Die kalten und grauen Wochen schlagen vielen Menschen aufs Gemüt. Dr. Julia Petmecky, Psychologin und Expertin bei Clarimedis erklärt, wie das winterliche Stimmungstief entsteht und was Sie dagegen tun können.
Interview mit Dr. Julia Petmecky, Psychologin und Expertin bei Clarimedis
Jeder fühlt sich im Winter mal niedergeschlagen. Was unterscheidet eine Winterdepression von einer vorübergehenden Verstimmung?
Dr. Julia Petmecky: Die Winterdepression erkennt man vor allem an der Dauer der Niedergeschlagenheit. Betroffene sind nicht nur wenige Tage schlecht drauf, sondern das Stimmungstief hält mehrere Wochen oder sogar Monate lang an. Zudem ist die Leistungsfähigkeit eingeschränkt: Sowohl die Arbeit als auch das Privatleben werden beeinträchtigt.
Wie unterscheidet sich eine Winterdepression von einer anderen Depression?
Dr. Julia Petmecky: Im Gegensatz zu anderen Depressionen leiden Betroffene nicht unter Schlaflosigkeit, sondern haben im Gegenteil ein erhöhtes Schlafbedürfnis. Auch der Appetit ist größer, vor allem auf Süßigkeiten. Zudem ist es eben ein Charakteristikum der Krankheit, dass sie stets im Winter auftritt.
Kennt man die Ursachen für die Krankheit?
Dr. Julia Petmecky: Lichtmangel gilt als Hauptauslöser der Winterdepression. Wenn weniger Licht auf Haut und Augen trifft, produziert der Körper mehr von dem Schlafhormon Melatonin – das Schlafbedürfnis steigt. Vermutlich spielen auch andere Botenstoffe im Gehirn eine Rolle – zum Beispiel ein Mangel an dem „Glückshormon“ Serotonin.
Wie wird die Winterdepression behandelt?
Dr. Julia Petmecky: Eine wirksame Behandlung ist die Lichttherapie. Dabei sitzt der Patient morgens oder abends rund eine Stunde vor einem Lichtgerät, welches das Tageslicht imitiert. Da die Lichttherapie nicht überall verfügbar ist, werden schwere Fälle der Winterdepression auch mit Medikamenten behandelt.
Dr. Julia Petmecky: Ja, das ist möglich. Vor allem der Aufenthalt im Freien, aber auch Bewegung beugt der Winterdepression vor. Wer häufiger betroffen ist, kann die dunkle Jahreszeit auch durch einen Urlaub im Süden verkürzen. Im Mittelmeerraum ist die Krankheit nahezu unbekannt.
Kommt die Krankheit jeden Winter wieder?
Dr. Julia Petmecky: Nicht zwangsläufig, aber es gibt Menschen, die dafür anfällig sind. Auch die Lebensumstände spielen eine Rolle. In schwierigen Phasen wird man eher depressiv als in guten Zeiten.