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Sommergrippe: Manche Viren mögen’s heiß

ArtikelLesezeit: 4:00 min.
Frau liegt mit geschlossenen Augen auf dem Sofa

Bildnachweis: © stock.adobe.com / Tierney

30 Grad im Schatten und 38 Grad auf dem Fieberthermometer: Warum eine Sommergrippe eigentlich anders heißen müsste, was sie von einer echten Grippe unterscheidet und was man gegen den Infekt tun kann.

Expertenbild

Die Expertin zum Thema

Anke Greven

Fachapothekerin für Allgemeinpharmazie
ServiceCenter AOK-Clarimedis

Wie macht sich die Sommergrippe bemerkbar?

Die Symptome ähneln eher einem grippalen Infekt, wie wir ihn im Winter kennen: Schnupfen, Heiserkeit und Husten sind typisch. Genau wie verschleimte Atemwege, leicht fiebrige Halsentzündung und Schluckbeschwerden. Auch Kopf- und Gliederschmerzen sind nicht selten. Manche Viren verursachen zusätzlich Bauchschmerzen, in härteren Fällen Erbrechen und Durchfall.

Was verursacht die Sommergrippe?

Die Sommergrippe wird durch sogenannte Coxsackie-Viren verursacht. Sie sind unter anderem in unserem Stuhl enthalten. Daher verbreiten sie sich entweder über Schmierinfektion oder über Tröpfcheninfektion, etwa wenn wir niesen oder husten.

Dann befallen die Viren bevorzugt die Schleimhäute von Nase, Mund und Hals. In manchen Fällen auch die Magen-Darm-Schleimhaut, was zu Erbrechen und Durchfall führen kann.

Neben der harmlosen Sommergrippe können Coxsackie-Viren allerdings auch andere, schwerere Erkrankungen auslösen.

Kleine Viren-Kunde

Es gibt mehr als 100 verschiedene Virenarten, die für grippale Infekte verantwortlich sind. Im Sommer sind andere Viren aktiv als im Winter. Die kälteliebenden Rhinoviren tauchen bevorzugt im Herbst, Winter und Frühjahr auf. Im Sommer sorgen eher Enteroviren, wie beispielsweise der häufig vorkommende Coxsackie-Virus, für einen Infekt.

Was unterscheidet die Sommergrippe von der echten Grippe?

Die Sommergrippe verdient ihren Namen eigentlich gar nicht: Sie ist zwar ebenso lästig, aber weniger gefährlich als eine echte Grippe. Mediziner sprechen daher auch von einem „sommergrippalen Infekt“.

Die echte Grippe wird durch Influenza-Viren verursacht und kann im schlimmsten Fall sogar lebensbedrohlich werden. Sie kommt meistens wie aus dem Nichts – mit plötzlichem hohen Fieber. Der grippale Infekt im Sommer kündigt sich oft an: mit ein bisschen Halskratzen oder einer triefenden Nase.

Außerdem sind die Sommergrippe-Viren unempfindlich gegenüber höheren Temperaturen. Klassische Grippe-Viren hingegen mögen das sommerliche Klima nicht und verbreiten sich deshalb eher im Herbst und im Winter.

Warum werden wir oft genau im Urlaub krank?

Kurz vor dem Urlaub steigt der Stresspegel an: Auf der Arbeit wollen wir noch möglichst viele Projekte abarbeiten, gleichzeitig müssen Koffer gepackt und die letzten Urlaubsvorbereitungen getroffen werden. Auch die Reise selbst ist oft anstrengend: Schlangestehen am Flughafen oder im Stau auf den vollen Autobahnen. Sind wir im Stress, läuft das Immunsystem auf Hochtouren. Beginnt der Urlaub, beginnen wir abzuschalten und zu entspannen. Die Immunsystem fährt wieder runter und dann heißt es: freie Bahn für Viren. Deshalb erwischt uns ein Infekt so häufig pünktlich zu Urlaubsbeginn.

(Sommer-)Grippe oder Corona?

Sicher unterscheiden kann das nur ein Arzt, zum Beispiel mithilfe eines Corona-Tests.

Das Fiese: Auch Corona-Viren befallen die Atemwege und können dort das schwere akute Atemwegssyndrom auslösen. Symptome für eine Infektion mit dem Corona-Virus sind vor allem Fieber, allerdings nicht so plötzlich und stark steigend wie bei einer Grippe. Weiterhin typisch für COVID-19: trockener Husten und manchmal Kurzatmigkeit. Einige Erkrankte berichten außerdem von Störungen des Geschmacks- und Geruchssinns.

Die Symptome der Delta-Variante ähneln möglicherweise eher einer klassischen Erkältung. Das zeigen Berichte von COVID-19-Erkrankten in Großbritannien. Dort macht die Delta-Variante bereits mehr als 90 Prozent der Fälle aus. Zu den zur Zeit am häufigsten berichteten Symptomen gehören dort Kopf- und Halsschmerzen und eine laufende Nase.

Symptome von Erkältung, Grippe und Coronavirus im Vergleich

 Erkältung / grippaler InfektGrippeCOVID-19*
Symptombeginnschleichendplötzlichunterschiedlich
Fieber••••••
Husten•••
(trocken)
•••
(trocken)
Schnupfen•••••
Niesen•••--
Halsschmerzen•••••••
Müdigkeit•••••••
Gliederschmerzen••••••••
Kopfschmerzen•••••
Atembeschwerden/Kurzatmigkeit-••
Geschmacks- und Geruchsverlust--••
Durchfall-••
* Symptome bei der Delta-Variante ggf. abweichend

Erläuterungen

••• häufig | •• manchmal | • selten | - nie

Achtung: Das sind lediglich Anhaltspunkte. Wenn Sie glauben, dass Sie sich mit Corona infiziert haben, kontaktieren Sie bitte telefonisch Ihren Hausarzt. Er wird mit Ihnen das weitere Vorgehen besprechen.

Frau mit Headset am Computer.

AOK-Clarimedis

Medizinische Hilfe am Telefon.

9 Tipps gegen die Sommergrippe

Um einer Sommergrippe vorzubeugen, ist es am besten, gar nicht erst mit den Viren in Kontakt zu kommen. Hygieneregeln, die während der Corona-Pandemie gelten, sind auch hier hilfreich: Ein Mund-Nasen-Schutz, Mindestabstand und frische Luft in geschlossenen Räumen senken die Viruslast. Waschen Sie sich außerdem regelmäßig die Hände.

Hat Sie die Sommergrippe doch erwischt, ist sie meist nach spätestens einer Woche vorüber. Es gibt leider kein Wundermittel dagegen. Antibiotika sind gegen Viren wirkungslos. Deshalb kommt es vor allem auf Ihr Immunsystem an. Das können Sie unterstützen.

Mit folgenden Tipps überstehen Sie die Sommergrippe leichter:

  1. Abwehr stärken: Essen Sie vitaminreich, etwa frisches Obst und Gemüse.
  2. Viel trinken: Am besten Kräutertees, Wasser und Fruchtsaftschorle, aber bitte nicht zu kalt.
  3. Salz-Haushalt ausgleichen: Bei Durchfall und starkem Schwitzen verliert der Körper sogenannte Elektrolyte. Für den gesunden Ausgleich sorgt zum Beispiel eine gut gewürzte Hühnerbrühe.
  4. Temperatur senken: Bei hohem Fieber und Schmerzen darf es schon mal ein Medikament sein, etwa mit Paracetamol oder Ibuprofen. Ansonsten sind klassische Wadenwickel zu empfehlen.
  5. Hals besänftigen: Bei einer Halsentzündung wirkt Salbei besonders beruhigend – als Tee zum Trinken oder Gurgeln ebenso wie als Bonbon zum Lutschen.
  6. Atemwege befreien: Spülen Sie Ihre Nase mit Salzwasser und inhalieren Sie, etwa mit Kamille, Eukalyptus oder Pfefferminze. Mittels dieser ätherischen Öle werden Sie den Schleim los und können besser durchatmen.
  7. Sich schonen: Bettruhe ist und bleibt ein bewährtes Mittel, um schneller wieder zu Kräften zu kommen. Auch wenn’s schwerfällt, sollten Sie zumindest zu Beginn der Krankheit unter der Decke bleiben.
  8. Schatten suchen: Selbst wenn Sie sich schon besser fühlen, meiden Sie die pralle Sonne. Im Schatten kommen Sie schneller wieder zu Kräften und schonen zudem Ihre Haut.
  9. Auszeit nehmen: Ist die Sommergrippe überstanden, lassen Sie es langsam wieder angehen. Lunge oder Herzmuskel könnten in Mitleidenschaft gezogen sein.

Sollten die Symptome länger als drei Tage anhalten, sollten Sie sich vom Arzt durchchecken lassen. Das gilt auch, wenn Sie Fieber über 39 °C bekommen.

Letzte Änderung: 16.06.2021