Was ist Palliativmedizin?

InterviewLesezeit: 3:00 min.
Pflegerin hilft einer älteren Frau beim Aufsetzen im Bett.

Bildnachweis: © wdv / Jan Lauer

Mit einem Netz aus fach- und berufsübergreifenden Spezialisten verfolgt die sogenannte Palliativmedizin das Ziel, die Versorgung von schwerst kranken Menschen in ihrer letzten Lebensphase zu verbessern. Oft wird diese Behandlungsform mit Sterbehilfe verwechselt, was unter Patienten und deren Angehörigen für viel Unsicherheit sorgt. Im Gespräch mit der Clarimedis-Expertin Dr. Petra Siemes klärt vigo Online auf, was genau die Palliativmedizin umfasst und wie man sie in Anspruch nehmen kann.

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Die Expertin zum Thema

Dr. Petra Siemes

Ärztin für Innere Medizin
ServiceCenter AOK-Clarimedis

Was ist das Ziel der Palliativmedizin?

Unser Redakteur

vigo Redaktion

In erster Linie geht es darum, bei schwerst kranken Patienten mit nicht mehr heilbaren, fortgeschrittenen Erkrankungen eine Linderung der Krankheitsbeschwerden und damit eine Verbesserung der Lebensqualität zu erreichen. Darüber hinaus kann die Familie eines Patienten in der Palliativmedizin Beistand erfahren.

Dr. Petra Siemes

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Welche Maßnahmen umfasst die Palliativmedizin?

Unser Redakteur

vigo Redaktion

Grundsätzlich strebt die Palliativmedizin eine ganzheitliche Behandlung an, deshalb kommen hier mehrere Fachbereiche zusammen. So erhalten die Patienten medizinische und pflegerische Maßnahmen, die zum Beispiel Schmerzen und andere Krankheitsbeschwerden lindern. Sie können aber auch psychologisch oder sozial und – wenn gewünscht – auch spirituell begleitet werden.

Dr. Petra Siemes

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Wo liegt der Schwerpunkt der Behandlung?

Unser Redakteur

vigo Redaktion

Das ist von Patient zu Patient unterschiedlich. Jeder hat andere Beschwerden, Sorgen und Probleme, auf die Mediziner, Pflegepersonal und gegebenenfalls Psychologen individuell eingehen. Selbst die Umgebung, in der ein Patient begleitet wird, unterliegt seinem Wunsch: Die Betreuung kann ambulant, stationär im Krankenhaus oder in einem Hospiz erfolgen.

Dr. Petra Siemes

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Worin unterscheidet sich die Palliativmedizin von der Sterbehilfe?

Unser Redakteur

vigo Redaktion

Die Palliativmedizin sieht das Sterben als natürlichen Prozess an. Sie bejaht das Leben und lehnt die aktive Sterbehilfe ab.

Dr. Petra Siemes

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Wie können Patienten die Palliativmedizin in Anspruch nehmen?

Unser Redakteur

vigo Redaktion

Dafür gibt es viele Wege. Ein guter Ansprechpartner für die Koordination und Vermittlung zu Palliativeinrichtungen ist der Hausarzt oder ein anderer Mediziner, der den Patienten begleitet. Es ist aber auch möglich, dass sich ein Betroffener selbst oder seine Angehörigen an ambulante Palliativdienste ihrer Wahl wenden. Immer mehr Krankenhäuser haben eine Palliativabteilung. Auch hier erhalten Patienten eine Beratung und weiterführende Informationen.

Dr. Petra Siemes

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AOK Rheinland/Hamburg - ambulante Begleitung schwerstkranker Menschen

Die letzte Lebensphase und das Sterben eines Menschen zu begleiten und Trauernden zur Seite zu stehen, ist eine anspruchsvolle Aufgabe. Zu diesem Zweck hat die AOK Rheinland/Hamburg in den letzten Jahren eine nahezu flächendeckende allgemeine ambulante Palliativversorgung in Nordrhein geschaffen. Spezielle Haus- und Fachärzte, qualifizierte Palliativ-Ärzte und Palliativ-Pflegedienste versorgen innerhalb regionaler Netzwerke im Bedarfsfall die Patienten Rund-um-die-Uhr. Hierdurch können lange stationäre Aufenthalte vermieden und Patienten sowie Angehörige auf diese Weise entlastet werden. Im Fokus der Palliativversorgung stehen Patienten mit einer nicht heilbaren fortschreitenden und weit fortgeschrittenen Erkrankung mit begrenzter Lebenserwartung, die an den körperlichen Symptomen dieser Erkrankung und den mit ihr einhergehenden psychosozialen und spirituellen Problemen leiden.

Weitere Informationen finden Sie hier.


Letzte Änderung: 13.03.2013