Interview: Narkose bei Risikopatienten

InterviewLesezeit: 3:00 min.
Ärzte in OP-Kleidung ziehen sich die sterilen Handschuhe an.

Bildnachweis: © istockphoto.com / Jochen Sand

Dr. Ellen Fuchs ist Fachärztin für Anästhesie und Mitarbeiterin bei AOK Clarimedis. Sie erklärt im Interview, bei welchen Patienten eine Narkose ein erhöhtes Risiko darstellt.

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Die Expertin zum Thema

Dr. Ellen Fuchs

Fachärztin für Allgemeinmedizin und Anästhesie
ServiceCenter AOK-Clarimedis

Eine Vollnarkose ist normalerweise bei gesunden Menschen gut verträglich. Welche Personen zählen zu den Risikopatienten?

Redaktion

Es gibt vier Risikogruppen, die so genannten ASA-Gruppen 1 bis 4 (Anmerkung der Redaktion: ASA steht für die American Society of Anesthesiologists, die diese Klassifizierung entwickelt hat). Wer gesund ist, zählt zur ASA-Gruppe 1, gesund ohne Grunderkrankung. Je älter und kränker der Patient ist, desto höher ist der ASA-Wert. Zu ASA 4 zählen zum Beispiel schwer herz- und lungenkranke Menschen. Auch Personen, die kurze Zeit vor der Narkose einen Herzinfarkt erlitten haben oder stark adipös sind, gehören zu den Risikopatienten.

Dr. Ellen Fuchs

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In welche Risikogruppe fallen Schwangere? Dürfen werdende Mütter überhaupt unter Vollnarkose gestellt werden?

Redaktion

Ja, Vollnarkosen während der Schwangerschaft stellen zwar besondere Anforderungen an den Anästhesisten, sind aber bei entsprechend strenger Indikationsstellung zur Operation letztlich ohne Probleme möglich. Der Eingriff sollte nach Möglichkeit erst nach der 12. Schwangerschaftswoche erfolgen, da das Risiko für eine Schädigung des Fötus vorher am größten ist.

Dr. Ellen Fuchs

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Und wie ist es ab der 13. Woche?

Redaktion

Nach der 12. Schwangerschaftswoche ist das Risiko für das Kind deutlich geringer. Für Narkosen während der Schwangerschaft werden auch nur Medikamente eingesetzt, für die langjährige Erfahrungen vorliegen und von denen bekannt ist, dass sie keinen schädigenden Effekt auf das Kind haben.

Dr. Ellen Fuchs

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Dürfen Patienten mit Blutgerinnungsstörungen narkotisiert werden?

Redaktion

Vollnarkosen sind kein Problem. Patienten mit Gerinnungsstörungen sollten allerdings keine Regionalanästhesien erhalten – wegen der Blutungsgefahr beim Einstich. Das größere Risiko stellt aber die Operation dar, nicht die Narkose.

Dr. Ellen Fuchs

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Gibt es Personen, die nicht narkotisierbar sind?

Redaktion

Prinzipiell ist jeder narkotisierbar. Menschen mit vielen Vorerkrankungen haben aber ein erhöhtes Narkoserisiko. Und Patienten, die regelmäßig viele Schmerzmedikamente einnehmen, brauchen meist erhöhte Medikamentendosen. Das gleiche gilt, wenn jemand regelmäßig Alkohol konsumiert oder Drogen nimmt. Deshalb ist es für uns Anästhesisten so wichtig, über die Vorgeschichte des Patienten gut informiert zu sein.

Dr. Ellen Fuchs

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Frau mit Headset am Computer.

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Medizinische Hilfe am Telefon.


Letzte Änderung: 18.03.2013