„Ich kauf mir was“ – woher kommt die Kaufsucht?

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Zwei Frauen unterhalten sich, eine trägt Einkaufstüten.

Bildnachweis: © wdv / Olaf Hermann

Wenn Shoppen zum Zwang wird, sprechen Experten von dem Krankheitsbild Kaufsucht. Das bedeutet den inneren Drang einzukaufen – und die triebhafte Wiederholung dieses Vorgangs. Dabei finden die Kaufsüchtigen Anerkennung und innere Befriedigung. Negative Gefühle wie Selbstzweifel und innere Leere werden kurzzeitig ausgeblendet. vigo Online erklärt, welche Ursachen und Symptome diese Krankheit hat.

Kaufsucht, auch Oniomanie genannt, ist heute neben Spielsucht und Bulimie eine der häufigsten Formen der Verhaltenssucht. Obwohl das Krankheitsbild in der Medizin seit über 100 Jahren bekannt ist, hat sich das öffentliche Bewusstsein dafür erst in diesem Jahrzehnt entwickelt. Grund dafür ist die rasant zunehmende Häufigkeit dieser psychischen Störung. Eine Untersuchung der Universität Hohenheim zeigt, dass bereits neun Prozent der Bundesbürger kaufsüchtig sind, 23 Prozent sind kaufsuchtgefährdet – und jedes Jahr steigen die Zahlen an. Diese Sucht zieht sich durch alle sozialen Schichten und Altersgruppen, wobei junge Menschen zwischen 20 und 30 Jahren besonders anfällig sind. Dabei sind nicht nur Frauen von einer Kaufsucht betroffen. Gut 40 Prozent der Kaufsüchtigen sind Männer.

Junges Paar steht an einem Stehtisch auf dem Getränke stehen.

Sucht vorbeugen

Angebote für Kids und Jugendliche.

Ursachen der Kaufsucht

Onlineshops, eine immer präsente Werbewelt sowie bargeldlose Zahlweisen und die öffentliche Akzeptanz von Shopping als Hobby schaffen ideale Voraussetzungen für Kaufsüchtige. Was mit gelegentlichen Frustkäufen beginnt, entwickelt sich besonders bei Menschen mit einer Persönlichkeitsschwäche schnell zu einem immer wiederkehrenden Zwang. Bei vielen Betroffenen geht das Suchtverhalten auf psychische Probleme wie Angststörungen, Depressionen oder Zwänge zurück. Andere treibt Einsamkeit und innere Leere in die Abhängigkeit.

Kaufsucht-Symptome – Zwang statt Genuss

Es ist der Hunger nach dem Glücksgefühl des Kaufrausches, das die Sorgen oder Ängste des Alltags kurzzeitig überlagert, wonach die Betroffenen streben. Es geht ihnen nie um die Waren, sondern in erster Linie um die Hochstimmung beim Kaufprozess selbst. Doch kaum ist das neue Stück an der Kasse bezahlt, ist der Rausch schon wieder vorbei und die negativen Gefühle kommen wieder. Dazu gesellt sich die Scham über die eigene Schwäche und die unnütze Geldausgabe. Wie auch bei anderen Süchten müssen die Betroffenen mit der Zeit die „Dosis“ steigern: Um den befreienden Rausch zu erreichen, kaufen sie immer häufiger immer mehr Sachen. Halten sie ihr Verlangen zurück, setzten Entzugserscheinungen wie Herzrasen, Schweißausbrüche, innere Unruhe oder gar Depressionen ein. Sie werden rückfällig und der Kreislauf beginnt von vorne.

Trotz der erheblichen psychischen Belastung trauen sich Kaufsüchtige aus Schamgefühl oft nicht, sich in Behandlung zu begeben. Dabei ist die Kaufsucht verhältnismäßig gut therapierbar. In Gesprächen gehen die Patienten den Ursachen ihrer Störung auf den Grund und lernen, ihre Schwäche zu beherrschen.

Selbsthilfegruppen mit Kontaktdaten und Ansprechpartnern finden Sie online beim Selbsthilfenetz.

Letzte Änderung: 12.05.2015

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