Eltern, Freunde und Familie sind von einer Essstörung wie der Anorexia nervosa immer mit betroffen – und oft unsicher, wie sie sich verhalten sollen. Wir haben Dieter Stürmann, Diplom-Psychologe und Psychotherapeut am Düsseldorfer Zentrum für Essstörungen, gefragt, was Angehörige tun können.
Für Eltern ist es schwer zuzusehen, wie das eigene Kind abmagert. Wenn sie merken oder vermuten, dass ihr Sohn oder ihre Tochter eine Essstörung hat, versuchen sie oft, diese zum Essen zu drängen. Ist das richtig?
D. Stürmann: Das hilft natürlich gar nichts. Essstörungen sind nur die Symptome für seelische Störungen. Vor allem Mädchen mit Anorexie, also Magersucht, haben sich vorher häufig als sehr abhängig von den Eltern erlebt – bei gleichzeitigem Autonomiebestreben. Mit der Verweigerung des Essens fühlen sie, dass sie Gewalt über ihren Körper haben und die Eltern das nicht beeinflussen können.
Was können Eltern dann überhaupt tun?
D. Stürmann: Mit der Tochter oder dem Sohn reden – auch über deren Gefühle und Wünsche. Die Möglichkeiten für Eltern, ihrem Kind zu helfen, sind aber begrenzt. Sie sollten sich Unterstützung bei einer Beratungsstelle holen. Hilfreich ist es auch, Sohn oder Tochter zu einem Psychotherapeuten oder einem Arzt zu schicken. Ein Internist kann klären, ob durch die Krankheit Körperfunktionen gestört sind. Eltern dürfen auf keinen Fall wegschauen. Gerade die Magersucht ist ja eine potenziell tödliche Krankheit.
Was ist, wenn das Kind oder der Jugendliche sich weigert, mit zum Arzt oder Therapeuten zu kommen?
D. Stürmann: In diesem Fall dürfen Eltern ruhig etwas Druck ausüben. Man muss dem Kind signalisieren, dass man nicht tatenlos zusieht. Schwieriger ist es, wenn der Jugendliche schon 18 ist. In diesem Fall sind den Eltern die Hände gebunden.
Ist es sinnvoll, die Betroffenen zu einem Klinikaufenthalt zu zwingen bzw. wann darf man das tun?
D. Stürmann: Das ist – ähnlich wie bei Suizidgefährdung – dann erlaubt, wenn das Leben in Gefahr ist, also wenn der oder die Betroffene schon extrem stark abgemagert ist. Im Zweifelsfall sollte man das gemeinsam mit einem Arzt entscheiden. Besteht Lebensgefahr, darf man übrigens auch Über-18-Jährige gegen ihren Willen einweisen lassen. Das sollte aber nur die letzte Option sein.
Wie können Freunde helfen? Sollten sie die Betroffenen auf die Krankheit ansprechen?
D. Stürmann: Ja, behutsames Ansprechen ist sinnvoll. Es gilt eigentlich immer die Regel: Reden ja, drängen nein.
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