Essstörungen: Wenn die Seele hungert

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Messer und Gabel.

Bildnachweis: © wdv / Bernhard Rüttger

Es beginnt mit dem Wunsch, schlank zu sein und endet nicht selten tödlich. Ob Magersucht, Bulimie oder Fresssucht – Essstörungen sind ernst zu nehmende seelische Krankheiten, die vor allem junge Menschen treffen.

Experten schätzen, dass jeder fünfte Jugendliche gefährdet ist, an einer Essstörung wie Magersucht, Bulimie oder "Fresssucht" – auch Binge-Eating-Störung genannt – zu erkranken. Typisch für alle drei Krankheitsbilder ist, dass sich das Leben der Betroffenen fast ausschließlich um das Essen dreht. Dabei geht es aber nur vordergründig um das Gewicht. Hinter der Krankheit stecken meistens tiefere seelische Probleme.

Eine Essstörung kann zum Beispiel Flucht oder Ersatz für verdrängte Gefühle sein, aber auch Protest gegen die Eltern ausdrücken. Die Ursachen sind vielfältig – entsprechend komplex ist die Behandlung. Experten unterscheiden drei Hauptformen von Essstörungen:

Junge Frau hält eine Salatschüssel im Arm.

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Magersucht (Anorexia nervosa)

  • Die Betroffenen nehmen stark ab, sind auffallend dünn und finden sich trotzdem noch zu dick.
  • Magersüchtige verlieren ihr Gewicht durch Hungern und übertriebene sportliche Aktivität. Manche greifen auch zu Appetitzüglern oder Abführmitteln.
  • Magersucht kommt bei Mädchen häufiger vor als bei Jungen – meistens im Alter zwischen 14 und 18 Jahren.
  • Das starke Untergewicht kann zu lebensgefährlichen Mangelerscheinungen führen. Anorexia nervosa zählt zu den häufigsten Todesursachen bei jungen Frauen.

Bulimie

  • Die Betroffenen sind normalgewichtig, aber meist schlank.
  • Kennzeichen der Bulimie sind Essattacken, bei denen in kurzer Zeit sehr viele Kalorien aufgenommen werden.
  • Um dies auszugleichen, erbrechen sich Betroffene nach dem Essen, nehmen Abführmittel oder treiben exzessiv Sport.
  • Bulimie trifft überwiegend Mädchen, der Beginn der Erkrankung liegt häufig im Alter zwischen 18 und 20 Jahren.

Binge-Eating-Störung

  • Bei der Binge-Eating-Störung kommt es wie bei Bulimie zu häufigen, unkontrollierten Essattacken.
  • Im Unterschied zur Bulimie werden keine Versuche unternommen, die übermäßige Kalorienaufnahme rückgängig zu machen.
  • Die Betroffenen sind häufig – aber nicht immer – übergewichtig. Oft sind sie über 18 Jahre alt.

Letzte Änderung: 31.05.2019