Impfungen: Warum sie so wichtig für Ihre Gesundheit sind

ArtikelLesezeit: 3:00 min.
Ein kleines Mädchen wird von einer Ärztin geimpft.

Bildnachweis: © istockphoto.com / PeopleImages

Impfungen schützen uns vor Krankheiten wie Windpocken, Influenza und Keuchhusten. Doch noch immer herrscht vielerorts Impfmüdigkeit, die Zahl der Impfgegner wächst. Eine gefährliche Entwicklung, denn Schutzimpfungen sind eine wichtige Gesundheitsvorsorge. Lesen Sie, woher die Impfmüdigkeit kommt und welche Argumente für das Impfen sprechen.

Das Robert Koch-Institut (RKI) meldete für das Jahr 2018 bis Ende Juni 387 Masernfälle. Obwohl Deutschland und die übrigen Mitgliedsstaaten der WHO-Region Europa sich das Ziel gesetzt haben, die Masern auszurotten, gehen Masernerkrankungen seit einigen Jahren nicht mehr zurück. Im bundesweiten Durchschnitt sind die Masernimpfquoten bei Kindern zum Zeitpunkt der Einschulung zwar gut, doch noch immer gibt es weiterhin Land- und Stadtkreise sowie bestimmte Bevölkerungsgruppen, in denen nicht ausreichend gegen Masern geimpft wird. Zudem erfolgt die zweite Masernimpfung häufig zu spät oder es gibt Impflücken bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen. Das alles kann zu größeren Masernausbrüchen führen.

Impfmüdigkeit und die Argumente der Impfgegner

Dabei sind Masernimpfungen nur ein Beispiel für die aktuell vorherrschende Impfmüdigkeit. Woher also kommt diese Impfmüdigkeit? Zum einen wiegen sich viele Menschen in falscher Sicherheit und fühlen sich nicht durch Influenza, Keuchhusten, Windpocken und Co. bedroht. Zum anderen steigt die Zahl der Impfgegner und es gibt viele Vorurteile gegenüber Impfungen. Wir haben die häufigsten Argumente der Impfgegner für Sie zusammengestellt und ordnen sie ein:

Die Wirksamkeit von Impfungen wurde niemals belegt.

Das stimmt nicht. Nach dem geltenden Arzneimittelrecht wird ein Impfstoff nur zugelassen, wenn seine Wirksamkeit und Verträglichkeit nachgewiesen wurden. Auf EU-Ebene werden die wissenschaftlichen Belege von der Europäischen Arzneimittelagentur EMA (European Medicines Agency) geprüft. In Deutschland ist das Paul-Ehrlich-Institut als Bundesinstitut für Impfstoffe und biomedizinische Arzneimittel verantwortlich.

Ich kann trotz Impfung erkranken.

Das ist grundsätzlich möglich, doch Impfungen senken die Wahrscheinlichkeit zu erkranken deutlich. Das Robert Koch-Institut bezieht sich für einen Vergleich auf das folgende Beispiel: Träte in einer Schulklasse eine Masernepidemie auf und die eine Hälfte der Schüler wäre geimpft, die andere Hälfte nicht, würden statistisch gesehen etwa 97 bis 98 Prozent der nicht geimpften Schüler er­kran­ken, wohingegen unter den Geimpften nur zwei bis drei Prozent erkranken.

Dieser Vergleich zeigt einen weiteren wichtigen Aspekt, den viele Menschen bei der Frage „Impfen, ja oder nein“ vergessen: Der sogenannte Herdenschutz ist von zentraler Bedeutung. Mit einer sinkenden generellen Impfbereitschaft steigt nämlich die Wahrscheinlichkeit, dass Mitmenschen, die sich nicht impfen lassen können, erkranken. Das können Babys sein, die noch zu jung für bestimmte Impfungen sind, aber auch chronisch Kranke, deren Immunsystem für eine Impfung zu schwach ist. Diese Menschen sind darauf angewiesen, dass die Menschen in ihrem Umfeld geimpft sind – denn dadurch sind auch sie geschützt. Der eigene Impfschutz trägt also zum Schutz der Gemeinschaft bei.

Ich brauche kein Impfung gegen fast ausgestorbene Krankheiten.

Doch, das sollten Sie. Zwar sind Krankheiten wie Diphtherie in Deutschland seltener geworden, doch die Erreger können aus anderen Ländern eingeführt werden. Tetanus-Erreger gibt es dagegen auch hierzulande. Mit einer Impfung sind Sie gut vor einer Infektion und einem möglichen Wundstarrkrampf geschützt.

Impfschäden treten häufig auf.

Das stimmt nicht. Laut des letzten Nationalen Impfplans (Nationaler Impfplan, 2012) kommen auf 45 Millionen Impfdosen gesetzlicher Krankenkassen lediglich 34 anerkannte Impfschäden. Im Vergleich dazu verstirbt eines von 1.000 Kindern, die an Masern erkranken (Masern, RKI, 2014).

Impfungen lösen Allergien aus.

Das ist nicht richtig. Tatsächlich treten Allergien unter Geimpften und Ungeimpften gleich häufig auf (Schmitz et al., 2011).

 

Impfungen lösen Autismus aus.

Das ist falsch. Die Annahme, dass Impfungen Autismus auslösen, geht zurück auf falsche Daten aus einer Studie von Andrew Wakefield. Diese Studie erschien 1998 im angesehenen Magazin „Lancet“. Wakefield beschreibt darin fälschlicherweise einen Zusammenhang zwischen dem Kombinationsimpfstoff gegen Masern, Mumps und Röteln (MMR)und Autismus (Wakefield et al., 1998). Sein Ziel war es, mit seiner Firma einen Test auf die erfundene, impfspezifische Autismus-Erkrankung zu vermarkten. Wakefields Studie wurde erst 2010 zurückgezogen. Heute gilt als nachgewiesen, dass die Wahrscheinlichkeit, infolge einer Impfung Autismus, Asthma, Multiple Sklerose, Diabetes oder Morbus Crohn zu bekommen, nicht erhöht ist (Demicheli et al., 2012).

Junge Patientin bekommt eine Impfung in den Oberarm.

Impfen – ja oder nein?

Die Entscheidungshilfe der AOK.

Tipp: Lesen Sie weitere Antworten zu den häufigsten Einwänden gegen das Impfen auf der Webseite des Robert Koch-Instituts.

Zum Robert-Koch-Institut

Impfen ja oder nein? Das ist unser Fazit

Mögliche Nebenwirkungen durchs Impfen stehen in keinem Verhältnis zum Risiko, das Sie eingehen, wenn Sie sich oder Ihr Kind nicht impfen lassen. Ohne einen Impfschutz riskieren Sie, dass Sie oder Ihr Kind bei einer Erkrankung bleibende Schäden davontragen. Im schlimmsten Fall endet die Krankheit tödlich. Ärzte raten daher ganz klar davon ab, sich oder sein Kind wegen der Angst vor Impfnebenwirkungen gar nicht erst impfen zu lassen.

Letzte Änderung: 13.07.2015