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Die wichtigsten Erste-Hilfe-Maßnahmen

ArtikelLesezeit: 3:00 min.
Mann trägt einen Erste Hilfe Koffer

Bildnachweis: © istockphoto.com / Fokusiert

In Ihrer unmittelbaren Gegenwart geschieht ein Unfall und es gilt, Erste Hilfe zu leisten. Nun heißt es, einen kühlen Kopf zu bewahren. Lesen Sie hier die wichtigsten Schritt für Schritt-Maßnahmen rund um das Verhalten im Notfall.

Expertenbild

Die Expertin zum Thema

Dr. Ursula Franken

Fachärztin für Innere Medizin
ServiceCenter AOK-Clarimedis

Grundsätzlich gilt bei jeder Notsituation: Kontaktieren Sie umgehend die Polizei unter 110 oder Rettungsdienst und Feuerwehr unter 112.

Die Notruf-Nummer 112 gilt nicht nur in Deutschland, sondern in allen europäischen Mitgliedsstaaten. Wenn mehrere Personen anwesend sind, beauftragen Sie am besten eine der umstehende Personen, den Notruf abzusetzen. So verlieren Sie keine wertvolle Zeit und können den Betroffenen direkt helfen.

    Notruf 112 – Die 5 W-Fragen:

    • WO ist der Unfall geschehen oder ein Notfall eingetreten?
    • WAS hat sich ereignet?
    • WIE VIELE Verletzte/Erkrankte gibt es?
    • WELCHE Verletzungen/Erkrankungen konnten Sie entdecken?
    • WARTEN auf Rückfragen!

    Darüber hinaus ist es ratsam, die Rufnummer einer nahe gelegenen Giftnotrufzentrale abgespeichert zu haben. 

    Hier eine Übersicht über Erste-Hilfe-Maßnahmen bei bestimmten Notsituationen:

    Allergischer Schock

    • Schauen Sie als erstes beim Betroffenen nach, ob er ein Allergie-Notfallset bei sich trägt (Adrenalin-Fertigspritze, Alkoholtupfer, Antihistaminika-Tabletten oder Kortisonsaft).
    • Setzen Sie das Notfallset entsprechend ein.
    • Ist kein Notfallset auffindbar, bleiben Sie auf jeden Fall bei dem Patienten, bis der Notarzt eintrifft.

    Asthma

    • Bringen Sie den Betroffenen in Position, die ihm das Atmen erleichtert. Asthmatiker wissen meistens, welche Körperhaltung ihnen hilft. Es gibt zum Beispiel den sogenanten Kutschersitz: der Betroffene sitzt auf einem Stuhl, der Oberkörper wird nach vorne gebeugt und die Unterarme auf den Oberschenkeln (oder der Tischplatte) abgestützt. 
    • Helfen Sie ihm bei der Inhalation des Notfallsprays.
    • Beruhigen Sie den Betroffenen und befreien Sie ihn gegebenenfalls von einengender Kleidung im Halsbereich.

    Fremdkörper im Auge

    • Reiben Sie niemals die Augen des Betroffenen.
    • Augen sanft verbinden.
    • Gelangen beispielsweise Staubkörner, Verschmutzungen oder Säure in das Auge, können Sie dieses sanft mit Wasser ausspülen.
    • Beruhigen Sie den Betroffenen.

    Fremdkörper in der Luftröhre

    • Betroffene sollen aufrecht stehen und den Oberkörper nach vorne beugen.
    • Durch einen Schlag mit der flachen Hand zwischen die Schultern, versuchen Sie den Fremdkörper zu lösen.
    • Bei Atemstillstand rufen Sie den Rettungsdienst und beginnen Sie mit der Herzdruckmassage.

    Fremdkörper in Wunden

    • Weit aus der Wunde herausragende Fremdkörper sollten Sie so verbinden und umpolstern, dass keine weiteren Verletzungen entstehen können.
    • Stecken die Fremdkörper in der Wunde, versuchen Sie nicht, diese selbst zu entfernen. Warten Sie auf einen Arzt.

    Knochenbrüche

    • Bruchstelle nicht bewegen.
    • Versorgen Sie offene Brüche mit einer Wundauflage.
    • Polstern Sie das betroffene Glied weich.

    Stromschläge

    • Berühren Sie den Betroffenen niemals direkt, weil Sie sonst selber einen Stromschlag oder eine Muskelverkrampfung erleiden können.
    • Unterbrechen Sie die Stromquelle durch Abziehen des Elektrosteckers oder Entfernen der Sicherungen.
    • Alternativ: Lösen Sie den Betroffenen mithilfe von trockenen Gegenständen, die Strom schlecht leiten (zum Beispiel Holz, Kunststoff, Stoff oder Leder), von der Stromquelle.
    • Prüfen Sie die Atmung.
    • Atmet der Betroffene selbstständig, bringen Sie ihn in die stabile Seitenlage. Danach versorgen Sie – je nach Zustand – die Brandwunden.
    • Wenn der Betroffene nicht atmet, rufen Sie den Rettungsdienst und beginnen Sie mit der Herzdruckmassage.

    Verbrennungen und Verbrühungen

    Brennen die Kleider, sollten Sie die Person …

    • … am Weglaufen hindern,
    • … mit einer Lösch- oder Wolldecke bis zum Hals einwickeln,
    • … auf den Boden legen und mit den Händen an der Decke in Richtung der Füße entlang streichen, um die Flammen zu ersticken.

    Generell gilt:

    • Versuchen Sie, zuerst die Flammen zu löschen, bevor Sie Hilfe holen.
    • Bei kleineren Verbrennungen von weniger als fünf Prozent der Körperoberfläche kühlen Sie die betroffene Stelle so schnell wie möglich. (Als Anhaltspunkt: bei Erwachsenen entspricht die Handfläche inklusive der Finger etwa einem Prozent Körperoberfläche.) Nehmen Sie lauwarmes Wasser und kühlen Sie maximal 20 Minuten. Wichtig: kein eiskaltes Wasser verwenden! Großflächige Verbrennungen nicht kühlen, sonst besteht die Gefahr einer Unterkühlung.
    • Solange Kleidung nicht mit der Haut verbacken ist, können Sie versuchen, diese vorsichtig zu entfernen. Achten Sie darauf, keine Wunden aufzureißen.
    • Größere Brandblasen nicht selbst öffnen. Lassen Sie sie von einem Arzt behandeln, damit er die Wundtiefe beurteilen kann.
    • Freiliegende Wunden mit sterilem (keimfreien) Gazeverband abdecken.
    • Verwenden Sie keine Salben, Puder oder gel- bzw. ölhaltigen Verbände. Diese erschweren Ärzten die Beurteilung der Verbrennungstiefe.
    • Verbrennungen an Gesicht, Händen oder Genitalien sollten immer von einem Arzt behandelt werden.

     

    Vergiftungen

    • Kein Salzwasser und keine Milch geben.
    • Kein Erbrechen auslösen.
    • Geben Sie dem Betroffenen einige Schlucke Wasser zu trinken.
    • Bei Hautkontakt: Benetzte Kleider entfernen und betroffene Hautpartien ausgiebig spülen. Spülen Sie im Anschluss auch Ihre eigenen Hände mit Wasser.
    • Sorgen Sie nach dem Einatmen giftiger Gase für Frischluftzufuhr.
    • Bei Augenkontakt: Augen sofort für mindestens 10 Minuten unter klarem Wasser ausspülen.
    • Ist der Betroffene bewusstlos, bringen Sie ihn in die stabile Seitenlage. Bei Beschwerden wie Atemnot rufen Sie direkt den Rettungsdienst!

    Rufen Sie den Giftnotruf in Ihrer Nähe an und fragen Sie dort um Rat. Wenn möglich, geben Sie am Telefon folgende Infos durch:

    • Wer (Alter, Gewicht)
    • Was (Name des Produktes, Giftstoff)
    • Wann (genauer Einnahmezeitpunkt)
    • Welche Menge wurde verschluckt / eingeatmet

    Kratz- und Schürfwunden

    • Bedecken Sie Kratz- und Schürfwunden keimfrei mit einem sterilen Verband.
    • Befestigen Sie diesen mit einer Binde, einem Pflaster oder einem Dreieckstuch.

    Früher wurden solche Wunden mit Jod und Wasserstoffperoxyd behandelt. Diese Mittel töten zwar Bakterien ab, aber sie behindern auch den Heilungsprozess, weil gesunde Stellen zerstört werden. Jod kann außerdem Allergien auslösen.

    Starke Blutungen

    Starke Blutungen müssen abgebunden werden, so der veraltete Ratschlag. Das Abbinden kann aber zu Lähmungserscheinungen führen, wenn dabei Nerven gequetscht werden. Besser ist es, den blutenden Körperteil hochzulegen.

    Wenn das nicht hilft, wird ein Druckverband angelegt:

    • Eine keimfreie Auflage auf die Wunde legen.
    • Die Auflage mit einer Binde befestigen.
    • Ein Verbandspäckchen auf die Stelle drücken und das Ganze mit einer weiteren Binde fixieren.

    So wird die Blutung gestoppt, das verletze Körperteil aber nicht von der Blutversorgung abgeschnitten.

    Lachendes Baby liegt auf dem Bauch in einem Gitterbett und hebt den Kopf.

    Erste-Hilfe-Seminar

    Notfallversorgung für Baby und Kind.


    Letzte Änderung: 24.08.2020