatitis)

Die Prostatitis ist eine akute, schmerzhafte Erkrankung der Prostata. Sie kann verschiedene Ursachen haben – zum Beispiel Bakterien, die über den Blutkreislauf in die Prostata gelangen. Möglich ist auch, dass eine bereits bestehende Infektion der Harnblase oder eine Harnröhrenentzündung die Prostataentzündung auslöst.

In der Regel ist die Prostatitis mit starken Schmerzen, Fieber und Schüttelfrost verbunden. Zudem verursacht die Entzündung Schmerzen beim Wasserlassen oder beim Samenerguss. Die Prostatitis kann auch auf andere Organe, z.B. Hoden, übergreifen.  Die Behandlung erfolgt abhängig von der Ursache der Entzündung. In manchen Fällen kann es jedoch passieren, dass die Prostatitis erneut auftritt oder dass sich eine chronische Prostataentzündung entwickelt.

Prostataentzündung (Prostatitis)

Die Prostatitis ist eine schmerzhafte Erkrankung der Prostata. Sie kann verschiedene Ursachen haben – zum Beispiel Bakterien, die über den Blutkreislauf in die Prostata gelangen. Möglich ist auch, dass eine bereits bestehende Infektion der Harnblase oder eine Harnröhrenentzündung die Prostataentzündung auslöst.

In der Regel ist die Prostatitis mit starken Schmerzen, Fieber und Schüttelfrost verbunden. Zudem verursacht die Entzündung Schmerzen beim Wasserlassen oder beim Samenerguss. Die Behandlung erfolgt abhängig von der Ursache. In manchen Fällen kann es jedoch passieren, dass die Prostatitis erneut auftritt oder dass sich eine chronische Prostataentzündung entwickelt.

Prostatakrebs

Prostatakrebs ist die häufigste Krebserkrankung bei Männern in Deutschland. Fast 80.000 Männer erkranken laut der Deutschen Krebshilfe hierzulande jedes Jahr daran, das mittlere Erkrankungsalter liegt bei 71 Jahren. Über die genauen Ursachen ist wenig bekannt. Familiäre Vorbelastung und das eigene Alter erhöhen jedoch das Risiko, genauso wie chronische Entzündungen der Prostata oder Geschlechtskrankheiten. 

Sowohl bei der Diagnose als auch der Behandlung von Prostatakrebs gab es in den letzten Jahren viele Neuerungen: Für die Untersuchung auf Prostatakrebs empfiehlt die deutsche Gesellschaft für Urologie inzwischen das multiparametrische MRT der Prostata. Diese spezielle MRT-Untersuchung stellt die Prostata genauer dar als ein normales Becken-MRT, und sie kann gutartige Veränderungen besser von verdächtigen Krebsherden unterscheiden (PIRADS-Einteilung). Zeigt das MRT karzinomverdächtige Stellen, wird eine gezielte Gewebeentnahme (Fusionsbiopsie) durchgeführt.

Die Therapie von Prostatakrebs ist abhängig von der Ausbreitung des Tumors, dessen Aggressivitätsgrad, dem Gesundheitszustand und dem Alter des Patienten. Insgesamt lässt sich Prostatakrebs gut behandeln. Dabei arbeiten verschiedene medizinische Fachrichtungen interdisziplinär zusammen, sodass die Behandlung nach aktuellem Stand der Wissenschaft gewährleistet ist.

Früh erkannt, ist Prostatakrebs gut behandelbar. Diese Krebsart wächst häufig sehr langsam und macht lange keine Beschwerden. Erst im fortgeschrittenen Stadium zeigen sich Symptome wie häufiger Harndrang oder ein schwacher Harnstrahl. Deshalb sind regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen wichtig. 

Gut zu wissen: Nicht jeder Prostatakrebs muss sofort behandelt werden. Wächst ein Tumor sehr langsam und gilt als wenig aggressiv, empfehlen Mediziner heute oft zunächst eine engmaschige Beobachtung – die sogenannte „Active Surveillance“. Eine große britische Studie zeigte, dass die Sterberate nach 15 Jahren gleich ist, unabhängig davon, ob Patienten anfänglich überwacht, operiert oder bestrahlt wurden – vorausgesetzt, es handelt sich um ein Niedrigrisiko-Karzinom. 

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Warum ist Vorsorge ab 45 so wichtig?

Männer ab 45 Jahren haben einmal jährlich Anspruch auf eine Untersuchung auf Prostatakrebs. Die Hausärztin oder der Hausarzt, die Urologin oder der Urologe kann sie durchführen. Er untersucht die äußeren Geschlechtsorgane und tastet die Prostata mit dem Finger über den Darm ab. Diese sogenannte digitale rektale Untersuchung (DRU) ist nicht schmerzhaft und schon nach wenigen Sekunden vorbei.

Werden bei der Tastuntersuchung Unregelmäßigkeiten wie Verhärtungen oder Knoten festgestellt, müssen diese mit weiteren Untersuchungen abgeklärt werden. Dazu gehört auch ein sogenannter PSA-Test. Dabei wird der Wert des prostataspezifischen Antigens (PSA) im Blut ermittelt. Ein erhöhter Wert kann auf Krebs hindeuten, kann aber auch entzündliche Ursachen haben.

Für gesetzlich Versicherte ist die Tastuntersuchung kostenfrei. Gibt es Anhaltspunkte für einen Krebsverdacht bzw. eine Entzündung oder liegt der Wert in der Voruntersuchung über 3 ng/ml, werden auch die Kosten des PSA-Tests übernommen. In allen anderen Fällen kann der Test als IGeL (Individuelle Gesundheitsleistung) gewählt und selbst bezahlt werden. 

Was ist die Prostata und welche Aufgaben hat sie?

Die Prostata – auch Vorsteherdrüse genannt – ist eine Geschlechtsdrüse des Mannes. Sie gehört zu den inneren Geschlechtsorganen und spielt bei der Fortpflanzung eine wichtige Rolle. Direkt unterhalb der Harnblase gelegen, umschließt sie den oberen Teil der Harnröhre. Hinter der Prostata befindet sich der Darm.

Bei jungen, gesunden Männern hat sie etwa die Größe einer Kastanie und wiegt durchschnittlich 20 Gramm. Im Laufe des Lebens kann die Prostata größer werden. Ihre wichtigste Aufgabe: Sie produziert Samenflüssigkeit, mit der die Spermien bei der Ejakulation befördert werden.

Hättest du es gewusst? Auch Frauen können eine Art Prostata haben. Gemeint ist die Paraurethraldrüse, auch Skene-Drüse oder Prostata feminina genannt. Sie ist eine zusätzliche Geschlechtsdrüse bei Frauen. Aber nicht jede Frau hat diese Geschlechtsdrüse. Warum, ist wissenschaftlich nicht geklärt. 

Die Prostata übernimmt mehrere Aufgaben im Körper:

  • Bildung von Samenflüssigkeit: Die Prostata produziert ein milchiges Sekret, das einen großen Teil der Samenflüssigkeit ausmacht. Ein weiterer Teil der Samenflüssigkeit wird in den beiden Samenblasen außerhalb der Prostata gebildet. Bei einem Orgasmus ziehen sich die Muskeln der Prostata zusammen und pressen die Flüssigkeiten in die Harnröhre. Dort vermischen sie sich mit den Samenzellen aus dem Hoden und bilden das Sperma.
  • Verschluss der Blase beim Samenerguss: Bei der Ejakulation verschließt die Muskulatur der Prostata die Harnröhre – so wird verhindert, dass Samenflüssigkeit in die Harnblase fließt.
  • Verschluss der Samenwege beim Wasserlassen: Beim Urinieren verschließt dieselbe Muskulatur die Samengänge, sodass kein Urin in die Prostata gelangen kann.
  • Beteiligung am Hormonstoffwechsel: In der Prostata wird das männliche Geschlechtshormon Testosteron mithilfe des Enzyms 5-Alpha-Reduktase in seine biologisch aktive Form umgewandelt – das sogenannte Dihydrotestosteron (DHT). Dieses Hormon ist entscheidend für die Funktion der Prostata, beeinflusst aber auch ihr Wachstum.

Wie können Männer ihre Prostata gesund halten?

Es gibt keine Maßnahmen, mit denen sich Prostata-Erkrankungen sicher verhindern lassen. Trotzdem lohnt sich ein gesunder Lebensstil. Die amerikanische Leitlinie der Gesellschaft für Urologie empfiehlt: ein gesundes Köpergewicht, regelmäßige Bewegung im Alltag, eine ausgewogene, überwiegend pflanzliche Ernährung und ein reduzierter Alkoholkonsum.

Zusätzlich helfen diese Punkte im Alltag:

  • Rauchfrei leben und möglichst selten Alkohol
  • Ausreichend trinken, aber abends gegebenenfalls weniger, wenn nächtlicher Harndrang stört
  • Wenn du eine empfindliche Blase hast: Beobachte, ob viel Kaffee oder sehr scharfes Essen die Beschwerden verstärkt 

Zum Schutz vor Entzündungen (z. B. Prostatitis) gilt außerdem:

  • Bei wechselnden Geschlechtspartnerinnen und -partnern Safer Sex (Kondom) – das senkt das Risiko für sexuell übertragbare Infektionen.
  • Blasen- und Harnwegsinfekte sollten zeitnah behandelt werden, damit sich die Entzündung nicht ausbreitet.

Zum Schluss: Beschwerden ernst nehmen, gelassen bleiben

Die Prostata gehört zu den Organen, die vielen Männern erst auffallen, wenn sich beim Wasserlassen etwas verändert. Oft steckt eine gutartige Ursache dahinter – trotzdem lohnt es sich, Beschwerden ernst zu nehmen und bei Bedarf ärztlich abklären zu lassen. Wer gut informiert ist und die Vorsorgeuntersuchung wahrnimmt, kann viel für seine Gesundheit tun.

FAQ

Wann sollte ich wegen Prostata-Beschwerden zum Arzt?

Sobald Beschwerden neu auftreten, sich verschlimmern oder Schmerzen hinzukommen, ist eine ärztliche Abklärung sinnvoll – auch wenn oft eine gutartige Ursache dahintersteckt. Häufiger Harndrang, ein schwacher Harnstrahl oder Schmerzen beim Wasserlassen sollten nicht ignoriert werden. Erste Anlaufstelle ist die Hausarztpraxis oder eine urologische Praxis.

Was passiert bei der Tastuntersuchung der Prostata?

Die digitale rektale Untersuchung (DRU) ist schnell und nicht schmerzhaft: Die Ärztin oder der Arzt tastet die Prostata mit dem Finger über den Darm ab und prüft, ob Verhärtungen oder Knoten vorhanden sind. Der ganze Vorgang dauert nur wenige Sekunden. Männer ab 45 haben einmal jährlich gesetzlichen Anspruch darauf – die Untersuchung ist für gesetzlich Versicherte kostenfrei.

Was bedeutet ein erhöhter PSA-Wert?

Ein erhöhter PSA-Wert im Blut kann auf Prostatakrebs hinweisen – muss er aber nicht. Auch eine Entzündung oder eine gutartige Vergrößerung können den Wert steigen lassen. Liegt er über 3 ng/ml oder gibt es andere Auffälligkeiten, übernimmt die gesetzliche Krankenversicherung die Kosten für den Test. Die Einordnung des Ergebnisses gehört immer in ärztliche Hände.

Muss Prostatakrebs immer sofort behandelt werden?

Nein – bei langsam wachsenden Tumoren mit niedrigem Risiko empfehlen Fachleute heute häufig zunächst eine engmaschige Beobachtung, die sogenannte Active Surveillance. Eine britische Langzeitstudie zeigte, dass die Sterblichkeitsrate nach 15 Jahren gleich war, unabhängig davon, ob Betroffene anfangs überwacht, operiert oder bestrahlt wurden. Die Entscheidung trifft immer ein urologisches Fachteam gemeinsam mit dem Patienten.

Dieser Artikel ist kein Ersatz für eine ärztliche Beratung. Frage deine Ärztin, deinen Arzt oder die medizinischen Expertinnen und Experten von AOK-Clarimedis unter 0800 1 265 265.

Letzte Änderung: 05.10.2026

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