Organspende – Ängste und Bedenken überwinden (Fortsetzung)

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Sanitäter trägt einen Behälter mit Organen.

Bildnachweis: © wdv / Olaf Hermann

„Soll ich Organspender werden oder nicht?“ Viele Menschen sind sich unschlüssig, denn noch immer sind mit dem Thema Organspende zahlreiche Ängste und Zweifel verbunden. Im Interview mit vigo Online ordnet die geschäftsführende Ärztin der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) in Essen, Dr. med. Ulrike Wirges, die Bedenken ein und räumt dabei mit vielen Vorurteilen auf.

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Die Expertin zum Thema

Dr. Ulrike Wirges

Geschäftsführende Ärztin
Deutsche Stiftung Organtransplantation (DSO), Essen

Sind in Deutschland Fälle von Organhandel bekannt? Und kann es sein, dass die Organe eines Spenders in den Besitz von Organhändlern gelangen?

Redaktion

Nein, ein solcher Fall ist nicht bekannt und in Deutschland auch kaum vorstellbar. Der Weg und Verbleib der Organe, die hier gespendet werden, wird stets lückenlos dokumentiert. Dazu sind alle beteiligten Partner gesetzlich verpflichtet.

Die Transplantationsmedizin ist bei uns auf drei Säulen aufgebaut, die jeweils einen Teilbereich verantworten: Die DSO übernimmt die Organisation der Organspende und Eurotransplant die Vermittlung der Organe an den passenden Empfänger. Die eigentliche Durchführung der Transplantation sowie deren Vor- und Nachbereitung findet schließlich in den Transplantationszentren statt. Durch diese Dreiteilung wird die Unabhängigkeit der verantwortlichen Organisationen gewährleistet.

Dr. Ulrike Wirges

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Eine weitere Frage, die sich viele Menschen stellen: Was geschieht mit den Organen eines Organspenders nach Versterben im Ausland?

Redaktion

Jedes europäische Land hat eigene gesetzliche Regelungen zur Organspende. Diese legen u. a. die Voraussetzung für eine Organspende fest oder weisen den Beteiligten bestimmte Aufgaben und Verantwortlichkeiten zu. Entsprechend der gesetzlichen Rahmenbedingungen kann es demnach auch Unterschiede in den Abläufen geben.

So wird zum Beispiel durch die Vermittlungsstelle Eurotransplant jedes Organ, das in Deutschland, Österreich, Kroatien, Ungarn, Slowenien Luxemburg, Belgien und den Niederlanden gemeldet wird, zunächst nur innerhalb dieses Verbundes angeboten. Erst, wenn sich kein geeigneter Empfänger ermitteln lässt, wird das Organ auch anderen Ländern angeboten.

Grundsätzlich muss für sämtliche Organe, die innerhalb der EU gespendet wurden, eine Rückverfolgbarkeit gewährleistet sein.

Dr. Ulrike Wirges

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Was würden Sie jenen sagen, die sich noch nicht für einen Organspendeausweis entscheiden können, weil sie noch Bedenken haben?

Redaktion

Es ist gut und wichtig, sich mit dem Thema Organspende auseinanderzusetzen. Dabei ist es auch wichtig, sich über seine Ängste und Bedenken klar zu werden und sich damit auseinanderzusetzen. Letztendlich sollte jeder seine eigene, selbstbestimme Entscheidung treffen.

Auf dem Organspenderausweis gibt es verschiedene Optionen von „Ja“ über eine Einschränkung auf bestimmte Organe bis zu einem „Nein“. Diese Entscheidung sollte man dann nach Möglichkeit innerhalb der Familie besprechen.

Jeder, der seine selbstbestimmte Entscheidung trifft, schafft Klarheit für alle Beteiligten. Unabhängig davon, wie diese ausfällt, stellt er damit sicher, dass sein persönlicher Wille nach dem Tod umgesetzt wird.

Dr. Ulrike Wirges

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Paar im Gespräch.

Entscheidungshilfe

Organe spenden – ja oder nein?


Letzte Änderung: 13.08.2017