Jetzt für den Newsletter anmelden!

Kurzsichtig, weitsichtig, alterssichtig – Fehlsichtigkeiten sind weit verbreitet. Doch was steckt dahinter, wie entstehen sie, und wann sollte man zum Arzt? Alles Wichtige über Formen, Symptome, Ursachen und Behandlung im Überblick.

Fachärztin für Chirurgie
ServiceCenter AOK-Clarimedis
Was ist Fehlsichtigkeit?
Welche Formen der Fehlsichtigkeit gibt es?
Wie entsteht Fehlsichtigkeit?
Welche Symptome hat Fehlsichtigkeit?
Warum werden immer mehr Kinder kurzsichtig?
Kann man Fehlsichtigkeit vorbeugen?
Was hilft bei Fehlsichtigkeit?
Wann zum Optiker, wann zum Augenarzt?
Häufige Fragen zu Fehlsichtigkeit
Jedes betrachtete Objekt reflektiert Licht. Bei einem gesunden Auge fällt dieses durch die Pupille auf die Linse, wird gebündelt und scharf auf der Netzhaut abgebildet. Die Stelle mit den meisten Sinneszellen und dem schärfsten Sehen ist der gelbe Fleck, die Makula (lutea). Dieses Zusammenspiel aus Hornhaut, Linse und Augapfellänge muss präzise aufeinander abgestimmt sein. Stimmt es nicht, spricht man von einer Fehlsichtigkeit: Die Lichtstrahlen treffen nicht exakt auf der Netzhaut auf, sondern davor oder dahinter – das Sehen bleibt unscharf. Laut dem Berufsverband der Augenärzte Deutschlands (BVA) ist Kurzsichtigkeit die häufigste Form der Fehlsichtigkeit: Etwa ein Drittel der Menschen in Deutschland ist betroffen. Ähnlich häufig tritt eine Hornhautverkrümmung auf – auch hier ist rund ein Drittel der Bevölkerung betroffen. Weitsichtig ist etwa jeder vierte Erwachsene.
Ob beim Blick in die Ferne, beim Lesen oder mit zunehmendem Alter – Fehlsichtigkeit zeigt sich auf unterschiedliche Weise.
Die Lichtstrahlen aus der Ferne werden vor der Netzhaut gebündelt – ferne Objekte erscheinen unscharf, Nahes wird klar gesehen. Die häufigste Form der Myopie ist die sogenannte Achsenmyopie. Hier ist der Augapfel zu lang. Die Brechungs- oder Refraktionsmyopie beruht auf einer erworbenen Zunahme der Brechkraft von Hornhaut z. B. durch Hornhautverkrümmungen oder durch einen grauen Star. Eine Sonderform der Brechungsmyopie ist die transitorische Myopie. Dabei handelt es sich um eine vorübergehende Sehverschlechterung, die ausgelöst, wenn das Auge überbeansprucht wird, zum Beispiel durch Medikamente oder Drogen.
Der Dioptrienwert ist stets negativ – je höher die Zahl nach dem Minus, desto stärker die Fehlsichtigkeit. Eine leichte Kurzsichtigkeit bis -1 Dioptrie muss nicht zwingend behandelt werden, solange keine Einschränkungen spürbar sind. Kurzsichtige sollten ihre Augen jedoch regelmäßig vom Augenarzt untersuchen lassen, denn sehr hohe Kurzsichtigkeit erhöht zum Beispiel das Risiko für eine Netzhautablösung.
Hier ist der Augapfel zu kurz, der Brennpunkt liegt hinter der Netzhaut. Vor allem nahe Objekte – etwa beim Lesen – erscheinen unscharf. Das Auge kann leichte Weitsichtigkeit lange durch erhöhte Muskelspannung ausgleichen, was auf Dauer jedoch zu Augenmüdigkeit, Kopfschmerzen führt und bei unbehandelter starker Hyperopie zu einem Innenschielen führen kann.
Der Dioptrienwert ist positiv. Geringe Werte bis +1 Dioptrie müssen oft nicht behandelt werden. Bei Kindern kann sich eine Weitsichtigkeit außerdem noch von selbst bessern, wenn der Augapfel im Laufe des Wachstums die richtige Länge erreicht.
Bei einer ungleichmäßig gewölbten Hornhaut können Lichtstrahlen nicht auf einem einzigen Punkt gebündelt werden. Betroffene sehen sowohl in der Nähe als auch in der Ferne unscharf oder verzerrt.
Hornhautverkrümmung tritt häufig in Kombination mit Kurz- oder Weitsichtigkeit auf. Wird sie im Kindesalter nicht frühzeitig behandelt, kann sich die Sehschärfe dauerhaft schlechter entwickeln – eine frühe Diagnose und Korrektur sind daher besonders wichtig.
Ab Mitte 40 verliert die Augenlinse schrittweise ihre Elastizität und kann sich nicht mehr ausreichend wölben, um nahe Objekte scharf abzubilden. Diese nachlassende Anpassungsfähigkeit – Akkommodation genannt – ist ein natürlicher Alterungsprozess, der letztlich alle Menschen betrifft. Weltweit sind es bereits über eine Milliarde Menschen. Anders als andere Fehlsichtigkeiten lässt sich die Alterssichtigkeit nicht verhindern, aber gut ausgleichen – mit der bekannten Lesebrille.
Bei Farbfehlsichtigkeit etwa fehlen bestimmte Zapfenzellen oder funktionieren nicht richtig – am häufigsten tritt sie als Rot-Grün-Schwäche auf. Nachtblindheit betrifft die Stäbchenzellen, die für das Dunkelsehen zuständig sind. Bei der Winkelfehlsichtigkeit sind die Augen nicht vollständig parallel ausgerichtet; die latente Schielneigung wird durch dauerhafte Muskelarbeit ausgeglichen, was sich in Augenmüdigkeit, Kopfschmerzen und Konzentrationsproblemen äußern kann.
Die Veranlagung zur Fehlsichtigkeit wird häufig vererbt, das gilt besonders für Kurzsichtigkeit: Sind beide Elternteile myop, ist das Risiko für das Kind deutlich erhöht. Auch Weitsichtigkeit und Hornhautverkrümmung haben eine starke genetische Komponente. Daneben spielen Umweltfaktoren eine wesentliche Rolle, vor allem während der Wachstumsphase des Auges. Speziell für die Ausprägung einer Hornhautverkrümmung wird häufiges starkes Augenreiben mit verantwortlich gemacht.
Intensives Fokussieren auf nahe Objekte – beim Lesen, Schreiben oder auf dem Bildschirm – fördert das Längenwachstum des Augapfels. Eine Metaanalyse im Fachjournal JAMA Network Open (2025) wertete 45 Studien mit über 335.000 Personen aus und belegte: Jede zusätzliche Stunde Bildschirmzeit erhöht das Kurzsichtigkeitsrisiko messbar – am stärksten bei Kindern zwischen zwei und sieben Jahren. Unabhängig davon spielt Tageslicht eine aktive Schutzrolle: Es regt in der Netzhaut die Dopaminausschüttung an, die das Augapfelwachstum reguliert. Da das Auge bis etwa zum 20. Lebensjahr wächst – und Kurzsichtigkeit entsteht, wenn es dabei zu stark in die Länge wächst –, ist dieser Effekt vor allem für Kinder und Jugendliche relevant. Wer in dieser Phase zu wenig Zeit draußen verbringt, nimmt den natürlichen Schutz kaum in Anspruch.

Brillen und Kontaktlinsen
Das zahlt die AOK.
Verschwommenes Sehen ist das offensichtlichste Zeichen – in der Ferne, in der Nähe oder in beiden Bereichen. Darüber hinaus können folgende Beschwerden auftreten:
Gerade Weitsichtigkeit und Hornhautverkrümmung werden oft erst durch anhaltende Kopfschmerzen auffällig, weil das Auge den Fehler lange durch Muskelanspannung ausgleicht. Bei Kindern äußert sich eine Fehlsichtigkeit häufig anders: Sie kneifen die Augen zusammen, rücken sehr nah an Bildschirme oder Bücher heran, klagen über Kopfschmerzen oder haben Schwierigkeiten in der Schule. Da Kinder ihr unscharfes Sehen oft nicht benennen – sie kennen schlicht kein anderes Sehen –, sind regelmäßige Sehtests ab dem Vorschulalter wichtig.
Kurzsichtigkeit nimmt weltweit rasant zu. Laut einer Studie im British Journal of Ophthalmology war 2023 bereits jedes dritte Kind und jeder dritte Jugendliche weltweit kurzsichtig (36 Prozent); bis 2050 könnte dieser Anteil auf rund 40 Prozent steigen.
Als Haupttreiber gelten mehr Zeit in Innenräumen, intensive Naharbeit und zunehmende Bildschirmnutzung – kombiniert mit zu wenig Tageslicht. Das ist aus medizinischer Sicht besorgniserregend: Hohe Kurzsichtigkeit erhöht im späteren Leben das Risiko für schwerwiegende Folgeerkrankungen wie Netzhautablösung und Glaukom erheblich.
Gegen Alterssichtigkeit lässt sich nichts ausrichten. Bei Kurzsichtigkeit, die sich vor allem in der Kindheit entwickelt, gibt es jedoch konkrete Möglichkeiten, ihr entgegenzuwirken. Der wirksamste und am besten belegte Schutzfaktor ist regelmäßige Zeit im Freien: Der Berufsverband der Augenärzte Deutschlands (BVA) empfiehlt täglich mindestens zwei Stunden bei Tageslicht. Ein Cochrane Review bestätigt moderat, dass mehr Outdoor-Zeit das Neuauftreten von Kurzsichtigkeit verringert.
Ergänzend helfen ausreichend Abstand beim Lesen und am Bildschirm sowie regelmäßige Pausen bei Naharbeit. Die 20-20-20-Regel ist eine praktische Orientierung: alle 20 Minuten für 20 Sekunden einen Punkt fixieren, der mindestens 20 Meter entfernt ist. Das entlastet die Augenmuskulatur – verhindert allein aber keine Kurzsichtigkeit.
Die Brille ist die häufigste, sicherste und günstigste Lösung – für alle Formen der Fehlsichtigkeit geeignet. Bei Hornhautverkrümmung kommen Zylindergläser zum Einsatz, bei kombinierter Alters- und Fehlsichtigkeit eine Gleitsichtbrille. Kontaktlinsen sind eine gute Alternative, erfordern jedoch konsequente Pflege.
Welche Kosten für Brillen und weitere Sehhilfen die AOK Rheinland/ Hamburg für ihre Versicherten übernimmt, erfahren Sie hier.
Darüber hinaus gibt es Behandlungsmethoden, die gesetzlich Versicherte selbst bezahlen müssen. Für eine dauerhafte Korrektur ist es möglich, Laserbehandlungen durchführen zu lassen: Bei der LASIK (Laser-in-situ-Keratomileusis) wird nach Aufklappen eines dünnen Hornhautlappens das darunterliegende Gewebe mit einem Laser abgetragen, bei der SMILE (Small Incision Lenticule Extraction) wird über einen kleinen Schnitt ein winziges Gewebsstück aus der Hornhaut entnommen. Beide Methoden verändern so die Brechkraft des Auges dauerhaft. Beide Verfahren sind in aller Regel keine medizinisch notwendigen Operationen. Daneben gibt es außerdem die Möglichkeit, intraokuläre Kontaktlinsen einzusetzen oder die natürliche Linse zu tauschen.
Bei Kindern, deren Kurzsichtigkeit sich um mindestens 0,5 Dioptrien pro Jahr verschlechtert, gibt es inzwischen spezifische Ansätze des sogenannten Myopie-Managements: Orthokeratologische Kontaktlinsen – formstabile Speziallinsen, die nachts getragen werden und die Hornhaut vorübergehend umformen, sodass tagsüber keine Sehhilfe nötig ist – können das Augapfelwachstum bremsen. Atropin-Augentropfen können das Fortschreiten der Myopie verlangsamen – ein Cochrane Review von 2025 (104 Studien, über 17.500 Kinder) bestätigt dies mit moderater Evidenz, Langzeitdaten fehlen jedoch noch. Beide Methoden setzen eine enge augenärztliche Begleitung voraus. Daben gibt es sogenannte Defokus-Brillen. Alle Verfahren haben nur eine geringe wissenschaftliche Evidenz.
Bei bekannter, stabiler Fehlsichtigkeit reicht für die Routinekontrolle und neue Sehhilfe der Optiker. Zum Augenarzt sollte man bei einer Erstdiagnose, bei Kindern sowie bei hoher Fehlsichtigkeit ab etwa vier Dioptrien. Auch bei stark unterschiedlicher Brechkraft beider Augen kann eine augenärztliche Einschätzung sinnvoll sein. Für Leistungen der Gesetzlichen Krankenkasse ist eine Verordnung durch Ihren Augenarzt erforderlich. Ab dem 45. Lebensjahr empfehlen Augenärzte regelmäßige Kontrollen, da das Risiko für ein Glaukom (Grüner Star durch erhöhten Augeninnendruck oder Durchblutungsstörungen) und andere Folgeerkrankungen steigt.
Sofort zum Augenarzt sollten Sie bei:
Bei Kurzsichtigkeit ist der Augapfel zu lang – weit entfernte Objekte erscheinen unscharf, Nahes wird klar gesehen. Bei Weitsichtigkeit ist der Augapfel zu kurz – nahe Objekte sind unscharf, Fernes meist besser zu erkennen.
Das hängt von der Stärke der Fehlsichtigkeit und dem persönlichen Leidensdruck ab. Eine leichte Kurzsichtigkeit bis -1 Dioptrie muss nicht korrigiert werden, solange keine Einschränkungen spürbar sind. Sobald Alltagssituationen wie Autofahren oder Bildschirmarbeit beschwerlich werden, ist eine Sehhilfe sinnvoll. Für das Autofahren ist eine bestimmte Mindestsehkraft gefordert. Wenn diese nur mit einer Sehhilfe erreicht werden kann, ist dieses im Führerschein vermerkt und die Sehhilfe muss dann auch am Steuer getragen werden.
Eine bereits bestehende Kurzsichtigkeit lässt sich nicht rückgängig machen. Ihr Fortschreiten kann jedoch gebremst werden – durch tägliche Zeit im Freien sowie, in Absprache mit dem Augenarzt, durch spezielle Kontaktlinsen oder Atropin-Augentropfen.
Nein. Weitsichtigkeit entsteht durch einen zu kurzen Augapfel und liegt meist schon im Kindesalter vor. Alterssichtigkeit ist die nachlassende Fähigkeit der Augenlinse, ihre Krümmung zu verändern – ein Prozess, der alle Menschen ab Mitte 40 betrifft, unabhängig von früherer Fehlsichtigkeit.
Bei plötzlichem Sehverlust, Lichtblitzen sowie schwarzen Punkten oder Schatten im Gesichtsfeld sofort – ohne Wartezeit. Diese Symptome können auf eine Netzhautablösung hinweisen, die schnell behandelt werden muss.
Für Versicherte bis 18 Jahre übernimmt die AOK Rheinland/Hamburg die Kosten für Brillengläser. Bei Erwachsenen werden Sehhilfen nur bei sehr hoher Fehlsichtigkeit oder medizinischer Notwendigkeit erstattet. Laser-OPs zahlt die Gesetzliche Krankenkasse nur in begründeten Ausnahmefällen. Mehr dazu lesen Sie hier.
Letzte Änderung: 14.04.2026
Einwilligungserklärung für die Nutzung der Social Media Plugins
Für die Nutzung von Social-Media Dienstangeboten diverser Unternehmen stellen wir Ihnen Social-Media-Plug-ins zur Verfügung. Diese werden in einem Zwei-Klick-Verfahren auf den Online-Angeboten der AOK eingebunden.
Die AOK erfasst selbst keinerlei personenbezogene Daten oder Informationen über deren Nutzung mittels der Social-Media-Plug-ins.
Über diese Plug-ins können jedoch Daten, auch personenbezogene Daten, an die US-amerikanischen Diensteanbieter gesendet und gegebenenfalls von diesen genutzt werden. Das hier eingesetzte Verfahren sorgt dafür, dass zunächst keine personenbezogenen Daten an die Anbieter der einzelnen Social-Media-Plug-ins weitergegeben werden, wenn Sie unser Online-Angebot nutzen. Erst wenn Sie eines der Social-Media-Plug-ins anklicken, können Daten an die Dienstanbieter übertragen und durch diese gespeichert bzw. verarbeitet werden.