So lernen Sie das Loslassen

InterviewLesezeit: 3:00 min.
Frau liegt lächelnd und mit geschlossenen Augen im Gras.

Bildnachweis: © wdv / Jan Lauer

Der Tod eines geliebten Menschen, der Abschied von Lebensplänen, der Auszug der Kinder – es gibt viele Situationen, die uns belasten, weil sie anders sind, als wir sie uns wünschen. Jetzt gilt es loszulassen, sich aus der Situation zu befreien und den Blick nach vorne zu richten. Warum das nicht einfach ist und wie man es trotzdem schaffen kann, erklärt Dr. Julia Petmecky, Psychologin im ServiceCenter AOK-Clarimedis.

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Die Expertin zum Thema

Dr. Julia Petmecky

Psychologin
ServiceCenter AOK-Clarimedis

In welchen Momenten im Leben ist es wichtig loszulassen?

Redaktion

Das Loslassen reduziert sich nicht nur auf die Trennung oder den Tod eines geliebten Menschen, sondern beinhaltet auch alltägliche Veränderungen wie das Älterwerden, einen Jobwechsel oder den Auszug der Kinder. Es kann auch sein, dass wir in einem bestimmten Alter nicht mehr alles erreichen, was wir gerne würden – gerade im Vergleich zu Jüngeren. Das kann uns psychische Probleme bereiten. Auch hier ist Loslassen sinnvoll und wichtig.

Dr. Julia Petmecky

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Warum fällt das Loslassen vielen Menschen so schwer?

Redaktion

Es ist ein schwieriger Prozess, weil Menschen Gewohntes mögen. Gewohnte und vertraute Umstände sowie Personen geben uns Halt und Sicherheit. Jede Veränderung, egal, in welchem Bereich unseres Lebens, führt zunächst einmal zu Verunsicherung und oft auch zu Angst.

Dr. Julia Petmecky

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Frau liegt in einer Hängematte.

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Wie gelingt Loslassen am besten? Gibt es überhaupt eine Strategie?

Redaktion

Auf jeden Fall. Fragen wie „Warum?“ oder „Warum ich?“ führen auf Dauer zu Stillstand. Man sollte sich aktiv mit der Situation auseinandersetzen und vom Defizit- zum Ressourcenmodell finden. Das heißt: Bei einer Trennung oder Ähnlichem sollte ich nicht nur auf die Verluste schauen, sondern die Veränderung samt positiver und neuer Begleiterscheinungen als Chance sehen und mich neu orientieren. Es hilft auch, sich Beispiele gelungener Loslass-Prozesse zu suchen: etwa ältere Menschen, die neue und andere Interessen entwickelt haben und sehr zufrieden sind. Oder Menschen, die nach anderen Werten als Karriere leben, und auch Personen, die nach der Trauer um einen geliebten Menschen in ein neues Leben gefunden haben und wieder glücklich sein können.

Dr. Julia Petmecky

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Was löst es in uns aus, wenn wir es schaffen loszulassen?

Redaktion

Neuorientierung ist ein Prozess, der Zeit braucht, unter Umständen auch viel Zeit. Hat man es geschafft, loszulassen und neue Ideen und Ressourcen zu entwickeln, kehren Lebensfreude, Selbstvertrauen und Lockerheit zurück.

Dr. Julia Petmecky

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Letzte Änderung: 19.06.2017