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Fest, lose, unsichtbar – das Zahnspangen-Einmaleins

ArtikelLesezeit: 4:00 min.
Mädchen mit Zahnspange

Bildnachweis: © istockphoto.com / MarianVejcik

Jedes zweite Kind trägt heutzutage eine Zahnspange. Doch auch immer mehr Erwachsene entscheiden sich, ihr Gebiss richten zu lassen. Die Möglichkeiten sind vielfältig wie nie. Wir helfen Ihnen, sich im Zahnspangen-Dschungel zurechtzufinden.

Expertenbild

Die Expertin zum Thema

Dr. Gabriella Németh


Kieferorthopädin der AOK-Zahnklinik

Gründe für eine Zahnkorrektur

Überbiss, Unterbiss, Kreuzbiss oder zu eng stehende Zähne – es gibt viele Gründe, warum der Zahnarzt Patienten zum Kieferorthopäden überweist. Beeinträchtigt eine Fehlstellung im Mund dann noch das Essen, Atmen oder die Funktion der Kiefergelenke, führt an einer Zahnspange meist kein Weg mehr vorbei.

„Die Möglichkeiten der Zahnkorrekturen sind heute dank der digitalen Technik sehr groß“, weiß Dr.med.dent. Gabriella Németh. Die Expertin aus der AOK Zahnklinik betont aber, sich immer von einem Kieferorthopäden beraten zu lassen. Da Aufwand und Kosten groß sind, lohnt sich sogar häufig eine zweite Meinung.

Welche Zahnspangen gibt es?

Welche Zahnspange ist die richtige? Die Klassiker sind lose und feste Zahnspangen. „Oft entscheidet sich der Kieferorthopäde in seinem Behandlungsplan für eine Kombination aus beidem: Mit der losen bereitet er das Gebiss auf die folgende Korrektur durch eine feste Spange vor“, erklärt die Kieferorthopädin. Den Abschluss bildet dann meistens ein sogenannter Retainer, der die Zähne in der korrigierten Form hält.

Am besten hilft eine Zahnspange, wenn der Kiefer noch nicht ausgewachsen ist. Die Krankenkassen bezahlen eine notwendige kieferorthopädische Behandlung daher, wenn sie vor dem 18. Lebensjahr begonnen wurde. Erwachsene müssen dagegen meistens selbst für die Kosten aufkommen – nur in sehr schweren Fällen übernimmt die Krankenkasse die Kosten. Mehr zur Kostenübernahme können Sie in unserer AOK-Faktenbox lesen.

Neben den klassischen festen und losen Zahnspangen gibt es die unterschiedlichsten unsichtbaren Alternativen. Die Kosten dafür werden allerdings in der Regel nicht durch die Krankenkasse abgedeckt.

Eines haben alle Zahnspangen gemeinsam: Sie benötigen besondere Pflege und regelmäßige Kontrolle. Alle vier bis sechs Wochen muss die Spange angepasst werden. Der Leitspruch unserer Expertin lautet: „Pflegen, kommen, mitmachen – dann geht es schneller.“

Zwei Mädchen im Park beide mit Zahnspange

Feste und lose Zahnspangen

Das zahlt die AOK.

Lose Zahnspange

Lose Zahnspangen kommen in den meisten Fällen zum Einsatz, um Platz im Gebiss zu schaffen. So korrigieren sie etwa den Abstand der Frontzähne oder verbreitern Zahnbögen. Sie können außerdem den Unter- bzw. Oberkiefer verlagern sowie Funktionsstörungen des Gebisses richtigstellen. Entsprechend wählt der Arzt dann zwischen einem funktionskieferorthopädischen Modell oder einer aktiven Platte.

Der Erfolg stellt sich allerdings nur ein, wenn die Spange auch getragen wird – und zwar die ganze Nacht und mindestens ein paar Stunden am Tag.

Der Vorteil: Beim Essen und zum Sport können Sie sie rausnehmen. Auch die Reinigung mit der Zahnbürste ist sehr einfach.

Der Nachteil: Der Erfolg der Behandlung hängt sehr von der Mitarbeit des Trägers ab.

Feste Zahnspange

Mit der festen Zahnspange kann der Kieferorthopäde sowohl die Kieferstellung als auch einzelne Zähne kontrollieren – und zwar sehr genau und effektiv. Wenn also Zähne verdreht sind, zu eng stehen, über weitere Strecken bewegt werden müssen oder eine Zahnwurzel gedreht werden muss, hilft die festsitzende Zahnspange sehr zielgenau.

Eine feste Spange besteht aus Plättchen (Brackets), Metallbändern, Drähten und Hilfsteilen wie beispielsweise Gummis. Die Brackets werden auf die Zähne geklebt. Es gibt sie in Metall, Keramik und Kunststoff. Besonders kleine Formen werden Minibrackets genannt.

Die Metallbänder werden mit speziellem Zement an den Backenzähnen befestigt. An sie und die Brackets werden dann Bögen oder Drähte eingepasst, die sie miteinander verbinden. So erreicht man einen ununterbrochenen leichten Druck auf die Zähne, die bewegt werden sollen.

Der Vorteil: Der Kieferorthopäde kann mit einer festen Zahnspange sehr genaue Ergebnisse erzielen.

Der Nachteil: Die Zahnspange ist sichtbar und Sie müssen genau auf die Mundhygiene achten.

Außenspange

In einigen Fällen wird die feste Zahnspange durch einen sogenannten Gesichtsbogen (Headgear) ergänzt. Er besteht aus einem Innenbogen, der mit den oberen Backenzähnen verbunden wird, und einem Außenbogen mit Nackenspanner. Bei intensivem Tragen schiebt er die oberen Backenzähne und/oder den Oberkiefer nach hinten. Der Sinn: vorstehende Schneidezähne zurückzubewegen und/oder das Oberkieferwachstum zu ändern.

Der Vorteil: Auch schwerwiegende Fehlstellungen können korrigiert werden.

Der Nachteil: Die Außenspange fällt direkt ins Auge und wird oft als störend empfunden.

Retainer

Um den Zahnstand nach der Behandlung zu stabilisieren, setzt der Kieferorthopäde fast immer auf einen sogenannten Retainer. Der dünne Draht wird an der Innenseite der Frontzähne befestigt.

Die herausnehmbare Variante wird Retensionsschiene genannt. Sie kommt zusammen mit dem Retainer zum Einsatz, um auch die Seitenzähne zu stabilisieren.

Der Vorteil: Der Retainer ist von außen nahezu unsichtbar und wird dauerhaft getragen. Da er die Zähne nur stabilisiert, reicht meistens ein jährlicher Kontrolltermin beim Kieferorthopäden.

Der Nachteil: Zahnzwischenräume und die Innenseite der Zähne müssen gut geputzt werden, damit sich keine Bakterien unter dem Draht festsetzen. Die Krankenkasse übernimmt in den meisten Fällen die Kosten nicht.

Aligner

Aligner sind besonders bei Erwachsenen beliebt. Die herausnehmbaren, transparenten Kunststoffschienen sind praktisch unsichtbar. Sie eignen sich allerdings nur für kleinere Korrekturen. Im Verlauf der Behandlung kommt eine Serie von Schienen zum Einsatz. Mit einer Software ermittelt der Arzt die Zahnstellung im Verlauf der Korrektur und stimmt darauf die Schienen individuell ab. Der Patient trägt diese dann im Wechsel von etwa zwei Wochen nacheinander in einer festgelegten Reihenfolge. So wird die Zahnstellung Schritt für Schritt korrigiert. Die gesamte Behandlung dauert meist zehn bis 24 Monate.

Der Vorteil: Der Aligner ist durchsichtig und für andere kaum sichtbar. Die Mundhygiene ist leichter als bei festsitzenden Spangen.

Der Nachteil: Es können nur geringe Zahnfehlstellungen korrigiert werden, die Kosten werden von der Krankenkasse nicht übernommen.

Lingualspangen

Ähnlich wie klassische feste Zahnspangen korrigieren bei der Lingualspange Drähte die Zahnstellung. Der Unterschied: Sie wird an die Innenseite der Zähne gesetzt und ist damit von außen kaum sichtbar.

Der Vorteil: Sie ist komplett unsichtbar, dabei aber genauso effektiv wie eine normale feste Zahnspange.

Der Nachteil: Sie wird oft stärker als Fremdkörper wahrgenommen und kann anfangs stark beim Sprechen stören. Außerdem ist die Mundpflege aufwendiger. Weiterer Nachteil sind die hohen Kosten.

Gaumennahterweiterung

Für eine Gaumennahterweiterung befestigt der Kieferorthopäde eine Schraubvorrichtung mit Bändern an den Zähnen. Damit wird der Oberkiefer schnell geweitet. Die Behandlungsmethode eignet sich aber nur für Jugendliche unter 15 Jahren, da das Knochenwachstum bei ihnen noch nicht abgeschlossen ist.

Der Vorteil: Sie schafft gezielt und effektiv Platz im Oberkiefer.

Der Nachteil: Sobald das Knochenwachstum abgeschlossen ist, ist diese Behandlungsmethode keine Option mehr.

Lohnt sich eine Zahnspange für Erwachsene?

Wer als Kind oder Jugendlicher keine Spange hatte, möchte vielleicht nun als Erwachsener sein Gebiss korrigieren. Der Grund ist dann meist ein kosmetischer: zum Beispiel der Wunsch nach einem schönen Lächeln. Das steigert nicht nur das Selbstvertrauen und Wohlbefinden – gerade Zähne sind auch für die Zahngesundheit von Vorteil. Ein korrektes Gebiss funktioniert nämlich besser, da es nicht an einzelnen Stellen überlastet wird. Und schließlich lassen sich die Zähne besser pflegen, wenn die Zwischenräume stimmen.

Dass die Nachfrage für Zahnspangen für Erwachsene zunimmt, zeigt die stetig wachsende Angebotspalette. Zahlreiche Anbieter versprechen schnelle Erfolge mithilfe neuester Technologien.

Die AOK-Expertin Németh rät: „Lassen Sie sich von einem Kieferorthopäden beraten. Klären Sie im Voraus, wie hoch die Erfolgschancen sind und welche Alternativen Sie haben. Steckt hinter einer vielversprechenden Werbung keine kieferorthopädische Praxis, lassen Sie besser die Finger davon.“

Machen Sie sich außerdem bewusst, dass eine Zahnkorrektur Ihre Mitarbeit erfordert. Sie müssen alle vier bis sechs Wochen zum Kieferorthopäden und auch die aufwendige Mundhygiene ist nicht zu unterschätzen.

Letzte Änderung: 19.08.2020