AD(H)S – das „Zappelphilipp-Syndrom“

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„Doch der Philipp hörte nicht, was zu ihm der Vater spricht. Er gaukelt und schaukelt, er rappelt und zappelt …“, so beschreibt Heinrich Hoffmann bereits 1845 das Phänomen des Zappelphilipps. Seit 1987 gibt es einen medizinischen Ausdruck dafür: ADHS (Aufmerksamkeitsdefizit-/­Hyperaktivitätssyndrom)­ oder ADS, wenn keine Hyperaktivität vorliegt. In Deutschland sind schätzungsweise sechs Prozent aller Schulkinder betroffen. Rein rechnerisch würde das bedeuten, dass in jedem Klassenzimmer durchschnittlich mindestens ein AD(H)S-Kind sitzt.

Seitdem es eine Bezeichnung dafür gibt, ist die Diagnose schnell gestellt. Doch was ist AD(H)S eigentlich? Die Symptome beginnen in den ersten sechs Lebensjahren und bleiben oft bis ins Erwachsenenalter bestehen. Kinder, die unter AD(H)S leiden, fallen in der Regel durch einen extremen Bewegungsdrang und innere Unruhe auf. Sie laufen herum, reden viel, lärmen und zappeln. Darüber hinaus sind sie extrem leicht ablenkbar und zeigen eine gestörte Impulskontrolle. Diese bewirkt, dass sie schnell aufbrausen und sich nur schwer beherrschen können.

Aus dem Rahmen gefallen

Kinder bewegen sich gern, springen und hüpfen mal mehr und mal weniger herum. Der Bewegungsdrang ist bei jedem Kind anders ausgeprägt. Bei AD(H)S-Kindern ist er besonders stark. Sie wirken wie getrieben, scheinen unerschöpfliche Energiereserven zu haben. Dabei sind sie wenig zielgerichtet und es mangelt ihnen an Selbstkontrolle. Das bringt ihre Familien und Lehrer immer wieder an Belastungsgrenzen.

Bei Jungen wird etwa drei Mal häufiger AD(H)S festgestellt als bei Mädchen. Bei den Jungen steht meist die stark störende Hyperaktivität im Vordergrund („Zappelphilipp“) während die Mädchen eher an Aufmerksamkeitsstörungen (ADS, „Träumsuse“) leiden.

Versorgung bei AD(H)S

Hilfe für Kinder und ihre Familien.

Ursachenforschung

Die Ursache der Störung ist immer noch nicht endgültig geklärt. Neben genetischen Faktoren spielen Veränderungen im Gehirnstoffwechsel der Kinder eine Rolle. Einige Fachleute diskutieren, dass AD(H)S auch milieubedingt beeinflusst wird,

Therapie

Behandelt wird AD(H)S mit einem konsequenten Erziehungsstil sowie verhaltenstherapeutischen Maßnahmen wie einer Ergotherapie, Konzentrationstraining und sozialem Kompetenztraining. Für die Therapie empfiehlt der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte auf seinen Internetseiten neben der Verbesserung der Eltern-Kind-Beziehung eine der Begabung entsprechende Ausbildung, die das Selbstwertgefühl des Kindes stärken soll. Unterstützend kommen aber auch Medikamente wie Methylphenidat zur Anwendung.

Letzte Änderung: 13.04.2016