Patientenrechte: Ihr Recht auf Geheimhaltung

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Ärztin sitzt am Schreibtisch und spricht mit einem Paar.

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Die ärztliche Schweigepflicht ist die Grundvoraussetzung für ein gutes Arzt-Patienten-Verhältnis. Sie umfasst viele Punkte. Lesen Sie die wichtigsten Fragen und Antworten.

Wer unterliegt der Schweigepflicht?

Außer Ärzten, Zahnärzten, Psychotherapeuten, Apothekern und Hebammen unterliegt auch das medizinische Hilfspersonal, also Krankenschwestern, medizinisch-technische Assistenten und Auszubildende, der Schweigepflicht. Im Krankenhaus gilt sie darüber hinaus für das Verwaltungspersonal.

Was genau darf ein Arzt nicht verraten?

Ein Mediziner darf weder preisgeben, wen er behandelt, noch aus welchem Grund. Vertraulich sind außerdem die Wohn- und Lebenssituation des Patienten, seine finanzielle Lage, seine sexuellen Vorlieben und die körperliche Hygiene. Auch Meinungen oder persönliche Eindrücke muss der Mediziner für sich behalten.

Wem gegenüber darf Auskunft gegeben werden?

Ein Patient hat die Möglichkeit, seinen Arzt von der Schweigepflicht zu entbinden. Tut er das nicht, darf der Mediziner weder Angehörige noch Ehegatten und schon gar nicht den Arbeitgeber über Erkrankungen unterrichten oder Behandlungsunterlagen herausgeben. Die Schweigepflicht gilt über den Tod des Patienten hinaus.

Was passiert, wenn ein Arzt trotzdem plaudert?

In dem Fall sollte man sich juristischen Beistand suchen. Nach dem Strafgesetzbuch kann einem Arzt eine Geldbuße oder Freiheitsstrafe bis zu einem Jahr drohen. Wenn er die Absicht hatte, sich finanziell zu bereichern, können es sogar bis zu zwei Jahre Haft werden. Neben dem Strafverfahren ist auch ein berufsgerichtliches Verfahren denkbar, da der Mediziner gegen die ärztliche Berufsordnung verstoßen hat.

Muss der Arzt auch schweigen, wenn andere gefährdet sind?

Nicht immer. Der Arzt muss das Wohl der anderen gegenüber dem Recht des Einzelnen auf Selbstbestimmung und Schutz der Intimsphäre abwägen. Das kann zum Beispiel bei einem alkoholkranken Lkw-Fahrer zum Tragen kommen, einem mit HIV infizierten Mann, der seine Frau anstecken könnte, oder wenn ein Behinderter mangelhaft versorgt wird.

Gilt die Schweigepflicht auch bei minderjährigen Patienten?

Eltern haben eine Fürsorge- und Erziehungspflicht. Darum muss der Arzt die Einsichtsfähigkeit seines Patienten einschätzen. Bei Minderjährigen unter 15 Jahren ist der Arzt in der Regel berechtigt, die Eltern in vollem Umfang zu unterrichten.

Zwei Frauen im Gespräch.

Patientenrechte

Das sollten Sie wissen.

Muss ein Arzt vor Gericht aussagen?

Mediziner brauchen vor dem Straf- oder Zivilgericht nicht über vertrauliche Dinge eines Patienten aussagen, die sie bei der Berufsausübung erfahren haben. Ausnahmen sind besonders schwere Straftaten wie Landesverrat, Kindesmisshandlung, Sexualstraftaten oder Geldwäsche.

Darf der Betriebsarzt dem Arbeitgeber Auskünfte erteilen?

Auch ein Betriebsarzt ist an die Schweigepflicht gebunden. Er darf dem Arbeitgeber nur die medizinische Schlussfolgerung mitteilen, also zum Beispiel "für die Tätigkeit geeignet". Diagnosen und medizinische Daten dürfen nicht ohne Zustimmung des Mitarbeiters an seinen Chef weitergegeben werden.

Gilt die Schweigepflicht auch zwischen Ärzten?

Ja. Ohne die Einwilligung des Patienten darf ein Arzt nicht mit Kollegen über seinen Fall sprechen oder eine Zweitmeinung einholen. Bei Überweisungen zum Facharzt wählt der Patient den neuen Arzt. Die Behandlungsunterlagen dürfen weitergegeben werden, weil die Einwilligung des Patienten vorausgesetzt wird. Das gilt auch bei mitbehandelnden Ärzten in der Klinik.

Was ist, wenn ein Patient im Koma liegt?

Ist ein Patient nicht in der Lage, sich zu äußern, muss der Arzt von dessen mutmaßlichen Willen ausgehen. Mit einer Patientenverfügung lassen sich die Wünsche über die Behandlung am Lebensende festhalten, wenn man nicht mehr entscheidungsfähig ist. In einer Vorsorgevollmacht* kann man eine Vertrauensperson festlegen, die dann bei medizinischen Entscheidungen hinzugezogen wird.

* Mit einer Vorsorgevollmacht ermächtigt man eine Person seines Vertrauens, für einen zu handeln, falls man wegen Krankheit oder schwerer Pflegebedürftigkeit nicht mehr selbst in der Lage ist, wichtige Entscheidungen zu treffen. Man kann die Vorsorgevollmacht notariell beglaubigen lassen, dies ist aber nicht vorgeschrieben.

Letzte Änderung: 26.06.2016