Midlife-Crisis – die Krise in der Lebensmitte

InterviewLesezeit: 2:00 min.
Frau im Stuhlkreis redet mit einem Mann.

Bildnachweis: © wdv / Olaf Georg Hermann

Die Kinder verlassen das Haus, beruflich geht es auch nicht weiter, die Eltern brauchen immer mehr Hilfe – die Lebensmitte hat es in sich. Viele Frauen und Männer zwischen dem 40. und 50. Lebensjahr geraten in dieser Phase ihres Lebens in die sogenannte Midlife-Crisis, auch Mittlebenskrise genannt. Im Interview erklärt die Nervenärztin Dr. Sibylle Schreckling vom ServiceCenter AOK-Clarimedis, wie man die Midlife-Crisis erkennt und wie man mit ihr umgehen kann.

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Die Expertin zum Thema

Dr. Sybille Schreckling

Ärztin für Neurologie & Psychiatrie
ServiceCenter AOK-Clarimedis

Warum befinden sich so viele Menschen zwischen dem 40. und 50. Lebensjahr in einer Midlife-Crisis?

Redaktion

In der Mitte des Lebens schaut man zurück, blickt dann nach vorne und überlegt, wo man sich gerade befindet. Nicht immer ist man zufrieden mit dem Ergebnis. Als Ursachen spielen die Lebenssituation und die lebensfeldbezogenen Faktoren eine wichtige Rolle: Die Eltern können erkrankt sein, beispielsweise an Demenz, oder es gibt Ärger mit den pubertären Kindern. Probleme können in dieser Lebensphase gehäuft auftreten.

Dr. Sybille Schreckling

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Welche Rolle spielen hormonelle Veränderungen bei der Midlife-Crisis?

Redaktion

Sie spielen in der Tat eine Rolle: Die Produktion des weiblichen Hormons Östrogen und des männlichen Testosteron nimmt mit zunehmendem Alter ab. Bei Frauen ist das an der Menopause erkennbar. Wie der oder die Betroffene darauf reagiert – beispielsweise mit Stimmungsschwankungen –, ist sehr unterschiedlich. Stresshormone haben dagegen in jedem Lebensalter negative Auswirkungen. Wichtig ist daher, Dauerstress frühzeitig zu erkennen. So sind etwa pflegende Angehörige von Demenzkranken besonders anfällig für psychosomatische Erkrankungen.

Dr. Sybille Schreckling

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Frau joggt über eine Wiese mit hohem braunem Gras.

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Wann braucht ein Mensch in einer Midlife-Crisis ärztliche bzw. psychologische Hilfe?

Redaktion

Wenn jemand nicht mehr ausreichend schlafen und nicht mehr folgerichtig denken kann, wenn ihn bestimmte Gedanken völlig besetzen und er nicht mehr aufnahmefähig ist für äußere Reize – bei diesen Symptomen ist ärztliche Hilfe erforderlich. Männern fällt es leider schwerer, sich Hilfe zu holen, besonders wenn es um die Psyche geht. Der Hausarzt kann dabei helfen zu entscheiden, ob man einen Psychologen, einen Psychiater oder beides braucht, um die Lebenskrise zu bewältigen.

Dr. Sybille Schreckling

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Wie kann man mit Stimmungsschwankungen umgehen?

Redaktion

Was man sowohl bei leichten als auch bei schweren Lebenskrisen machen kann, ist Autogenes Training. Das ist eine Art Selbsthypnose, mit der man seinen Körper und seinen Geist zu beherrschen lernt. Die sechs Übungen sollte man in einem Kurs erlernen. Sinnvoll ist darüber hinaus, sich zu überlegen und aufzuschreiben: Was kann ich verändern? Und was kann ich nicht verändern? Wer das zwei Wochen lang macht, weiß genauer, wo seine Probleme liegen. Darauf aufbauend kann man sich überlegen, welche Art von Hilfe man benötigt, zum Beispiel einen Psychologen oder einen Eheberater.

Dr. Sybille Schreckling

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Letzte Änderung: 05.10.2016