Macht Stress Rückenschmerzen?

InterviewLesezeit: 2:00 min.
Junge Frau liegt auf einer Kommode auf dem Bauch und macht Gymnastikübungen.

Bildnachweis: © wdv / Oliver Rossi

„Stress verursacht Rückenschmerzen“, heißt es oft – doch stimmt das wirklich? Im Interview mit vigo erklärt Dr. Birgit Plifke, Fachärztin für Orthopädie im ServiceCenter AOK-Clarimedis, wie der Rücken und die Psyche zusammenhängen und ob Stress tatsächlich zu Rückenbeschwerden führt.

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Die Expertin zum Thema

Dr. Birgit Plifke

Fachärztin für Orthopädie und Chirurgie
ServiceCenter AOK-Clarimedis

Man hört oft, dass Rückenschmerzen durch Stress entstehen. Stimmt das?

Redaktion

Ein Zusammenhang besteht durchaus. Einerseits erhöht Stress die Muskelspannung. Diese kann so stark werden, dass sie selbst zum Schmerzverursacher wird. Andererseits kann Stress auch zu einer Art Erschöpfung führen. Wenn Betroffene sich deshalb zu wenig bewegen und sich ständig in einer Schonhaltung befinden, sind Veränderungen in der Muskulatur möglich, die wiederum starke Schmerzen bereiten können. Die Patienten müssen dann davon überzeugt werden, dass eine Besserung nur zu erwarten ist, wenn sie sich trotz ihrer Beschwerden bewegen.

Dr. Birgit Plifke

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Wie beeinflusst die Psyche den Rücken?

Redaktion

Man darf die psychische Belastung nicht unterschätzen. An der Körperhaltung erkennt man, wie jemand drauf ist. Liegt eine übermäßige Anspannung vor, erkennt man das an einem verspannten Schulter- und Nackenbereich. Wer zu Depression, Apathie oder Mutlosigkeit neigt – sich buchstäblich hängenlässt –, hat dagegen häufiger Probleme im Bereich der Lendenwirbelsäule. Außerdem empfindet jemand, der depressiv ist oder unter Stress leidet, Schmerz auch schlimmer als jemand, dem es psychisch gut geht.

Dr. Birgit Plifke

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Woran erkenne ich, wodurch meine Rückenschmerzen ausgelöst werden und ob sie seelische Ursachen haben?

Redaktion

Zunächst sollten Sie natürlich zu einem Arzt gehen. Der sieht dann vielleicht auf einem Röntgen- oder MRT-Bild unspezifische Verschleißerscheinungen und sagt: Sie haben nichts. Aber natürlich haben Sie Beschwerden! Nun müssen Sie sich fragen: Bewege ich mich zu wenig? Befinde ich mich in einer Schonhaltung? Habe ich Stress? Die Kombination „kein wesentlicher Befund“ und Verspannung deutet darauf hin, dass Stress einen Anteil an Ihren Schmerzen hat. Die üblichen Schmerzmittel helfen bei seelisch bedingten Rückenschmerzen übrigens oft nur wenig oder gar nicht.

Dr. Birgit Plifke

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Was hilft gegen psychisch bedingte Rückenschmerzen?

Redaktion

Zunächst ist es wichtig, sich darüber klar zu werden, ob man sich nur in einer stressigen Lebensphase befindet oder ob möglicherweise bereits eine stärkere Beeinträchtigung vorliegt, zum Beispiel in Form einer Depression oder Angststörung. In diesem Fall sollte man sich Hilfe holen. Ein Gespräch mit dem Hausarzt kann da schon weiterhelfen.

Überlegen Sie, was Sie selbst tun können, um den Stress zu verringern – zum Beispiel weniger arbeiten oder private Belastungen reduzieren. Entspannungstechniken sind oft hilfreich. Man muss ausprobieren, was einem liegt – nur dann bringt es etwas. Wichtig ist jedoch auch, sich zu bewegen. Wir sind von Natur aus eigentlich so angelegt, dass wir den ganzen Tag herumlaufen müssten. Darum ist es gut, die Ausdauer zu trainieren. Mit Sport lässt sich Stress sehr gut abbauen. Eine starke Rumpfmuskulatur kann altersbedingten Verschleiß der Wirbelsäule gut ausgleichen. Fazit: Rückenschmerzen, die auch psychische Ursachen haben, werden nur besser, wenn Rücken und Seele behandelt werden.

Dr. Birgit Plifke

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Frau mit orangenem Kopftuch macht Yoga auf einer Matte im Wohnzimmer, Hund liegt daneben auf dem Rücken.

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Letzte Änderung: 02.12.2019

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