Interview: Pollenflug im Wandel?

InterviewLesezeit: 3:00 min.
Obstbaumwiese im Sonnenlicht

Bildnachweis: © wdv / Jan Lauer

Stimmt es, dass die Pollen bedingt durch den Klimawandel immer früher fliegen? vigo Online hat Dr. Julia Altengarten, Oberärztin der Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Allergologie der Universität Bonn, befragt.

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Die Expertin zum Thema

Dr. Julia Altengarten

Oberärztin
Klinik und Poliklinik für Dermatologie und Allergologie der Universität Bonn

Immer mehr Menschen klagen über Allergien. Wird sich die Situation weiter verschärfen?

Redaktion

In Deutschland leiden heute ca. 20 Prozent der Bevölkerung an Heuschnupfen, Tendenz steigend. Die Voraussetzung für eine allergische Reaktion ist der direkte Kontakt mit den auslösenden Stoffen. Durch die klimatischen Veränderungen hat sich die Situation für Heuschnupfengeplagte in den letzten Jahrzehnten verschlechtert. Wir beobachten eine stetig und deutlich steigende Zahl von Allergikern.

Dr. Julia Altengarten

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Welche Faktoren sind dafür verantwortlich?

Redaktion

Zunächst einmal gibt es Hinweise, dass der steigende Kohlendioxidgehalt der Luft dazu führen kann, dass einige Pflanzen mehr und aggressivere Pollen produzieren. Zudem ist der globale Temperaturanstieg dafür verantwortlich, dass sich die Pollensaison in den letzten 30 Jahren um ungefähr zehn bis vierzehn Tage verlängert hat und die Pflanzen bis zu zwanzig Tage früher blühen. Abgesehen davon fliegen Pollen wetterabhängig. Allergiker leiden an warmen und windigen Tagen am meisten.

Dr. Julia Altengarten

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Wie hat sich der Pollenflug der Pflanzen verändert, die am häufigsten Allergien auslösen?

Redaktion

Der Zeitraum schwankt natürlich immer ein wenig, doch durch die inzwischen milderen Winter blühen die Pflanzen sehr früh. Es kommt manchmal vor, dass im Dezember erste vereinzelte Haselnusspollen fliegen, unter denen Allergiker noch vor einigen Jahren erst ab Ende Januar zu leiden hatten. Auch die Birke bestätigt diese Tendenz: Ihre Blüte beginnt heutzutage häufig schon im März statt im April. Sie erreicht im April ihren Höhepunkt, der zwei bis drei Wochen dauert. Pollen von Gräsern und Kräutern können bis in den Oktober hinein unterwegs sein. Allerdings reagieren Allergiker auf Gräser meist nicht so heftig, dafür sind die Symptome deutlich länger vorhanden.

Dr. Julia Altengarten

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Wie können sich Betroffene ideal schützen?

Redaktion

Der wirksamste Schutz ist, das Allergen zu meiden. Allerdings ist das fast unmöglich, weil Pollen kilometerweit fliegen – und das in erheblicher Anzahl. Wir raten, Straßenkleidung nicht im Schlafzimmer zu tragen, abends die Haare zu waschen und abhängig vom Pollenflug zu lüften: auf dem Land abends und in der Stadt in den frühen Morgenstunden. Es empfiehlt sich, Staubsauger und Autos mit Pollenfiltern auszustatten. Ansonsten helfen je nach Schwere der Symptome Medikamente oder eine Hyposensibilisierung, die einzige auf Dauer wirksame Ursachenbekämpfung.

Dr. Julia Altengarten

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Arzt klopft gegen eine Impfspritze.

Hyposensibilisierung

Eine AOK-Leistung für Allergiker.


Letzte Änderung: 21.03.2013