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Honig – ein gesundes Wundermittel?

ArtikelLesezeit: 3:00 min.
Honig und Honigwaben

Bildnachweis: © stock.adobe.com / tashka2000

Ob auf ein leckeres Graubrot geschmiert, in den Kräutertee gerührt oder als Topping auf sommerlichem Beerenquark: Honig ist ein Allrounder in der Küche. Etwa ein Kilo verspeist jeder Deutsche jährlich. Zu viel davon ist allerdings nicht gut – deshalb sollten Sie ein paar Dinge im Blick haben ...

Expertenbild

Die Expertin zum Thema

Bianca Mariano-Hetzel

Diätassistentin und Ernährungsberaterin
ServiceCenter AOK-Clarimedis

Honig ist ein reines, unbehandeltes Naturprodukt. Als natürlicher Süßmacher kommt er in Kuchen, Müslis oder Desserts zum Einsatz – oft auch als Zuckeralternative. Denn Honig gilt als gesund. Mit gut 300 Kilokalorien pro 100 Gramm hat er allerdings nur etwas weniger Kalorien als gewöhnlicher Haushaltszucker (rund 390 kcal pro 100 Gramm).

Honig ist außerdem süßer als Zucker – man braucht also weniger davon. Das spart zwar zusätzlich Kalorien. Man muss aber auch wissen: Er ist nur minimal gesünder. Denn Honig besteht zu etwa 80 Prozent aus Traubenzucker (Glukose) und Fruchtzucker (Fruktose), die restlichen 20 Prozent sind Wasser.

Glukose und Fruktose sind sogenannte Einfachzucker, die – wie immer bei zu hohem Zuckerkonsum – negative Auswirkungen auf das Körpergewicht und den Blutzucker haben können. Hier müssen Diabetiker besonders aufpassen.

Zudem gilt Honig als kariesfördernd, da er durch seine klebrige Konsistenz länger an den Zähnen haftet als gewöhnlicher Zucker.

Positive Wirkungen auf die Gesundheit

Honig wird dank seiner wertvollen Inhaltsstoffe auch zahlreiche positive Eigenschaften zugeschrieben. Neben Vitaminen und Mineralstoffen finden sich in ihm viele Antioxidantien. Diese senken das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie einige Krebsarten.

Auch mit entzündungshemmenden Wirkstoffen wie Enzymen, Phenolen, Harzen und Pflanzenstoffen punktet Honig. So kann Ihr Herz gestärkt sowie Blutfettwerte und der Cholesterinspiegel verbessert werden. Schädigendes Cholesterin und Purine sucht man in Honig hingegen vergebens.

Achtung beim Erwärmen: Einige der wertvollen Inhaltsstoffe werden ab einer Temperatur von 40 Grad unwirksam.

Honig als Hausmittel

Viele setzen Honig als Hausmittel gegen trockene Hände, brüchige Haare oder als Medizin ein. Er gilt als Bakterienkiller, soll das Immunsystem stärken, Halsschmerzen lindern und bei Reizhusten helfen.

In der Naturheilkunde wird Honig aufgrund seiner antibakteriellen, schmerzlindernden und leicht entzündungshemmenden Eigenschaften schon lange eingesetzt: zum Beispiel bei Schuppenflechte oder Herpesbläschen. Auch Schwellungen, Verbrennungen und entzündete Wunden lassen sich mit Honig behandeln.

Welche Honigsorten gibt es?

Die Welt des Honigs ist riesig und jedes Produkt ist einzigartig: Im Wesentlichen unterscheiden sich die Sorten nach Herkunft, Geschmack, Farbe und Gewinnungsart. Unterteilt wird Honig in Blütenhonig (aus Nektar, z. B. Akazienhonig, Fenchelhonig, Rapshonig, Kastanienhonig) und Waldhonig (z. B. Fichtenhonig, Tannenhonig). Dieser besteht aus Honigtau, den zum Beispiel Läuse auf Blättern hinterlassen.

Zwar können Imker nicht beeinflussen, welche Biene zu welcher Blüte fliegt. Doch sie können durchaus steuern, welcher Nektar gesammelt wird. Denn die Tiere fliegen in der Regel nur wenige Kilometer weit. Deshalb transportieren Imker ihre Bienenstöcke gezielt zu bestimmten Standorten, wie zum Beispiel an den Rand eines Rapsfeldes.

Gut zu wissen: Nur Honig, der in Deutschland von Mitgliedern des Deutschen Imkerbundes produziert wurde, darf das eingetragene Warenzeichen „Echter deutscher Honig“ tragen. Diesen können Sie bei den Imkern selbst, auf Wochenmärkten oder in Bio-Läden kaufen.

Medizin statt Lebensmittel: Manuka-Honig

Dem Blütennektar des Manuka-Baums aus Neuseeland wird eine besondere Heilwirkung nachgesagt: Er hat im Vergleich zu herkömmlichem Honig eine mehrfach höhere antibakterielle und antimykotische Wirkung. Allerdings muss man für dieses „Heilmittel“ auch tief in die Tasche greifen: 500 Gramm kosten meist zwischen 60 und 70 Euro – manche Produkte sind sogar deutlich teurer.

Dank seines Inhaltsstoffs Methylglyoxal wird Manuka-Honig mittlerweile sogar in der Schulmedizin zur Wundbehandlung eingesetzt. Dafür wird er zuvor durch radioaktive Bestrahlung sterilisiert.

Regionalen Honig bevorzugen

70 bis 80 Prozent des Honigs, der in Deutschland verzehrt wird, kommen aus anderen Teilen der Welt. Hauptlieferant ist Argentinien, gefolgt von Mexiko, der Ukraine und China. Auch wenn Honig ein Naturprodukt ist, finden sich in ihm immer wieder unerwünschte Inhaltsstoffe.

Das können zum Beispiel gentechnisch veränderte Pflanzenbestandteile sein oder Rückstände von Giftpflanzen, Pestiziden, Pflanzenschutzmitteln oder sogar Mikroplastik. Im Optimalfall sollten Sie daher auf deutschen Honig setzen. Dieser ist weniger stark belastet. Außerdem dankt es Ihnen die Umwelt, wenn Sie Produkte aus Ihrer Region kaufen.

Strenge Auflagen für Bio-Honig

Wie bei Bio-Produkten üblich, müssen auch Imker bei Bio-Honig strengere Auflagen erfüllen. Neben Bienenstöcken aus natürlichen Materialien, bestimmten Vorgaben zur Zufütterung und Behandlung von Krankheiten ist vor allem die Umgebung des Bienenstocks wichtig. In einem Umkreis von drei Kilometern müssen hauptsächlich ökologisch angebaute Pflanzen stehen.

Junge Frau hält einen Apfel in der Hand.

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Wissenswertes rund um den Honig

Dürfen Babys Honig essen?

Kleinkinder bis zu einem Jahr sollten vorsichtshalber keinen Honig bekommen. In seltenen Fällen kann Honig nämlich Spuren von Bakterien enthalten, die zu Lähmungserscheinungen führen können. Grund dafür ist wohl die noch nicht voll entwickelte Darmflora der Säuglinge.

Auch erwärmter Honig sollte tabu sein. Denn um alle Bakterien abzutöten, müssten über einen längeren Zeitraum 100 Grad erreicht werden. In der Schwangerschaft ist der Verzehr von Honig hingegen kein Problem: Die Darmflora der werdenden Mutter tötet mögliche Erreger ab, sodass kein Risiko für das Ungeborene besteht.

Ist Honig vegan?

Streng genommen ist Honig kein veganes Produkt, da er von Honigbienen produziert wird – sie sind damit quasi Nutztiere. Zudem nehmen Imker den Bienen den Honig, also ihren Wintervorrat, weg. Sie füttern als Ersatz eine spezielle Zuckerlösung. Aus diesen Gründen verzichten die meisten Veganer auf Honig und auch auf Bienenwachs.

Tierschützer kritisieren zudem, dass Bienen oft unter unnatürlichen Bedingungen gehalten werden. Pflanzliche Alternativen zu Honig sind zum Beispiel Zuckerrübensirup, Ahornsirup, Agavendicksaft, Stevia und Trockenfrüchte. Aus Löwenzahn lässt sich ein süßer Sirup sogar selber herstellen.

Hilft Honig gegen Heuschnupfen?

In Honig können kleine Mengen Blütenpollen stecken. Daher kann der Verzehr bei Pollenallergikern zu Überempfindlichkeitsreaktionen führen. Andererseits kann Honig, der zum Beispiel mit Birkenpollen angereichert wurde und vor der Pollenflug-Saison verzehrt wird, bei Birkenpollenallergikern zu Verbesserungen während der Saison führen. Hier sollte aber immer ärztlicher Rat eingeholt werden.

Kann Honig schlecht werden?

Im Prinzip nicht. Dank der Bienen und der Stoffe, die sie dem Honig beimischen, wird dieser auf ganz natürliche Weise konserviert. Fest verschlossen, trocken, kühl und lichtgeschützt gelagert, hält er normalerweise jahrelang – ohne an Qualität einzubüßen.

Problematischer sind „Fremdkörper“ im Honig, wie Butter oder Brotkrümel, die mit dem Messer hineingelangt sind. Sie können möglicherweise schimmeln.

Übrigens: Bei längerer Lagerung kann flüssiger Honig kristallisieren, er wird fest. Er ist dann aber trotzdem noch genießbar. Sie können ihn leicht erwärmen, damit er wieder flüssig wird. Aber nicht über 40 Grad – sonst verliert der Honig seine heilende Wirkung.

Letzte Änderung: 05.05.2021