Personalisierte Medizin: Auf den Patienten zugeschnittene Therapien

InterviewLesezeit: 3:00 min.
Röhrchen mit Blut, Tupfer und Pflaster.

Bildnachweis: © wdv / Alex Schwandner

Die Personalisierte Medizin ist auf dem Vormarsch – und sie verspricht viel: So soll das genetische Profil von Zellen die Wirksamkeit von Behandlungen bestimmen können. Das beeinflusst dann die Wahl der notwendigen Medikamente. vigo Online hat Dr. med. Astrid Naczinsky, Ärztin für Frauenheilkunde und Geburtshilfe, zu den Vorteilen und Risiken der Personalisierten Medizin befragt.

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Die Expertin zum Thema

Dr. med. Astrid Naczinsky

Ärztin für Frauenheilkunde und Geburtshilfe

Frau Dr. Naczinsky, was ist Personalisierte Medizin und wie funktioniert sie?

Redaktion

Personalisierte Medizin beruht auf einer Bestimmung der Gene des einzelnen Patienten. Man hofft, auf Basis der individuellen Merkmale, die Wirksamkeit einer Therapie und die Prognose der Erkrankung besser abschätzen zu können. Die etablierten Risikofaktoren sind nämlich häufig nicht verlässlich genug. Ziel ist es, den Patienten maßgeschneiderte Prävention oder Therapien anbieten zu können.

Dr. med. Astrid Naczinsky

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In welchem medizinischen Bereich findet die Personalisierte Medizin Anwendung?

Redaktion

Aktuell wird die Personalisierte Medizin vor allem in der Onkologie eingesetzt. In bis zu 75 Prozent der Fälle haben sich Medikamente zur Behandlung von Krebs als unwirksam erwiesen. Beispielsweise kommt es bei 20 bis 40 Prozent der Patientinnen mit Brustkrebs im Frühstadium zur so genannten Übertherapie. Die Folgen sind starke Nebenwirkungen und somit der Verlust von Lebensqualität. Die Personalisierte Medizin kann in diesen Fällen eine Chance sein und zu mehr Sicherheit für die Patienten führen.

Dr. med. Astrid Naczinsky

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Das klingt sehr vorsichtig. Hat die personalisierte Medizin auch Risiken?

Redaktion

Ja, durchaus. Insbesondere die vorschnelle Einführung von nicht validierten Biomarkern und Gentests wird kritisch gesehen. Außerdem kann die unreflektierte Anwendung von Gentests Patienten unter Umständen wirksame Therapien vorenthalten. Aus ethischer Sicht sollte man die Frage nicht aus den Augen verlieren, ob alle Menschen die Kenntnis ihres genetischen Codes erlangen und wie sie mit dem Wissen von Erkrankungsrisikos umgehen sollten. Die Genetik ist außerdem nicht das Einzige, was unsere Krankheiten bestimmt. Lebensstil und Umwelt können ebenfalls sowohl positive als auch negative Einflüsse auf die Aktivität unserer Gene haben. Es besteht in jedem Fall ein hoher Beratungs- und Informationsbedarf bei Patienten und Ärzten.

Dr. med. Astrid Naczinsky

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Letzte Änderung: 06.07.2014

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