Wann ist ein Kaiserschnitt notwendig?

InterviewLesezeit: 2:00 min.
Schwangere steht mit einem Suppenteller in der Hand am Fenster.

Bildnachweis: © wdv / Jan Lauer

Die Promis machen es vor, und immer mehr Schwangere ahmen es nach: Ein Baby mit einem geplanten Kaiserschnitt zur Welt zu bringen, scheint gerade in Mode zu sein. Die Fachärztin für Frauenheilkunde und Geburtshilfe Dr. Anke Leesemann vom ServiceCenter Clarimedis der AOK Rheinland/Hamburg beobachtet diesen Trend allerdings kritisch.

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Die Expertin zum Thema

Dr. Anke Leesemann

Fachärztin für Frauenheilkunde und Geburtshilfe
ServiceCenter AOK-Clarimedis

Die Zahl der Entbindungen durch Kaiserschnitte in Deutschland steigt. Was steckt hinter dieser Entwicklung?

Redaktion

Aus meiner Sicht gibt es drei Ursachen für diese Entwicklung. Erstens: Das Sicherheitsbedürfnis der Eltern steigt. Viele haben nur noch ein Kind und da wollen sie das Geburtsrisiko für das Kind so gering wie möglich halten. Zweitens: Es gibt heute mehr künstliche Befruchtungen und damit mehr Zwillingsgeburten als früher. Bei Mehrlingsschwangerschaften ist oft ein Kaiserschnitt die bessere Alternative. Drittens: Die Geburtshelfer sind vorsichtiger geworden und empfehlen oft selbst einen Kaiserschnitt. Denn läuft bei einer spontanen Geburt etwas schief, kann ihnen eine Klage der Eltern drohen.

Dr. Anke Leesemann

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In welchen Fällen ist ein Kaiserschnitt unausweichlich?

Redaktion

Bei 15 bis 20 Prozent der Geburten ist ein Kaiserschnitt medizinisch notwendig. Vor allem bei Mehrlingsschwangerschaften und wenn das Kind in Beckenendlage liegt. Auch wenn die Mutter krank oder unter der Geburt sehr erschöpft ist, empfiehlt sich manchmal ein operativer Eingriff. Ein weiterer wichtiger Grund für einen Kaiserschnitt sind Komplikationen während der begonnenen vaginalen Geburt. So ist es möglich, dass die Herztöne des Kindes plötzlich schlechter werden oder eine Blutung auftritt.

Dr. Anke Leesemann

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Was sollten Frauen beachten, die unbedingt einen Kaiserschnitt möchten?

Redaktion

Viele Frauen glauben, dass sie mit einem Kaiserschnitt keine Schmerzen haben werden. Das stimmt zwar für die Geburt an sich, da der Bauchbereich komplett betäubt ist. Allerdings haben sie nach der Geburt Schmerzen. Denn immerhin handelt es sich beim Kaiserschnitt um eine Operation und die Operationswunde muss erst einmal verheilen.

Dr. Anke Leesemann

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Kleines Mädchen streichelt den Bauch einer Schwangeren.

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Letzte Änderung: 29.04.2013