„Ich bin so im Stress.“ Dieser Satz gehört schon fast zur Standardaussage im beruflichen Umfeld. So abgedroschen er klingt, so ernst ist er zu nehmen. Denn Fakt ist, dass immer mehr Menschen an den Folgen von Termindruck, Überstunden und Arbeitsbelastung ernsthaft erkranken.
Prof. Dieter Zapf, Psychologe und Leiter der Abteilung Arbeits- und Organisationspsychologie an der Universität Frankfurt erklärt, was sich in der modernen Arbeitswelt geändert hat, was uns daran so belastet und wie man mit den sogenannten Stressoren besser umgehen kann.
Herr Professor Zapf, viele Menschen fühlen sich heute durch ihre Arbeit gestresst. Dabei arbeiten wir doch weniger als früher. Was belastet die Menschen so sehr?
Prof. Zapf: Stress bedeutet ja immer ein Ungleichgewicht zwischen den Anforderungen der Arbeit auf der einen Seite und den persönlichen Fähigkeiten – wir nennen das Ressourcen – auf der anderen Seite. Die körperlichen Belastungen haben abgenommen. Die psychischen Belastungen durch Termindruck oder komplexe Aufgaben haben dagegen zugenommen. Gleichzeitig bleibt weniger Zeit, Spannungen und Konflikte zu lösen. Damit kommen viele Menschen nicht klar.
Wie äußert sich das?
Prof. Zapf: Zunächst einmal als psychische Anspannung. Dazu können Nervosität, Hilflosigkeitsgefühle und depressive Verstimmungen kommen. Auch viele psychosomatische Beschwerden wie Kopfweh, Schlafstörungen oder Bluthochdruck lassen sich auf Stress zurückführen.
An den Anforderungen am Arbeitsplatz kann der Einzelne ja nicht viel ändern. Kann man es lernen, mit dem Stress umzugehen?
Prof. Zapf: Ja, sicher. Der erste Schritt ist es, herauszufinden, welche Faktoren einen genau belasten. Dies wird auch im Stressmanagement gelehrt. Man muss lernen, Probleme zu erkennen und auch auszusprechen – zum Beispiel gegenüber dem Vorgesetzten.
Stress: Die Faktoren erkennen und bewältigen