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Karpaltunnelsyndrom – Symptome, Ursachen und Behandlung

ArtikelLesezeit: 3:00 min.
Mann hält sich die schmerzende Hand.

Bildnachweis: © istockphoto.com / LaylaBird

Nachts aufwachen und die Hand ist eingeschlafen – ein typisches Anzeichen für das Karpaltunnelsyndrom. Wie es entsteht und was dagegen hilft, haben wir für Sie zusammengefasst.

Expertenbild

Die Expertin zum Thema

Lydia Möller-Herkenhoff

Fachärztin für Chirurgie
ServiceCenter AOK-Clarimedis

Das Karpaltunnelsyndrom (kurz KTS) kann zu den Volkskrankheiten gezählt werden – es trifft Menschen in jedem Alter. Frauen leiden etwas häufiger am KTS. Manchmal sind sogar beide Hände von dem Engpasssyndrom betroffen.

Wie erkenne ich das Karpaltunnelsyndrom?

Ganz typisch für das Karpaltunnelsyndrom: Betroffene werden nachts wach und Teile ihrer Hand sind eingeschlafen. Es kommt außerdem zu Schmerzen und Missempfindungen. Vor allem der Daumen, Zeige-, Mittel- und Ringfinger fühlen sich taub an oder kribbeln. Die Schmerzen treten hauptsächlich bei Belastung oder nachts auf.

Im fortgeschrittenen Stadium leidet die Beweglichkeit des Daumens. Der Daumenballenmuskel verkümmert. Dadurch können Betroffene nicht mehr richtig zugreifen. Auch der Tastsinn in den Fingern kann eingeschränkt sein.

Was ist der Karpaltunnel?

Der Karpaltunnel befindet sich im Handgelenk. Durch ihn führen die Beugesehnen und der Mittelnerv (Nervus Medianus). Der Mittelnerv ist für das Gefühl von Daumen, Zeige- und Mittelfinger sowie Teile des Ringfingers zuständig. Außerdem steuert er die Beweglichkeit des Daumens. 

Beim Karpaltunnelsyndrom haben Sehnen und Nerven in dem Tunnel zu wenig Platz. Dadurch wird der Nerv eingeengt und schlechter durchblutet. In der Folge kommt es zu den Schmerzen und Missempfindungen.

Ursachen

Der Platzmangel im Karpaltunnel kann verschiedene Ursachen haben. Häufig wird der Auslöser jedoch gar nicht gefunden.

Mögliche Ursachen sind:

  • Fehlbelastungen, einseitige Tätigkeiten
  • Ödeme (Wassereinlagerung), häufigster Auslöser eines KTS während einer Schwangerschaft
  • Traumata wie Knochenbrüche oder Blutergüsse
  • Chronische Einengung durch Ablagerungen bei Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes mellitus oder Schilddrüsenerkrankungen
  • Entzündungen
  • Dialysebehandlungen
  • Tumoren
  • Übergewicht

Lange vermuteten Mediziner, dass häufige Computerarbeit zu einem Karpaltunnelsyndrom führen kann. In Studien konnte jedoch kein eindeutiger Zusammenhang nachgewiesen werden. Allerdings kann bei einem bereits bestehenden KTS die abgeknickte Handhaltung bei der Computerarbeit die Symptome verstärken.

Therapie und Behandlung

Die sogenannte konservative Therapie kann meistens nur in einem recht frühen Stadium helfen. Dabei wird das betroffene Handgelenk nachts mit einer Schiene ruhiggestellt, der sogenannten Nachtlagerungsschiene. Sie verhindert, dass das Handgelenk nachts abknickt.

Tagsüber sollten Betroffene starke Belastungen vermeiden. Sind konkrete Auslöser für das Engpasssyndrom bekannt, werden diese zuerst behandelt.

Tritt das KTS im Rahmen einer Schwangerschaft auf, sind häufig Wassereinlagerungen die Ursache. In den meisten Fällen warten Ärzte deshalb ab, ob sich das KTS nach der Schwangerschaft von selbst zurückbildet.

Frau mit Headset am Computer.

AOK-Clarimedis

Medizinische Hilfe am Telefon.

Medikamente gegen die Schmerzen

Kurzfristig können entzündungshemmende und schmerzlindernde Medikamente eingesetzt werden. Sie mildern jedoch nur die Symptome und helfen meist nicht langfristig. Kortisonspritzen werden nur noch im Ausnahmefall gegeben – zu hoch ist das Risiko, eine der in diesem Bereich liegenden Sehnen zu schädigen.

Karpaltunnelsyndrom – Wann ist eine OP notwendig?

  • Wenn die Ruhigstellung des betroffenen Handgelenks keine Besserung bringt
  • Wenn das KTS schon sehr weit fortgeschritten ist
  • Wenn der Betroffene in seinem Alltag stark eingeschränkt ist
  • Wenn es bereits zu einem Abbau von Muskelgewebe kommt

Bei der OP wird das Karpalband durchtrennt. So erhält der Mittelnerv wieder mehr Platz. Die Operation wird meistens ambulant durchgeführt. Vorher kontrolliert ein Neurologe die Funktion des Mittelnervs.

Nicht immer zeigt sich nach der Operation eine unmittelbare Verbesserung. Je länger das KTS vorlag, umso länger kann es dauern, bis Gefühl und Beweglichkeit des Daumens und der Finger wieder zurückkommen. Wurde der Nerv zu stark geschädigt, kann unter Umständen auch mit einer Operation keine vollständige Beschwerdefreiheit erreicht werden.

Sprechen Sie mit Ihrem Arzt, wenn Sie das Gefühl haben, dass sich nach der Operation längerfristig keine Besserung einstellt oder die Beschwerden sogar wieder zunehmen.

Letzte Änderung: 09.03.2021